Klaus „Charly“ Dörffel in seinem Gewand beim Stolzenauer Umzug. Foto: Reckleben-Meyer

Klaus „Charly“ Dörffel in seinem Gewand beim Stolzenauer Umzug. Foto: Reckleben-Meyer

Stolzenau 12.02.2021 Von Heidi Reckleben-Meyer

Klaus „Charly“ Dörffel war in Stolzenau von Beginn an dabei

Im Jahr 1967, als die Holländer in Stolzenau und die ersten Kinder der hier stationierten Soldaten die örtliche Realschule besuchten, hatte der angehende Stolzenauer Lehrer Klaus Dörffel nur zwei Wünsche: seine zweite Prüfung für den Abschluss der Lehrerausbildung erfolgreich absolvieren und dann nix wie weg aus Stolzenau.

Doch es kam alles ganz anders. Klaus Dörffel alias „Charly“ legte nicht nur seine zweite Prüfung ab, sondern lernte seine Helge kennen (und lieben) und baute Kontakt zu zahlreichen holländischen Lehrern auf. Er verstand zwar kein holländisch, war aber neugierig auf die Menschen.

Er wurde Verbindungslehrer und fand in dem Feldwebel Grit Stijnen jemanden, der auch jenseits der Kasernenmauern neugierig auf die „andere Seite“ war. Der niederländische Sergeant erster Klasse, ein flotter Typ mit auffällig gezwirbeltem Bart, stammte aus dem überwiegend katholisch geprägten Teil der Niederlande, in dem der Karneval eine lange Tradition hatte. „Grit war zwar nicht besonders katholisch, aber dem Karneval in besonderer Weise zugewandt“, erinnert sich „Charly“.

Beide waren sich schnell einig: Wir müssen in Stolzenau etwas in dieser Richtung auf die Beine stellen! „Charly“ Dörffel bekam die Aufgabe, zwischen den Holländern und den Deutschen als Mittler zu fungieren. Auf dem Kasernengelände entstand ein erster Karnevalswagen. „Damit sind wir aber nur auf dem Kasernengelände geblieben.“ Im nächsten Schritt ging es darum, mehr Stimmung in die Geschichte zu bringen: „Wir brauchen eine weitere Kapelle“ - denn bis dahin wurden nur holländische Schlager gespielt.

„Ich konnte zu der Zeit nur Gitarrre und Trompete“, erinnert sich „Charly“. Gemeinsam mit Henk Bonthuis (Banjo), Brinkmann (Posaune), van der Kerkhoff (Schlagzeug), Adrian Parmentier (Susaphone) und Volker Heinbokel (Klarinette) bildete er (Trompete) die Band „Viel Lärm für wenig Geld“. Der Name wurde zum Programm für diese erste Band in Stolzenau, die sich aus Deutschen und Holländern gleichermaßen zusammensetzte. An den unterschiedlichsten Stellen spielten sie auf – Geld gab‘s keins, dafür etwas zu Essen und zu Trinken. Letztlich entstand aus dieser deutsch-holländischen Mischung die Band „Dutch German Stumpers“. Zur Karnevalszeit wurden in Stolzenau schließlich immer mehr Wagen gebaut, 1967 gründete sich der „OOCC Weserpeerden“. „Ich bin zu jeder Sitzung gelaufen“, erinnert sich „Charly“.

1969 fand dann der erste Umzug durch den Ort statt. Allerdings ging es damals in der sogenannten Holländersiedlung los und der Umzug endete in der Kaserne – und längst nicht alle Deutschen konnten mit hinein. Erst 1985 öffnete sich das Fest und in Stolzenau wurde gemeinsam gefeiert.

„Irgendwann hat Roel Dolfing mich gefragt, ob ich Lust hätte, in der Jury mitzumachen.“ Klar, „Charly“ war dabei. Mal auf Inlinern, später mehr gewandet als verkleidet und mit Klemmbrett in der Hand, schaute er sich die Wagen an, bewertete Aufbauten und Teilnehmer in den unterschiedlichen Kategorien. „Das hat immer viel Spaß gemacht.“

Mit dem Abzug der holländischen Soldaten 1995 hatten viele befürchtet, dass der Karneval in Stolzenau sterben würde. Sie sollten sich irren. Noch mehr als 25 Jahre später ist der Karneval ein unbestrittener Höhepunkt im Veranstaltungskalender des Südkreises.

Zum Artikel

Erstellt:
12. Februar 2021, 08:05 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Oskar 12.02.202115:42 Uhr

Gruß aus Wolfsburg an meinen ehemaligen Lehrer und Freund Charly Dörffel.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.