Das Kraftwerk in Veltheim brannte lichterloh. Der Gebäudeteil links stürzte später ein. DH

Das Kraftwerk in Veltheim brannte lichterloh. Der Gebäudeteil links stürzte später ein. DH

Porta Westfalica 11.07.2019 Von Sebastian Schwake

Kraftwerk brennt und stürzt ein

Feuerwehr lässt Gebäudeteil kontrolliert abbrennen / Tiefschwarze Rauchwolke kilometerweit zu sehen

Ein Großbrand im ehemaligen Steinkohlekraftwerk in Porta Westfalica-Veltheim hat am Mittwochabend auf dem Gelände ganze Gebäude einstürzen lassen. Die so genannte Rauchgasentschwefelung, ein Wäscher für Rauchgase, brannte komplett ab. Aufgrund zahlreicher Schaulustiger – ganze Familien kamen, um sich das Feuer anzusehen – war ein Sicherheitsdienst im Einsatz. Der Brand wurde gegen 18 Uhr bei Abbrucharbeiten am Kraftwerk entfacht, berichtet das Mindener Tageblatt. Wie Detlef Brand, Leiter des Ordnungsamts der Stadt Porta Westfalica, mitteilte, waren zu diesem Zeitpunkt etwa 20 Arbeiter auf dem Gelände damit beschäftigt, die dortigen Anlagen nach und nach abzureißen.

Plötzlich habe es vier bis fünf Explosionen gegeben, verletzt wurde jedoch niemand. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus, die Arbeiter versuchten es erst zu löschen. Die hunderte Meter hohe und tiefschwarze Rauchwolke war noch bis Petershagen, in Herford und auch in Lübbecke-Stemwede deutlich zu sehen.

Beim Eintreffen der 120 Feuerwehrleute brannte das Gebäude lichterloh. Treppenhäuser waren zu diesem Zeitpunkt eingestürzt oder bereits abgebrochen worden. Personen wurden nicht vermisst. Nach Auskunft eines Vorarbeiters konnten sich alle Arbeiter unverletzt in Sicherheit bringen. Aufgrund der Einsturzgefahr und der Brandausbreitung beschloss die Einsatzleitung der Portaner Feuerwehr, keine Einsatzkräfte zu gefährden. Das Gebäude der Rauchgasentschwefelungsanlage brannte kontrolliert ab, Löscharbeiten waren aufgrund der Gebäudehöhe und des Einsturzradius’ nicht möglich.

Gegen 19 Uhr stürzte ein brennendes Gebäudeteil ein und wirbelte massenweise Staub und Geröll auf. Laut Auskunft von Lutz Altenhöner, Sprecher der Portaner Feuerwehr, war der Brand aber von etwa 20 Uhr an unter Kontrolle, dennoch verteilte sich weiter dicker Rauch über der Region.

Die Rauchgasentschwefelung sei innen dick gummiert, was die Gase verursache, so Altenhöner. Die Feuerwehr ließ den brennenden Teil des Kraftwerks kontrolliert abbrennen, weil dieser nicht mehr hätte gerettet werden können. Ein Helikopter der Polizei beobachtete das Geschehen aus der Luft und hielt die Einsatzkräfte am Boden auf dem Laufenden.

Die Warn-App NINA des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hatte Anwohner unterdessen aufgefordert, Fenster und Türen aufgrund der Geruchsbelästigung geschlossen zu halten. Lüftungs- und Klimaanlagen sollten umgehend abgeschaltet werden, hieß es in der Meldung des Bundesamtes.

Gegen 21 Uhr war die Einsturzgefahr rund um das Kraftwerk dann so hoch, dass das umliegende Gebiet gesperrt werden musste. Schaulustige wurden von der Polizei und vom Sicherheitsdienst zum Gehen aufgefordert. Das THW rückte unterdessen mit schwerem Gerät an, darunter auch einem Bulldozer.

Die Arbeiten zogen sich bis in den Donnerstag. Eine Brandwache behielt auch gestern den Tag über den Einsatzort im Blick, um eventuell wieder aufflammende Brandnester unter Kontrolle zu halten. Am Vormittag wollte ein Statiker das Gebäude untersuchen.

Das Gemeinschaftskraftwerk Veltheim war bis 2015 in Betrieb und verfügte über vier Blöcke. Die Anlage auf der rechten Weserseite produzierte Strom durch das Verfeuern von Steinkohle, Erdgas, Petrolkoks und Heizöl. Gründer des Kraftwerks waren 1959 die Gesellschafter der Stadtwerke Bielefeld, der Elektrizitätswerke Minden-Ravensberg und des Elektrizitätswerks Wesertal. Ans Netz ging die Anlage 1962. Zu Spitzenzeiten arbeiteten dort 465 Menschen.

2003 übernahm der Energieriese Eon die Mehrheit am Kraftwerk. Wegen der „dauerhaften Unwirtschaftlichkeit“ entschieden sich die Eigentümer Ende 2013 zur Stilllegung. Das Kraftwerk erzeugte letztmals am 27. März 2015 Strom. Eine Renaissance erlebte das insgesamt 20 Hektar große Gelände 2015 – damals diente es für rund ein Jahr als Notunterkunft für Flüchtlinge.

An vielen Stellen in sozialen Netzwerken tauchen Behauptungen auf, dass das in drei Wochen stattfindende Festival „Umsonst & Draußen“ am Kraftwerksgelände abgesagt sei. „Das stimmt nicht. Bisher haben wir keinen anderen Stand, als dass das Festival stattfindet“, betonte Philipp Spitzok vom Festivalverein auf Anfrage.

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Erstellt:
11. Juli 2019, 09:24 Uhr
Lesedauer:
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