Superintendent Martin Lechler schreibt zum Volkstrauertag über Krieg und Frieden Hagebölling

Superintendent Martin Lechler schreibt zum Volkstrauertag über Krieg und Frieden Hagebölling

Nienburg 12.11.2016 Von Die Harke

„Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein“

Gedanken zum Volkstrauertag von Superintendent Martin Lechler

Liebe Leserin, lieber Leser,

am heutigen Sonntag begehen wir in vielen Orten in Deutschland den 50204. Seit vielen Jahren denken wir an die Opfer und das über viele Menschen gekommene Leid durch Krieg, Vertreibung und nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Da ist zum einen die Trauer darüber, dass durch den Krieg unzählige Menschen umgekommen, schwer geschädigt oder aus der Lebensbahn geworfen worden sind. Viele trauern über persönlich nahe stehende Menschen, Familienangehörige oder Freunde. Viele trauern aber auch über die Namenlosen, über die keine Angehörigen oder Freunde mehr trauern können, die uns aber aus den Filmen und Berichten der letzten Zeitzeugen und Überlebenden nahe kommen. Am 9. November haben wir ihrer besonders gedacht.

Neben der Trauer steht aber auch das Nachdenken darüber, wie Krieg und brutale Gewalt verhindert werden können: wer einen Krieg anzettelt, verachtet die Menschen, die er angreift und missachtet die Würde dieser Menschen, die nach dem Gebot Gottes, unseres Schöpfers, unantastbar ist.

Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein

Konflikte zwischen Menschen wird es immer geben. Aber sie können und müssen in erster Linie durch friedliche Mittel gelöst werden: durch Verhandlungen, durch Diplomatie oder wirtschaftliche Sanktionen, am besten wohl dadurch, dass wir alle freundschaftliche Beziehungen zu Menschen aus anderen Ländern aufbauen, die uns ein besseres Verständnis ihrer Lebenssituationen, ihrer Freuden und Ängste ermöglichen. „Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein“ – so formulierten es die Gründer des Ökumenischen Rates der Kirchen, als sie im Angesicht der Schrecken des 2. Weltkrieges diese weltweite Versammlung der Kirchen 1948 in Amsterdam gründeten.

Trotzdem gab es seit dieser Zeit hunderte neuer Kriege. Manche konnten beendet werden, andere schwelen weiter, neue sind ausgebrochen. Voller Entsetzen sehen wir in den Nahen und Mittleren Osten und fragen uns: wie konnte das geschehen? Warum ist der Hass vieler Menschen dort auf die westliche Welt so groß? Wieso gelingt es immer wieder den Demagogen und Populisten, ganze Völker zu verführen und gegen Minderheiten aufzuhetzen? Sind daran nicht auch die alten Grenzziehungen europäischer Kolonialmächte schuld, oder die Waffenlieferungen in diese Krisenregionen oder die ökonomischen Interessen der großen Wirtschaftsnationen?

Der Volkstrauertag und der am Mittwoch darauf folgende Buß- und Bettag sind Anlass, über diese Fragen selbstkritisch nachzudenken und gerade auch darüber, wie unser Beitrag zum Frieden in der Welt aussehen könnte. Unser Land könnte eine Vorreiterrolle auf der beginnenden Weltklimakonferenz spielen – wenn sich die Regierenden auf eine einheitliche Linie einigen könnten.

Unsere Wirtschaft könnte sich bei Rüstungsexporten in Krisenregionen zurückhalten

Unsere Wirtschaft könnte sich bei Rüstungsexporten in Krisenregionen zurückhalten – wenn wir bereit wären unseren Lebensstandard zu senken. Wir alle könnten dem Frieden dienen – wenn wir aufstehen gegen menschenverachtende Parolen und uns einsetzen für Menschen, die unsere Hilfe brauchen.

Lassen Sie uns deshalb den Volkstrauertag und die mit ihm beginnende Woche dazu nutzen, sowohl in Trauer zurückzublicken, als auch mit allen Friedensbemühungen für eine gerechtere und friedlichere Welt nach vorn zu sehen.

Jeder und jede von uns kann da an seinem und ihrem Ort beitragen!

[DATENBANK=406]Martin Lechler[/DATENBANK],

Superintendent des

[DATENBANK=400]Kirchenkreises Nienburg[/DATENBANK]

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Erstellt:
12. November 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 36sec

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