Eine Frau geht an einem beschädigten Gebäude in Mariupol vorbei. Foto: Victor/XinHua/dpa

Eine Frau geht an einem beschädigten Gebäude in Mariupol vorbei. Foto: Victor/XinHua/dpa

Kiew/Moskau 02.04.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Die Kiewer Vorstädte waren lange umkämpft. Jetzt ziehen sich die russischen Truppen zurück. Die Ukraine erwartet nun heftige Angriffe im Osten. In Mariupol gibt es neue Evakuierungsversuche.

In der sechsten Woche des Ukraine-Krieges ziehen sich die russischen Invasionstruppen vom nordwestlichen Rand der Hauptstadt Kiew zurück und verstärken ihre Angriffe im Osten und Süden des Landes. Es gebe Luftangriffe auf die Städte Mariupol und Charkiw, sagte der Präsidentenberater Olexij Arestowytsch am Samstag im ukrainischen Fernsehen. Auch die Stadt Tschernihiw nordöstlich von Kiew sei angegriffen worden. Ukrainische Truppen setzten nach britischen Geheimdienstinformationen russischen Verbänden nach, die sich aus den nordwestlich von Kiew gelegenen Vorstädten Irpin, Bucha und Hostomel zurückzogen. Auch vom Frachtflughafen Hostomel, der seit Beginn des Krieges am 24. Februar umkämpft war, zogen sich die Invasionstruppen demnach zurück. Ukrainische Truppen hätten rund um Kiew mehr als 30 Dörfer zurückerobert, sagte Arestowytsch. Selenskyj erwartet heftige Angriffe im OstenDer ukrainische Generalstab teilte mit, dass russische Truppen auch aus der Sperrzone um das ehemalige Atomkraftwerk Tschernobyl und aus den angrenzenden Gebieten in Belarus zurückgezogen würden. Sie sollten augenscheinlich in das russische Gebiet Belgorod verlegt werden, um von dort aus nach Charkiw vorzustoßen. Mit Blick auf die Truppenbewegungen sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer neuen Videoansprache, er erwarte heftige Angriffe im Osten. „Russische Soldaten werden in den Donbass geholt. Genauso in Richtung Charkiw.“ In der stark zerstörten und seit Wochen belagerten Stadt Mariupol hofften viele der schätzungsweise 100.000 verbliebenen Einwohner auf einen neuen Versuch des Roten Kreuzes, mit Bussen evakuiert zu werden. Ein Team von neun Helfern brach dazu in der Stadt Saporischschja auf, wie ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf mitteilte. Zur Rettung von etwa 500 Menschen sollen an diesem Sonntag zehn Busse eingesetzt werden, wie eine Bürgerinitiative im Nachrichtenkanal Telegram mitteilte. Parallel dazu war nach Angaben von Vize-Ministerpräsidentin Irina Wereschtschuk geplant, Menschen in Privatautos aus Mariupol herauszubringen. Ähnliche Fluchtkorridore sollte es in weiteren umkämpften Städten geben, darunter im westlich von Mariupol gelegenen Berdjansk. Schwere Explosionen in Dnipro gemeldetWeiter nördlich, aus der Umgebung von Dnipro, wurden in der Nacht zum Samstag schwere Explosionen gemeldet, wie das Online-Portal „Ukrajinska Prawda“ unter Berufung auf die Gebietsverwaltung berichtete. In der Nähe von Dnipro wurde nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ein Militärflugplatz zerstört, ebenso wie ein weiterer bei Poltawa. Insgesamt seien innerhalb eines Tages 67 militärische Objekte zerstört worden, darunter auch Munitionslager, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Wie alle Berichte aus den Kampfzonen waren die Angaben nicht unabhängig überprüfbar. Trotz der Raketenangriffe - zum Teil von Flugzeugen aus - behauptet die ukrainische Luftwaffe nach eigenen Angaben die Kontrolle über den Luftraum. Selenskyj rief die Bevölkerung im russisch besetzten Süden auf, keine Ämter für das Besatzungsregime anzunehmen. „Meine Botschaft an Sie ist einfach: Die Verantwortung für die Kollaboration ist unausweichlich“, sagte der Präsident. Nach ukrainischen Angaben versucht Russland, in den besetzten Gebieten moskautreue Verwaltungen aufzubauen. Weitere VerhandlungenParallel zu den Kämpfen liefen im Hintergrund auch weitere Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien. Zum Stand der Gespräche, die in der Regel per Videoschalte stattfinden, wurde aus den Delegationen nichts bekannt. Während sich die polnische Regierung für eine weitere Verschärfung der EU-Sanktionen gegen Russland aussprach, drohte Moskau mit einem Ende der Zusammenarbeit auf der Internationalen Raumstation ISS. Sollten die USA und andere westliche Staaten ihre Sanktionen gegen Russland nicht zurücknehmen, werde die Moskauer Führung in Kürze Fristen für ein Ende der Kooperation vorschlagen, teilte der Chef der Raumfahrtbehörde, Dmitri Rogosin, über Telegram mit. US-Waffenlieferungen werden fortgesetztDas US-Verteidigungsministerium will der Ukraine weitere Waffen im Wert von 300 Millionen Dollar (etwa 271 Millionen Euro) zukommen lassen. Unter anderem sollen Drohnen, Raketensysteme, gepanzerte Fahrzeuge, Munition, Nachtsichtgeräte, sichere Kommunikationssysteme, Maschinengewehre und medizinische Güter geliefert werden. Die USA haben der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs Militärhilfen und Waffenlieferungen von 1,65 Milliarden Dollar zugesagt.

Ein verbranntes Fahrzeug steht nach einem russischen Raketenangriff vor einem beschädigten Gebäudekomplex in Kiew. Foto: ---/kyodo/dpa

Ein verbranntes Fahrzeug steht nach einem russischen Raketenangriff vor einem beschädigten Gebäudekomplex in Kiew. Foto: ---/kyodo/dpa

In der zweitgößten ukrainischen Stadt Charkiw ist ein Kindergarten durch einen Raketeneinschlag zerstört worden. Foto: Aziz Karimov/ZUMA Press Wire Service/dpa

In der zweitgößten ukrainischen Stadt Charkiw ist ein Kindergarten durch einen Raketeneinschlag zerstört worden. Foto: Aziz Karimov/ZUMA Press Wire Service/dpa

In Lwiw in der Westukraine wird ein gefallener ukrainischer Soldat beerdigt. Foto: Nariman El-Mofty/AP/dpa

In Lwiw in der Westukraine wird ein gefallener ukrainischer Soldat beerdigt. Foto: Nariman El-Mofty/AP/dpa

Menschen gehen an einem völlig zerstörten Gebäude in Charkiw vorbei, das von der russischen Armee beschossen wurde. Foto: Aziz Karimov/ZUMA Press Wire Service/dpa

Menschen gehen an einem völlig zerstörten Gebäude in Charkiw vorbei, das von der russischen Armee beschossen wurde. Foto: Aziz Karimov/ZUMA Press Wire Service/dpa

Ein ukrainischer Soldat in Charkiw an einem gegnerischen Panzer mit dem russischen Kriegssymbol «Z». Foto: Celestino Arce Lavin/ZUMA Press Wire/dpa

Ein ukrainischer Soldat in Charkiw an einem gegnerischen Panzer mit dem russischen Kriegssymbol «Z». Foto: Celestino Arce Lavin/ZUMA Press Wire/dpa

Aus Mariupol und nahegelegenen Städten geflüchtete Menschen kommen in Saporischschja an. Foto: Felipe Dana/AP/dpa

Aus Mariupol und nahegelegenen Städten geflüchtete Menschen kommen in Saporischschja an. Foto: Felipe Dana/AP/dpa

Der ukrainische Soldat Igor (23) umarmt seine Frau Dascha (22) am Stadtrand von Kiew. Foto: Rodrigo Abd/AP/dpa

Der ukrainische Soldat Igor (23) umarmt seine Frau Dascha (22) am Stadtrand von Kiew. Foto: Rodrigo Abd/AP/dpa

Mariya Ol'hovs'ka trauert um ihren 72-jährigen Vater Valerii Ol'hovs'kyi, der Tage zuvor in der Nähe seines Hauses am Rande von Kiew durch eine russische Rakete getötet wurde. Wegen der anhaltenden Gefechte hat die Familie den Mann im Garten des eigenen Hauses und nicht auf dem Dorffriedhof begraben. Foto: Rodrigo Abd/AP/dpa

Mariya Ol'hovs'ka trauert um ihren 72-jährigen Vater Valerii Ol'hovs'kyi, der Tage zuvor in der Nähe seines Hauses am Rande von Kiew durch eine russische Rakete getötet wurde. Wegen der anhaltenden Gefechte hat die Familie den Mann im Garten des eigenen Hauses und nicht auf dem Dorffriedhof begraben. Foto: Rodrigo Abd/AP/dpa

Ukrainische Soldaten sitzen auf einem Schützenpanzer während sie von russischen Soldaten aufgegebene Stellungen nahe Kiew durchfahren. Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa

Ukrainische Soldaten sitzen auf einem Schützenpanzer während sie von russischen Soldaten aufgegebene Stellungen nahe Kiew durchfahren. Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa

Ukrainische Rettungskräfte tragen eine ältere Frau durch den befreiten Kiewer Vorort Irpin. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Ukrainische Rettungskräfte tragen eine ältere Frau durch den befreiten Kiewer Vorort Irpin. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

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Erstellt:
2. April 2022, 17:41 Uhr
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