Ein russischer Militärkonvoi bewegt sich auf einer Autobahn in einem von russisch unterstützten Separatisten kontrollierten Gebiet in der Nähe von Mariupol. Foto: Alexei Alexandrov/AP/dpa

Ein russischer Militärkonvoi bewegt sich auf einer Autobahn in einem von russisch unterstützten Separatisten kontrollierten Gebiet in der Nähe von Mariupol. Foto: Alexei Alexandrov/AP/dpa

Kiew 17.04.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Moskau droht Mariupol mit „Vernichtung“: So ist die Lage

Russland setzt seine Raketenangriffe und Artilleriebeschuss auf die Ukraine mit aller Härte fort. Besonders katastrophal ist die Lage weiter in der Hafenstadt Mariupol. Die Ereignisse im Überblick.

Russland hat den in der Hafenstadt Mariupol noch zu Tausenden kämpfenden ukrainischen Truppen mit Vernichtung gedroht. Die Einheiten, darunter 400 ausländische Söldner, hätten sich in dem Stahlwerk Asowstal verschanzt, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Sonntag in Moskau. Die Regierung in Kiew habe ihnen untersagt, die Waffen niederzulegen. Zuvor hatte Moskau ein Ultimatum bis Sonntagmittag gestellt und den Soldaten im Fall einer Kapitulation zugesichert, sie würden am Leben bleiben. „Im Fall einer weiteren Gegenwehr werden sie alle vernichtet“, sagte Konaschenkow. Nach russischen Angaben sollen allein in dem Werk etwa 2500 Kämpfer sein, die die Stadt gegen eine komplette Eroberung verteidigen wollen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte wiederholt erklärt, alles für eine Rettung der strategisch wichtigen Stadt tun zu wollen. Zugleich warnte er Russland davor, im Fall einer Tötung der ukrainischen Kämpfer die Verhandlungen für eine Beendigung des Krieges aufzukündigen. Zum Ärger Russlands hat Selenskyj es bei den Verhandlungen bisher abgelehnt, auf Gebiete zu verzichten. Russland wirft Ukraine fehlende Bewegung bei Verhandlungen vorDer russische Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin warf Selenskyj am Sonntag vor, er bewege sich gar nicht bei den Verhandlungen. Er betonte, dass die Ukraine auf ihre Gebiete Luhansk und Donezk, die Kremlchef Wladimir Putin als unabhängige Staaten anerkannt hatte, verzichten müsse. Putin befahl am 24. Februar Russlands Einmarsch in die Ukraine, um die Regionen komplett einzunehmen. In einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNN lehnte es Selenskyj zudem erneut kategorisch ab, die Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch Russland anzuerkennen. Selenskyj fordert vom Westen schwere WaffenSelenskyj forderte vom Westen wiederholt Panzer und andere schwere Waffen, um den Osten der Ukraine zu verteidigen. Dort droht eine Großoffensive Russlands. Mariupol liegt im Gebiet Donezk, das prorussische Separatisten mit Moskauer Hilfe komplett unter ihre Kontrolle bringen wollen. Ohne Unterstützung von Panzern und anderen Waffen ist die ukrainische Armee Militärexperten zufolge nicht in der Lage, einen russischen Großangriff in dem weitgehend flachen Gelände abzuwehren oder selbst in eine Offensive überzugehen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen appellierte deshalb an die EU-Länder, der Ukraine schnell Waffen zu liefern. „Für alle Mitgliedstaaten gilt, wer kann, sollte schnell liefern, denn nur dann kann die Ukraine in ihrem akuten Abwehrkampf gegen Russland bestehen“, sagte von der Leyen der „Bild am Sonntag“. EU schickt weitere 50 Millionen Euro an die UkraineDerweil hat die Europäische Union zusätzliche Gelder für humanitäre Güter geschickt. Brüssel stellt weitere 50 Millionen Euro bereit für Menschen, die vom russischen Angriffskrieg betroffen sind, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Demnach sollen 45 Millionen an die Ukraine gehen und 5 Millionen an das Nachbarland Moldau. Die Gelder seien Teil der Mittel, die während einer für die Ukraine organisierten Geberkonferenz vergangenes Wochenende zugesagt wurden. Damit hat die EU der Mitteilung zufolge nun 143 Millionen Euro für humanitäre Hilfen in Reaktion auf den Krieg bereitgestellt. Die neuen Gelder sollen unter anderem für medizinische Notfallhilfe, Zugang zu sauberem Trinkwasser sowie Notunterkünfte ausgegeben werden. Russlang greift weiter an - Menschen sterbenZahlreiche Gebiete der Ukraine meldeten auch an dem dort begangenen Palmsonntag russische Angriffe. Schwerpunkt war weiter der Osten des Landes. In der Stadt Solote im Gebiet Luhansk starben nach ukrainischen Angaben mindestens zwei Zivilisten. Vier weitere Menschen seien verletzt worden, schrieb der Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, auf Telegram. Ukrainischen Medien zufolge wurden durch Beschuss des Zentrums der ostukrainischen Stadt Charkiw am Sonntag nach vorläufigen Angaben mindestens 5 Menschen getötet und 13 verletzt. Bereits am Samstag kamen nach Behördenangaben mindestens drei Zivilisten durch Beschuss mit Artillerie und Raketen ums Leben. 31 Menschen seien verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebiets, Oleh Synjehubow, mit. In der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurde in dem Ort Browary nach Behördenangaben ein Teil der Infrastruktur getroffen worden. Es könne zu Unterbrechungen bei der Wasser- und Stromversorgung kommen, sagte Bürgermeister Ihor Saposchko in einem Video. Der Krieg gehe weiter, sagte er. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Angriff. Es sei dort ein Werk zur Produktion von Munition zerstört worden, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow in Moskau. In der Hauptstadt Kiew teilten die Behörden mit, dass es dort ruhig geblieben sei - abgesehen vom Luftalarm. Anders als am Vortag habe es keine neuen Explosionen gegeben. Ein Sprecher der Stadt betonte, es sei zu früh, von einer sicheren Lage zu reden. Bürgermeister Vitali Klitschko hatte am Vortag Bürger, die zurückkehren wollten, gewarnt, das zu tun. Sie sollten an einem sicheren Ort bleiben. In der Region um die südukrainische Stadt Mykolajiw teilte der Gebietsgouverneur Witalij Kim mit, dass die russische Armee weiter mit Raketen schieße. Er erwartet nach eigenen Angaben eine Mobilmachung in Russland, die ein bis zwei Monate dauern könne. Das sei für die Ukraine genug Zeit, um sich mit ausreichend Waffen zu versorgen, sagte er in einem Video. Selenskyj wünscht sich Besuch von US-Präsident BidenPräsident Selenskyj rief US-Präsident Joe Biden in dem CNN-Interview zu einem Besuch der Ukraine auf. Berichten nach galt es als unwahrscheinlich, dass Biden selbst in die Ukraine reist. Mit Blick auf die Militärhilfe aus den USA sagte Selenskyj, dass diese niemals ausreichend sein werde. Die Ukraine brauche immer noch mehr, als das, was sie jetzt habe. Die USA hatten der Ukraine zuletzt weitere Waffen und Munition im Wert von bis zu 800 Millionen Dollar (740 Millionen Euro) zugesagt. Die US-Regierung hat der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges Ende Februar damit bereits Waffen im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar zugesagt oder geliefert. Russland führt seit knapp siebeneinhalb Wochen einen Angriffskrieg gegen den Nachbarn Ukraine. Die Vereinten Nationen haben bisher rund 2000 getötete Zivilisten erfasst, gehen aber wie Kiew von weitaus höheren Opferzahlen unter Zivilisten aus. Gouverneur: Russische Truppen warten auf besseres WetterDer Gouverneur des ostukrainischen Gebiets Luhansk erklärte, Russland habe bereits Zehntausende Soldaten für eine baldige Offensive im Osten der Ukraine zusammengezogen. Zudem seien Hunderte Einheiten Technik in die Region transportiert worden, sagte Serhij Hajdaj. Seiner Einschätzung nach warteten die russischen Truppen nur noch auf besseres Wetter, um dann zeitgleich in den Gebieten Luhansk und Donezk ihre Angriffe zu starten. In beiden Regionen soll nach Wettervorhersagen voraussichtlich Mitte kommender Woche der Regen aufhören und am Samstag wieder beginnen.

Ein bewaffneter Soldat der Miliz der Donezker Volksrepublik im Osten von Mariupol. Foto: Alexei Alexandrov/AP/dpa

Ein bewaffneter Soldat der Miliz der Donezker Volksrepublik im Osten von Mariupol. Foto: Alexei Alexandrov/AP/dpa

Ein ukrainischer Soldat steht vor der staatlichen Atommülldeponie nahe des Kernkraftwerks Tschernobyl. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Ein ukrainischer Soldat steht vor der staatlichen Atommülldeponie nahe des Kernkraftwerks Tschernobyl. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Die 70-jährige Nadiya Trubchaninova weint am Sarg ihres 48-jährigen Sohnes Vadym, der in Butscha durch einen Schuss der russischen Armee getötet wurde. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Die 70-jährige Nadiya Trubchaninova weint am Sarg ihres 48-jährigen Sohnes Vadym, der in Butscha durch einen Schuss der russischen Armee getötet wurde. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Feuerwehrleute löschen mehrere Brände nach einem russischen Angriff auf Charkiw. Foto: Felipe Dana/AP/dpa

Feuerwehrleute löschen mehrere Brände nach einem russischen Angriff auf Charkiw. Foto: Felipe Dana/AP/dpa

Eine Mutter wartet mit ihrer Tochter auf einen Bus, um aus der Stadt Slowjansk im Nordwesten der Ukraine zu fliehen. Foto: Petros Giannakouris/AP/dpa

Eine Mutter wartet mit ihrer Tochter auf einen Bus, um aus der Stadt Slowjansk im Nordwesten der Ukraine zu fliehen. Foto: Petros Giannakouris/AP/dpa

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Erstellt:
17. April 2022, 16:57 Uhr
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