Kleines Katta-Kind in großer Not

Kleines Katta-Kind in großer Not

Der kleine Lemur mit Tierpflegerin und Ersatzmutter Frauke Niehus. Habermann

Am 27. März war der Katta-Nachwuchs im Tierpark Ströhen auf die Welt gekommen; die Mutter kümmerte sich bis vor wenigen Tagen vorbildlich um ihre beiden Babys. Bei ihrem morgendlichen Rundgang am 6. Mai machte Reviertierpflegerin Frauke Niehus jedoch eine beunruhigende Entdeckung: Eines der beiden Kattakinder lag unbeachtet und reglos am Boden des Geheges. „Warum die Mutter sich plötzlich nur noch um eines der Kinder kümmerte, können wir nicht mit Gewissheit sagen. Wir vermuten, dass sie eventuell zu wenig Milch hat, um beide Kinder ausreichend zu versorgen“, so Niehus. Zu Anfang stand es nicht gut um das kleine Kattamädchen. Völlig ausgehungert und entkräftet zog es bei der Tierpflegerin ein. „Wir hatten große Sorge, ob der kleine Lemur durchkommt. Sie muss in der Nacht schon eine ganze Weile ohne Milch gewesen sein und ohne die Obhut der Mutter, die sie neben der Milch auch mit Wärme und Geborgenheit versorgt, hat die Kleine sehr schnell abgebaut“, so Tierparkchef und Tierarzt Dr. Nils Ismer.

Zunächst versorgte Tierpflegerin Niehus das Tier alle zwei Stunden tröpfchenweise mit Milch. Mehr konnte die Kleine nicht zu sich nehmen. Sie war völlig entkräftet und teilnahmslos. Ihr Zustand verbesserte sich jedoch von Tag zu Tag, sie wurde immer agiler und munterer und der Hunger stellte sich auch wieder ein. „Inzwischen bekommt sie ihre Milch alle drei bis vier Stunden aus der Flasche“ erzählt Niehus, erleichtert darüber, dass sich der kleine Lemur auf einem guten Weg befindet „Und wenn ich nachts mal nicht ganz pünklich wach bin, fordert sich die Kleine ihre Mahlzeit auch schon mit deutlichem Fiepen“, freut sich Frauke Niehus schmunzelnd über die gute Entwicklung. Inzwischen ist das kleine Kattamädchen so fit, dass sie ihre Ersatzmutter morgens in den Tierpark zur Arbeit begleitet. Hier wohnt der Lemur tagsüber gleich neben dem Kattastall.

„Bei den Lemuren waren wir auch schon zu Besuch. Die freuen sich, wenn sie sich sehen und beißen sich auch nicht, aber versorgt wird das Kleine von der Mutter nicht mehr. Mit den regelmäßigen Besuchen möchten wir vermeiden, dass sie sich zu sehr auf den Menschen prägt. Im Moment weiß sie, dass sie kein Mensch, sondern ein Katta ist. Das soll auch so bleiben und macht die spätere Integration in die Lemurengruppe deutlich einfacher“, erklärt Niehus.

Die folgenden vier Monate wird das kleine Lemurenmädchen noch von ihrer Ersatzmutter versorgt, bevor es mehr und mehr an feste Nahrung wie Obst und Gemüse gewöhnt wird und hoffentlich bald in die Lemurengruppe im Tierpark Ströhen einziehen kann. Bei der Tierkindertaufe im Sommer wird hoffentlich ein schöner Name für das Kattakind gefunden.