Nach den Raketeneinschlägen steigt schwarzer Rauch über der Stadt Lwiw auf. Foto: Matthew Hatcher/SOPA/ZUMA/dpa

Nach den Raketeneinschlägen steigt schwarzer Rauch über der Stadt Lwiw auf. Foto: Matthew Hatcher/SOPA/ZUMA/dpa

Kiew 18.04.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Präsident Selenskyj spricht vom Beginn einer russischen Großoffensive in der Ostukraine. In Lwiw gibt es nach Raketenangriffen Tote und Verletzte. Die neuesten Ereignisse im Überblick.

In der Ukraine haben die russischen Truppen nach Angaben aus Kiew mit dem erwarteten Großangriff im Osten begonnen. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am Abend in einer neuen Videobotschaft: „Wir können jetzt feststellen, dass die russischen Truppen die Schlacht um den Donbass begonnen haben, auf die sie sich seit langem vorbereitet haben.“ Zugleich versicherte er: „Ganz gleich, wie viele russische Truppen dorthin getrieben werden: Wir werden kämpfen.“ Von russischer Seite gab es für den Beginn der Offensive zunächst keine Bestätigung. Noch vor Selenskyjs Ansprache hatte der Generalstab der ukrainischen Armee von „Anzeichen des Beginns der Offensive“ gesprochen, insbesondere in den Gebieten um die Großstädte Charkiw und Donezk. Damit wurde bereits seit Tagen gerechnet. Dafür hatten sich die russischen Truppen nach Moskaus Darstellung aus dem Großraum Kiew zurückgezogen. Der ukrainische Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, berichteter, dass die Kontrolle über die Kleinstadt Kreminna bereits verloren gegangen sei. In Kreminna sollen von 18.000 Einwohnern vor dem Krieg noch etwa 4000 ausharren. Besonders umkämpft war am Wochenende weiter die bereits schwer zerstörte Hafenstadt Mariupol. Ziel der Angriffe war nach inzwischen mehr als sieben Wochen Krieg aber auch der Westen: In der Stadt Lwiw gab es nach Angaben der Behörden erstmals Todesopfer durch russische Raketen. Unter den Verletzten in Lwiw auch ein KindBei Raketenangriffen auf die westukrainische Großstadt Lwiw (Lemberg) sind nach dortigen Behördenangaben mindestens sechs Menschen getötet und elf weitere verletzt worden. Unter den Verletzten sei auch ein Kind, schrieb der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, auf seiner Facebook-Seite. Die Rettungskräfte seien im Einsatz, sagte er. Russland hat den Beschuss der Großstadt mit Raketen inzwischen bestätigt. Die historische Altstadt von Lwiw (Lemberg) gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Über die Anzahl der Raketen gibt es unterschiedliche Angaben. Sadowyj sprach insgesamt von fünf Einschlägen, Gebietsgouverneur Maxym Kosyzkyj von vier Raketen. Drei davon hätten Militärobjekte getroffen, eine sei auf ein ziviles Objekt, einen Reifenservice, abgeschossen worden, teilte er mit. Daneben sollen auch ein Hotel und rund 40 Autos beschädigt worden sein. Lwiw war in der Vergangenheit schon Ziel von Luftangriffen. In der Nähe der Stadt gibt es mehrere Militärobjekte. Darüber hinaus haben die russischen Streitkräfte auch ein Treibstofflager beschossen. Lwiw gilt auch als wichtiger Umschlagpunkt für Waffenlieferungen aus dem Westen. Russland hatte diese Waffenlieferungen als legitimes Ziel für eigene Luftangriffe genannt und zuletzt damit gedroht, diese Lieferungen verstärkt zu bekämpfen. Kiews Bürgermeister Klitschko warnt vor russischen AtomwaffenDer Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, Vitali Klitschko, sieht in dem seit mehr als sieben Wochen dauernden Krieg auch eine atomare Bedrohung durch Russland. „Chemische Waffen oder Atomwaffen (...), wir rechnen mit allem. Alles ist möglich“, sagte Klitschko am Montag in einem Interview der Sender RTL und n-tv. Die Ukraine verteidige sich im Krieg nicht nur selbst. „Wir verteidigen nicht nur uns, wir verteidigen euch.“ Sein Land sei entschlossen, Teil der europäischen Familie zu sein. „Wir schützen unsere gemeinsamen Werte und Prinzipien, die (der russische Präsident Wladimir) Putin gebrochen hat“, sagte Klitschko. Die Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete der Hauptstadt-Bürgermeister als diplomatischen Fehler. Zugleich lud er Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in die ukrainische Hauptstadt ein. Kreml: Kein Fortschritt bei Verhandlungen mit KiewBei den russisch-ukrainischen Verhandlungen für eine Beendigung des Krieges sind nach Kremlangaben weiter keine Fortschritte in Sicht. Die Dynamik lasse zu wünschen übrig, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Die Ukraine ändere ihre Position oft und lasse keine besondere Konstanz bei Abstimmungsfragen erkennen. Gleichwohl gebe es weiter Kontakte, werde weiter auf Expertenebene verhandelt. Die vom Kreml so bezeichnete „militärische Spezial-Operation“ wird demnach fortgesetzt. Sie laufe nach Plan, sagte Peskow. Er bestätigte auch, dass nach dem Untergang des russischen Kriegsschiffs „Moskwa“ im Kreml die nun im Internet erstmals verbreiteten Bilder von einem brennenden Schiff gesichtet worden seien. „Ja, wir haben diese Bilder tatsächlich gesehen; inwieweit sie aber authentisch sind und der Wirklichkeit entsprechen, können wir nicht sagen.“ Ukraine meldet weitere Angriffe auf MariupolDer ukrainische Generalstab berichtete am Sonntagabend von russischen Raketen- und Bombenangriffen auf das belagerte Mariupol. Dabei kämen auch Überschallbomber vom Typ Tu-22M3 zum Einsatz. Regierungschef Denys Schmyhal sagte dem US-Sender ABC, die Stadt sei nicht gefallen. Die ukrainischen Soldaten würden in Mariupol „bis zum Ende kämpfen“. Russland hatte den verbliebenen ukrainischen Truppen in Mariupol zuvor mit Vernichtung gedroht. Ein Ultimatum, die Waffen bis zum Sonntagmittag niederzulegen und sich zu ergeben, ließen die Ukrainer verstreichen. Die ukrainische Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk forderte von der russischen Militärführung erneut einen Fluchtkorridor für das eingeschlossene Mariupol. „Gesondert fordern wir dringend einen humanitären Korridor vom Territorium des Kombinats Asowstahl für Frauen, Kinder und andere Zivilpersonen“, schrieb Wereschtschuk am Montag auf Russisch auf ihrem Telegram-Kanal. Sie drohte den Verantwortlichen bei einer Ablehnung mit einer Verurteilung wegen Kriegsverbrechen. Mariupols Polizeichef: Auch viele Zivilisten in StahlwerkMehrere Tausend ukrainische Verteidiger Mariupols sollen sich in dem riesigen Stahlwerk Asowstal verschanzt haben. Auch zahlreiche Zivilisten befinden sich nach Angaben örtlicher Behörden auf dem umkämpften Gelände des Werks, zu dem auch unterirdische Anlagen gehören. Die Menschen hätten sich dort vor Beschuss während der wochenlangem Belagerung der Stadt durch das russische Militär versteckt, sagte der Chef der Streifenpolizei von Mariupol, Michajlo Werschinin, dem Lokalfernsehen. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Große Teile von Mariupol befinden sich inzwischen unter Kontrolle des russischen Militärs. In Mariupol hielten sich noch rund 100.000 Einwohner auf, sagte Werschinin. Die russischen Truppen ließen sie für Essen Trümmer räumen sowie Leichen bergen und in Massengräbern beerdigen, behauptete er. Nach der langen Belagerung und dem Dauerbeschuss werden Tausende Tote unter den Zivilisten befürchtet. Ukrainische Truppen erobern Orte bei Charkiw zurückDie ukrainischen Truppen konnten nach Behördenangaben bei einer Gegenoffensive mehrere Ortschaften in der Nähe der Großstadt Charkiw im Nordosten zurückerobern. Damit seien die russischen Truppen weiter von der zweitgrößten Stadt der Ukraine zurückgedrängt wurden, teilte der Gouverneur des Gebiets, Oleh Synjehubow, in seinem Kanal beim Messaging-Dienst Telegram mit. Zuvor hatten die Behörden gemeldet, dass beim Beschuss des Stadtzentrums am Sonntag mindestens 5 Menschen getötet und 13 verletzt worden seien.

Rettungskräfte haben sich nach dem Luftangriff vor einer Reifenwerkstatt in Lwiw versammelt. Foto: Philip Crowther/AP/dpa

Rettungskräfte haben sich nach dem Luftangriff vor einer Reifenwerkstatt in Lwiw versammelt. Foto: Philip Crowther/AP/dpa

Rettungskräfte in Lwiw beseitigen Trümmer, nachdem ein Luftangriff eine Reifenwerkstatt getroffen hat. Foto: Philip Crowther/AP/dpa

Rettungskräfte in Lwiw beseitigen Trümmer, nachdem ein Luftangriff eine Reifenwerkstatt getroffen hat. Foto: Philip Crowther/AP/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj während einer Videobotschaft. Foto: Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj während einer Videobotschaft. Foto: Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa

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18. April 2022, 23:07 Uhr
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