Landreitgras mit Baumgruppe und naturnahem Feldgehölz. Foto: Landkreis Nienburg

Landreitgras mit Baumgruppe und naturnahem Feldgehölz. Foto: Landkreis Nienburg

Landkreis 30.12.2020 Von Die Harke

Kreis warnt vor voreiligen Schlüssen

Novelle des Niedersächsischen Naturschutzrechtes bringt Änderung für Ödland und sonstige naturnahe Flächen

Flächen im Außenbereich, die keiner wirtschaftlichen Nutzung unterliegen (Ödland) oder deren Standorteigenschaften bisher wenig verändert wurden (sonstige naturnahe Flächen), sind geschützt, so hieß es bis vor Kurzem im Niedersächsischen Naturschutzrecht.

Hierzu zählten beispielsweise nicht genutzte Brachflächen und Heckenstrukturen, aber auch „mesophiles Grünland“, zum Beispiel Mähwiesen und artenarmes, mageres Weideland.

Der Paragraf zum Schutz von Ödland und sonstigen naturnahen Flächen wurde nun im Niedersächsischen Naturschutzrecht gestrichen. Der Landkreis warnt jedoch davor, voreilige Schlüsse zu ziehen und die Bewirtschaftung der Flächen zu verändern.

In der Begründung zur Gesetzesänderung heißt es, dass die Schutzbestimmungen für Ödland und sonstige naturnahe Flächen künftig entbehrlich sind, da für Umbrüche oder Intensivierungen der oben genannten Flächen die Eingriffsregelung jetzt auch in Niedersachsen angewendet wird. Dieses bedeutet, dass grundsätzlich für jedes Vorhaben, das den Naturhaushalt oder das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen kann, eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde erforderlich ist, sofern nicht eine behördliche Entscheidung nach einer anderen Gesetzesnorm notwendig ist.

Jede Umwandlung von Dauergrünland, auch von extensiv genutztem oder artenarmem Grünland, kann eine erhebliche Störung des Naturhaushaltes darstellen. Lebensräume für Tiere und Pflanzen, Erosionsschutz und Kohlenstoffspeicherung können erheblich beeinträchtigt werden. Solche erheblichen Beeinträchtigungen müssen nach Möglichkeit vermieden werden. Wenn dennoch Beeinträchtigungen von Naturhaushalt und Landschaftsbild nicht vermieden werden können, müssen diese durch geeignete Maßnahmen kompensiert werden.

Sofern Eigentümer und Nutzer ihre Flächen nach den Anforderungen der guten fachlichen Praxis, welche unter anderem im Bundesnaturschutzgesetz (Paragraf 5) definiert sind, bewirtschaften, liegt in der Regel kein solcher Eingriff in den Naturhaushalt vor. Die „gute fachliche Praxis“ beinhaltet auch, ein Unterlassen von Grünlandumbrüchen in Überschwemmungsgebieten, auf Moorstandorten, erosionsgefährdeten Hängen und auf Standorten mit hohem Grundwasserstand.

Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie kann eine erste grobe Einschätzung geben, ob die Fläche auf einem dieser Standorte liegen könnte, auch online mit dem „NIBIS® Kartenserver“.

In den vergangenen Jahren wurde den Eigentümern und Nutzern der rund 390 Ödland- und sonstigen naturnahen Flächen im Kreisgebiet bekannt gegeben, dass die Eintragung der Fläche in das Verzeichnis der geschützten Teile von Natur und Landschaft erfolgt ist. Im Rahmen einer amtlichen Bekanntmachung wird in Kürze verkündet, dass diese Flächen aus dem Verzeichnis der geschützten Teile von Natur und Landschaft gelöscht werden.

Es liegt nun in der Eigenverantwortung der Eigentümer und Bewirtschafter, einzuschätzen, ob eine geplante Nutzungsänderung oder -intensivierung einen Eingriff darstellen kann, der einer Genehmigung durch die Naturschutzbehörde bedarf. Im Zweifel sollte vorab eine Beratung durch den Fachdienst Naturschutz eingeholt werden. Wurde ohne Genehmigung eine Nutzungsänderung durchgeführt, die einen Eingriff darstellt, soll die Behörde die Wiederherstellung des früheren Zustands anordnen, zum Beispiel durch Wiedereinsaat mit flächenspezifischer Grassaatmischung (in der Regel mit Kräuterbeimischung).

Eine Beratung durch den Fachdienst Naturschutz unter der Telefonnummer (0 50 21) 96 78 75 wird in jedem Fall empfohlen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen für die Beantwortung von Fragen zur Verfügung. Die Regelungen des Agrarförderrechts (Landwirtschaftskammer) zum Umbruch von Dauergrünland gelten unverändert fort.

Zum Artikel

Erstellt:
30. Dezember 2020, 06:01 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Karte


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.