Das Titelbild der 2011 veröffentlichten „Nienburger Handreichung für Demokratie und Zivilcourage“. Foto: Arbeitskreis Gedenken

Das Titelbild der 2011 veröffentlichten „Nienburger Handreichung für Demokratie und Zivilcourage“. Foto: Arbeitskreis Gedenken

Nienburg 13.06.2020 Von Die Harke

Klar gegen Hass, Gewalt und Rassismus positioniert

Arbeitskreis Gedenken und Stadtverwaltung erinnern an „Nienburger Handreichung für Demokratie & Zivilcourage“

Anlässlich der Kundgebung „Wehret den Anfängen. Nazi-Aktivitäten stoppen“ am vergangenen Samstag erinnern die Verwaltung der Stadt Nienburg und der Arbeitskreis Gedenken an das Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus, das seit einem Jahrzehnt die Grundlage für das Engagement der Stadt für Demokratie und gesellschaftliche Vielfalt bildet.

Schon im Jahr 2000 hatten alle damaligen Mitglieder des Stadtrats den Berliner Aufruf zum 9. November unterzeichnet. Mit diesem „Aufruf zur Toleranz“ verurteilten die Ratsmitglieder Hass, Gewalt, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit und bekannten sich zur Verteidigung der Demokratie gegen rechtsextreme Angriffe.

Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus

Auf der Grundlage dieser gemeinsamen Erklärung lud die Stadt im Jahr 2010 ein breites Spektrum von Kommunalpolitikern, Zivilgesellschaft, Schulen, kulturellen und staatlichen Einrichtungen einschließlich Bundeswehr und Polizei ein zu erörtern, wie gegen den aufkommenden Rechtsextremismus vorgegangen werden sollte. Den verschiedenen Erscheinungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Islamophobie oder Behindertenfeindlichkeit – setzte dieses Forum das Ideal einer interkulturellen, demokratischen Gesellschaft entgegen.

In mehreren großen Diskussionsrunden im Ratssaal erarbeiteten die Teilnehmenden ein viel beachtetes Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus mit dem Motto „Nienburg Stadt der Vielfalt“. Am 14. Dezember 2010 wurde es vom Rat der Stadt Nienburg einstimmig beschlossen. Unter dem Titel Nienburger Handreichung für Demokratie und Zivilcourage wurde es 2011 in einer Veröffentlichung des Weser-Aller-Bündnis WABE herausgegeben.

Gleichzeitig bewarb sich die Stadt zusammen mit dem Landkreis sowie Stadt und Landkreis Verden um die vom Bundesfamilienministerium vergebene Auszeichnung „Orte der Vielfalt“. Die Bewerbung Nienburgs war laut Jury erfolgreich, weil man sich gemeinsam mit den drei anderen Gebietskörperschaften seit Jahren offensiv mit dem Rechtsradikalismus auseinandergesetzt und in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft eine Vielzahl von Initiativen für Vielfalt und Demokratie ermöglicht hatte.

Ausgezeichnet als „Stadt der Vielfalt“

Am 27. Oktober 2010 war Nienburg unter den 52 Städten, Gemeinden und Landkreisen, denen die Bundesregierung die Auszeichnung „Stadt der Vielfalt“ zuerkannte.

„Ich freue mich“, wandte sich einige Monate später Bürgermeister Henning Onkes in einem Grußwort an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, „dass mit der vorliegenden Veröffentlichung das Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus weite Verbreitung findet. Gleichzeitig wird damit allen, die in diesem Aufgabenfeld aktiv sind, ein praktisches Arbeitsmittel an die Hand gegeben.“

Um dem Rechtsextremismus die Aktionsspielräume zu nehmen, müsse die aktive Beteiligung der gesamten Bürgerschaft erreicht werden. Besondere Bedeutung kam dabei der Gedenkarbeit der Stadt zu, die die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus zur Grundlage für eine demokratische und friedfertige Gesellschaft heute machte.

2011 konstituierte sich der zuvor rein städtische Arbeitskreis als erweitertes Gremium mit zivilgesellschaftlichen Organisationen. Aufgrund des Handlungskonzeptes übertrug der Rat in einer erneut einstimmig beschlossenen Vereinbarung dem Arbeitskreis Gedenken der Stadt Nienburg die Gestaltung der Nienburger Gedenkkultur. Dabei ging es von Beginn an nicht nur um die formale Wahrnehmung der offiziellen Gedenktage, sondern auch um die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft bei der Aufklärung über rechtsradikale Tendenzen und bei der Abwehr von Neonazi-Aktivitäten in Nienburg.

Letzteres wurde insbesondere seit 2015 immer wieder nötig, weil auswärtige Strukturen rechtsextremistischer Organisationen versuchten, in Nienburg Fuß zu fassen.

„Der Kampf für unsere Demokratie und gegen Rechtsextremismus“, erklärt der Arbeitskreis Gedenken, „wird nicht nur auf Straßen und Plätzen gewonnen, sondern vor allem auch in den Köpfen der Menschen.“

Interessierte können einen Ausdruck des Handlungskonzeptes beim Arbeitskreis Gedenken anfordern (bitte per E-Mail an mizva@thomasgatter.eu oder A.Kleinert@nienburg.de).

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Erstellt:
13. Juni 2020, 20:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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