Das Objekt des Monats März im Museum sind Scherben aus Keramik, 16. Jahrhundert bis 1950er-Jahre.  Foto: Museum Nienburg

Das Objekt des Monats März im Museum sind Scherben aus Keramik, 16. Jahrhundert bis 1950er-Jahre. Foto: Museum Nienburg

Nienburg 02.03.2020 Von Die Harke

Kostbarkeiten vom Acker

Objekt des Monats März im Museum Nienburg ab heute zu sehen

Eine kleine Sammlung von bunt verzierten Keramikscherben wurde dem Museum Nienburg vor einiger Zeit geschenkt. Die Geschichte, die sich hinter diesen Stücken verbirgt, ist eine ganz besondere.

Sämtliche Scherben wurden nämlich während der Spargelernte in den 1960er-Jahren von verschiedenen Spargelfeldern aufgelesen. Laut Erzählung bei der Übergabe an das Museum erregten die Scherben beim Spargelstechen die Aufmerksamkeit der Finderin – kein Wunder bei den reich bemalten Kostbarkeiten.

Die Sammlung besteht aus Scherben aus ganz unterschiedlichen Jahrhunderten. Die ältesten datieren wohl ins 16. Jahrhundert und gehören zur sogenannten Weserkeramik. Vorwiegend sind es hier Fragmente von Tellern, Schalen und Schüsseln, die aufgesammelt wurden – das ist ganz typisch für das Produktionsspektrum der Weserkeramik.

Ihren Namen bekam die Keramik von den zahlreichen Töpfereien, die besonders an der Unterweser lagen. Sie nutzen den Fluss als Transportweg, um ihre Ware in den Handel zu bringen. In der Renaissance galt die Weserkeramik als repräsentatives, qualitativ hochwertiges und trotzdem erschwingliches Tafelgeschirr.

Aber nicht nur entlang der Weser gelangte diese Keramik in die Haushalte, über Handelsnetze wurde das Geschirr auch bis nach Nordamerika verschifft. Typisch ist die bunte Bemalung aus geometrischen Mustern, wie Punkte, Linien usw. und die innen aufgetragene Bleiglasur.

Die jüngste Scherbe der Sammlung stammt vermutlich aus den 1930er- bis 50er-Jahren. Sie gehört zu einer Tasse eines Kindergedecks und zeigt die Szene aus Rotkäppchen, in der Rotkäppchen dem bösen Wolf begegnet. Die Firma Mitterteich Bavaria fertigte ein ganzes Kinderservice mit Motiven aus dem beliebten Märchen an.

Allen Stücken gemeinsam ist die Herkunft aus Privathaushalten. Zerbrochene Keramik wurde früher häufig auf dem Misthaufen entsorgt. Die Scherben gelangten dann – quasi als sekundäre Verlagerung – zusammen mit dem Dung auf die Felder.

Die Sammlung ist im Monat März ab heute während der Öffnungszeiten im Museum Nienburg zu sehen.

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Erstellt:
2. März 2020, 13:57 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 56sec

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