Kolumnen 18.03.2017 Von Stefan Schwiersch

Koks im Kinderzimmer

Es ist ja so, dass sich die Werbestrategen in diesen reizüberfluteten Zeiten immer wieder etwas Neues einfallen lassen müssen. Oder fühlen Sie sich von „Persil wäscht weißer als weiß“ noch zum Kauf verleitet? Die Werbung muss entweder mit Bildern bezaubern, mit Aussagen fesseln oder auch mal provozieren. „Alpecin – Doping für die Haare“, vielleicht kein Geniestreich einer hochbezahlten Werbeagentur, aber doch mit dem Potenzial, im Gedächtnis zu bleiben; mich selbst hat der Spruch übrigens nicht zum Kauf animiert, aber darum geht‘s hier ja nicht.

Hier geht es vielmehr um drei neue Produkte, die mittlerweile vielerorts verkauft werden. Drei Kunststoffdöschen mit den Aufdrucken „Gras“, „Koks“ und „Extasy“, jeweils mit dem Begleitsatz „für Un-Abhängige“. Dahinter verbirgt sich eine provokante Werbestrategie: „Gras“ ist in diesem Fall ein grüner Tee mit mildwürzigem Geschmack, „Koks“ ist Traubenzucker in Körnerform und „Extasy“ besteht aus kunterbunten Brausetabletten. Verkauft werden die Dosen in Supermärkten, aber auch in einem Spielwarengeschäft in Erichshagen.

Neulich landete ein Bild dieser Dosen in der Redaktionskonferenz, und die Reaktionen waren kontrovers. „Hier werden Drogen verharmlost“, klang es von links. „Kirche im Dorf lassen – wir haben als Kinder Schokoladenzigaretten geraucht und mit Pistolen und Gewehren geschossen“, hieß es von rechts. Wer hat recht?

Die Frage ist kaum mit schwarz oder weiß zu beantworten, maßgeblich ist der individuelle Standpunkt. Für mich nehme ich gleich zwei in Anspruch: Früher als spätpubertierender Teenager hätte ich das Koks-Döschen garantiert hammercool daheim im Kinderzimmer gefunden. Heute als Vater von drei Kindern im Vorschulalter neige ich eher zu der Einschätzung: Tut das not?

Zum Artikel

Erstellt:
18. März 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 50sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.