Hoher Besuch aus Fernost in Steyerberg: Eine Delegation von Professoren und Studenten aus Japan und Deutschland informierten sich über Maßnahmen gegen den Klimawandel. Mit dabei war auch Steyerbergs Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber (Mitte oben). Flecken Steyerberg

Hoher Besuch aus Fernost in Steyerberg: Eine Delegation von Professoren und Studenten aus Japan und Deutschland informierten sich über Maßnahmen gegen den Klimawandel. Mit dabei war auch Steyerbergs Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber (Mitte oben). Flecken Steyerberg

Steyerberg 14.03.2017 Von Die Harke

„Klimaschutz kennt keine Grenze“

Japanischer Botschaftsrat, Professoren und Studenten tauschen sich über Klimawandel aus

Dr. Kotaro Kawamata, einer der höchsten Vertreter der japanischen Regierung in Deutschland, arbeitet im Bereich „Nationale Anpassungsstrategien an den Klimawandel auf internationaler Ebene“. Er war kürzlich mit Dr. Koji Matsuoka von der Shinshu Universität Matsumoto, Professor Franz Renz von der Leibniz Universität Hannover und 18 interessierten Studenten zu Gast im Flecken Steyerberg, um sich vor Ort über die Möglichkeiten und Chancen der Energiewende im ländlichen Raum zu informieren.

In Japan steckt diese Entwicklung noch in den Kinderschuhen. Bereits im September vergangenen Jahres war eine erste 48642 vor dem gleichen Hintergrund im Flecken Gast.

„Wir tauschen uns darüber aus, wie wir etwas machen und wie wir das organisieren“, erläuterte [DATENBANK=469]Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber[/DATENBANK] beim Gespräch mit den Vertretern der Universitäten und den Studenten im Rathaus.

Im Ratssaal wurde ein Rückblick geboten auf die Entwicklung der erneuerbaren Energien im Flecken seit der ersten Stromerzeugung 1897, vor fast genau 120 Jahren in der Meyersiekschen Mühle, über Gas- und Ölförderung im Gemeindegebiet, über die Windkraftanlagen in Wellie und Deblinghausen, die über 280 Photovoltaikanlagen auf privaten Hausdächern und im Gewerbegebiet, bis hin zu den Biomasse- und Biogasanlagen, welche in zwei Ortsteilen die Haushalte mit Wärme versorgen.

„Klimaschutz macht an keiner Grenze halt, deshalb ist es gut, dass Sie hier sind“, begrüßte Weber die Gäste aus Japan.

Diese brachten auch diesmal wieder viele Fragen nach den richtigen Instrumenten, Konzepten und Strategien mit, die aus Sicht der Klimaschutzarbeit des Fleckens beantwortet wurden. Gestärkt mit Kaffee und anderen Getränken ging es dann auf Rundfahrt zu einzelnen Energiewende-Stationen im Gemeindegebiet.

Besonderer Höhepunkt war der Besuch der Biomacon-Anlage in Voigtei. Die Heizungsanlage beheizt nicht nur einen ganzen Bauernhof mit Viehställen und Wohnhaus. Sie liefert auch wertvolle Pflanzenkohle. Holzabfälle aus der Herstellung von Hackschnitzeln werden bei hohen Temperaturen verbrannt – „pyrolysiert“, wie der Fachmann sagt. Bei der Pyrolyse entsteht Pflanzenkohle, synthetisches Gas und eben Wärme. Außer etwas Strom für die Zündung wird keine weitere Fremdenergie benötigt.

Pflanzenkohle kann ein Instrument im Kampf gegen den Klimawandel sein. Bei der Biomacon-Technologie werden im Wesentlichen nur der in der Biomasse enthaltene Wasserstoff energetisch genutzt. Ein Kilogramm Pflanzenkohle bindet 3,6 Kilogtamm CO2 für mehr als 1000 Jahre.

Ingo Nuttelmann erläuterte den Gästen die Herstellung und Verwendung der Pflanzenkohle direkt an der Anlage auf seinem Hof in Voigtei. Der Landwirt setzt die selbst produzierte Pflanzenkohle bei der Schweinezucht als Beigabe zur Einstreu und Gülle ein.

Durch dieses Verfahren nimmt die Pflanzenkohle aufgrund ihrer Struktur viele Reststoffe auf, die sie bei Bedarf auch wieder langsam freigibt. Die Verwendung des Kohlenstoffs ist vielschichtig. Aufgrund seiner hohen Porosität ist dieser Rohstoff begehrt in der Wasser- und Luftaufbereitung sowie zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Unter üblichen Bedingungen ist der Kohlenstoff für mehr als 1000 Jahre stabil. Auch (Klein-)Gärtner nutzen die Pflanzenkohle zur Bodenverbesserung.

Am Ende der Rundfahrt wurde noch ein Gruppenfoto vor dem historischen Amtshof gemacht, bevor die Gäste vom Bahnhof Nienburg wieder zurück nach Berlin starteten.

Zum Artikel

Erstellt:
14. März 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 33sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.