Klinsmann nicht mehr im Hertha-Aufsichtsrat

Klinsmann nicht mehr im Hertha-Aufsichtsrat

Nicht mehr im Hertha-Aufsichtsrat: Ex-Coach Jürgen Klinsmann. Foto: Andreas Gora/dpa

„Leider ist die Art und Weise des Abgangs so unakzeptabel, dass wir im Sinne des Vereins eine zielführende Zusammenarbeit so nicht fortführen können“, sagte Investor Lars Windhorst bei einer Pressekonferenz: „Jürgen Klinsmann hat viel an seiner Glaubwürdigkeit verloren. Das ist wirklich traurig, aber wir müssen damit leben.“ Windhorst ließ allerdings offen, „ob wir in einigen Monaten in anderer Form auf ihn und seinen Rat zurückgreifen können. Ich schlage niemals Türen zu.“ Persönlich bedauerte der Geldgeber „es sehr, dass Jürgen Klinsmann uns sehr abrupt verlassen hat“. Trotz der jüngsten Turbulenzen bestätigte Windhorst sein Engagement beim Hauptstadtclub. Sein Investment sei weiterhin „sehr, sehr langfristig angelegt“ und „nicht für drei oder fünf Jahre“, betonte der Unternehmer. Einen Gang an die Börse plant der Verein aktuell allerdings nicht. „Für uns ist das bei Hertha BSC ein Thema, was nicht wirklich relevant ist“, sagte Windhorst. Zunächst müsse das Thema ohnehin „in den Gremien von Hertha BSC besprochen werden“, sagte Windhorst und machte deutlich: „Für unser weiteres Engagement ist kein Börsengang notwendig.“ Borussia Dortmund ist seit dem Jahr 2000 der einzige an der Börse notierte Fußball-Bundesligist. Klinsmann hatte am Dienstagvormittag völlig überraschend nach nur elf Wochen sein Trainer-Amt bei Hertha zur Verfügung gestellt und damit den Club geschockt. Dabei hatte der 55-Jährige zunächst angekündigt, in das Aufsichtsgremium zurückkehren zu wollen. In einem Videochat am Mittwochabend äußerte er sich dann zurückhaltender und legte die Entscheidung in die Hände des Clubs. Mit deutlichen Worten kritisierte Windhorst den Stil Klinsmanns bei dessen Abschied: „Das kann man als Jugendlicher vielleicht machen, aber im Geschäftsleben, wo man ernsthafte Vereinbarungen hat, sollte man das nicht machen.“ Auf dem Trainerposten vertraut die Hertha vorerst den bisherigen Co-Trainern Alexander Nouri und Markus Feldhoff. „Wir werden mit Nouri und Feldhoff und dem Trainerteam in die nächsten Wochen gehen. Wir wissen alle, dass wir schwere Aufgaben vor der Brust haben und in den nächsten Wochen punkten müssen. Diese beiden verdienen die volle Unterstützung, die Mannschaft auf die nächsten Wochen vorzubereiten“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Auch Performance Manager Arne Friedrich bleibt im Amt. Die Stelle für den früheren Hertha-Kapitän war Ende November auf Drängen von Klinsmann neu geschaffen worden. „Für Sommer“ sei es dann „natürlich eine Aufgabe, eine neue Besetzung für den Cheftrainerposten zu finden“, kündigte Preetz an, der Meinungsverschiedenheiten mit Klinsmann über die Interpretation der Traineraufgabe bestätigte. „Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, wie die Rolle des Cheftrainers definiert ist. Da sind wir nicht übereingekommen“, sagte der Manager und äußerte ebenfalls harsche Kritik an Klinsmann: „Dinge, die ich gestern gehört habe, dass ich auf der Bank sitze und engagiert auftauche. Das sind keine Dinge, die wir miteinander besprochen haben. Das kann man nicht klären, wenn man sich umdreht und davonläuft.“ Nach eigener Aussage war Klinsmann im vergangenen Oktober von Windhorst angesprochen worden, ob er den Unternehmer in Fußballfragen unterstützen könne. Anfang November war der Weltmeister von 1990 durch die Tennor Holding des Geldgebers dann für einen Platz im Aufsichtsrat der GmbH & Co. KGaA benannt worden, nachdem diese ihre Anteile für insgesamt 224 Millionen Euro auf 49,9 Prozent aufgestockt hatte. Dieses Amt ließ Klinsmann ruhen, als er knapp drei Wochen später den Cheftrainerposten übernahm. Der Aufsichtsrat der KGaA hat vergleichsweise geringe Befugnisse und ist beispielsweise nicht dafür zuständig, Transfers abzusegnen oder über die Geschäftsführung um Manager Michael Preetz zu entscheiden. Via Internet-Botschaft hatte Klinsmann am Mittwochabend die Umstände seines plötzlichen Rücktritts als „fragwürdig“ bezeichnet und sich bei den Fans entschuldigt. Gleichzeitig kritisierte er aber auch deutlich die Rolle von Manager Preetz und begründete seinen Rücktritt mit dem Wunsch nach mehr Kompetenzen, den ihm der Club verwehrt hatte. „Da haben wir uns aufgerieben in vielen, vielen Nebenkriegsschauplätzen.“ Ihm sei „unglaublich aufgestoßen“, dass der Manager auf der Bank sitze und seine Kommentare abgebe.Facebook-Eintrag auf Klinsmann-Seite zum Rücktritt Kader Hertha Spielplan Hertha Trainer Hertha