22.09.2013

Kultur an 160 Tagen im Jahr

Heimatverein Haßbergen feierte gestern Abend sein 25-jähriges Bestehen

Haßbergen. „Aus hässlichem Entlein wird Schmuckstück für Haßbergen“ titelte Die Harke seinerzeit nach Beendigung der Renovierungsarbeiten an der Alten Kapelle. Bis heute zeigen die Aktiven mit vielen Ideen und Kreativität, was mit ehrenamtlichem Engagement und dem Spaß an Kulturarbeit möglich ist. Sowohl namhafte Schauspieler wie Gerd Haucke, Hannelore Hoger und Ulrich Tukur als auch bekannte Kabarettisten wie Volker Pispers, Arnulf „Alfons“ Rating, Florian Schroder und Horst Schroth gaben der Alten Kapelle bereits die Ehre.

Angefangen hat alles mit viel Idealismus am 28. April 1988 mit der Gründungsversammlung im Gasthaus Mönch. Erstes Ziel war, die Alte Kapelle vor dem Abriss zu schützen. 34 Personen traten an diesem Abend spontan dem Verein bei. Zum 1. Vorsitzenden wählten sie Heiko Mönch, zum 2. Vorsitzenden Bernd-Ulrich Becker und zur Kassenwartin Helga Gilon. Bis heute ist Heiko Mönch der Vorsitzende des mittlerweile auf 140 Mitglieder angewachsenen Heimatvereins, Helga Gilon führt nach wie vor die Kasse. Seit April 1996 ist Marion Hägermann als 2. Vorsitzende mit von der Partie.

Den damaligen Youngstern um Heiko Mönch ging es zunächst darum, das älteste Gemäuer Haßbergens zu erhalten. Bis 1983 wurde die Einfriedigungsmauer renoviert und aufgeräumt. Dann dauerte es weitere fünf Jahre, bis 1988 „Nägel mit Köpfen“ gemacht wurden und es zu einer Vereinsgründung kam.

Mit dem Anstoß des Architekten der damaligen Fachhochschule Nienburg, Prof. Dr. Joachim Grube, das kirchliche Gebäude in ein kleines Kulturzentrum umzunutzen, war der Startschuss für den Verein gegeben. Als dann auch der Restaurierungsplan und die Finanzierung standen, wurde von Juli 1989 bis Dezember 1990 renoviert. 240 000 DM waren über Anträge bei Gemeinde, Landkreis, Land Niedersachsen und verschiedene Stiftungen und Sponsoren zusammengeholt worden.

Noch heute zeigt sich Heiko Mönch beeindruckt vom Engagement der aktiven Vereinsmitglieder, die sich damals in der Woche und am Wochenende zur ehrenamtlichen Arbeit in der Alten Kapelle getroffen haben. „Ein Dutzend Helfer zwischen 15 und 65 Jahren hat die Vorarbeiten für die Handwerker erledigt. Es hat allen riesig Spaß gemacht, außerdem offenbarte uns die Alte Kapelle immer wieder neue Geheimnisse,“ so der Vorsitzende.

Beispielsweise stieß man auf eine Gruft, in der Gutsbesitzer bestattet wurden, ein weiteres Fenster in Originalgröße, einen alten Fachwerkbalken und Kopfbänder, die noch in den Seitenwänden steckten. Am 14. Dezember 1990 war es dann so weit: die Alte Kapelle wurde festlich eingeweiht, Prof. Grube übergab den Schlüssel an den Vereinsvorsitzenden Heiko Mönch.

Nach und nach wuchsen die Ideen für Veranstaltungen, die teilweise bis heute Bestand und mittlerweile sogar Kultstatus haben: Zum 22. Mal fand in diesem Jahr der „Singing Pub“ statt, zum 18. Mal wird am Nikolausabend „Die Feuerzangenbowle“ gezeigt, zum 17. Mal steht in der Vorweihnachtszeit der „Haßberger Adventsspaziergang“ auf dem Programm, beim 12. Neujahrsempfang treffen sich Anfang Januar die Haßberger Vereine und Institutionen. Im März gibt es zum 10. Mal das „Whisky-Tasting and Nosing“, und im Januar startet im 17. Jahr der „Plattsnutenkring“ mit Heimatautorin Eleonore Meyer. Alles in allem treffen sich an 160 Tagen im Jahr Menschen aus der Region, um in Haßbergen Kultur zu erleben.

Zudem hat das Veranstaltungsteam weitere Räume in Haßbergen mit kulturellem Leben gefüllt: Seit 20 Jahren werden die Haßberger Scheunen für ein Wochenende zu „Kulturscheunen“ umfunktioniert. Die damalige Konzeption, die Cox‘sche Scheune zu einem Veranstaltungsraum umzunutzen, konnte wegen der Ablehnung im Gemeinderat allerdings nicht realisiert werden.

Immer dabei im Kulturprogramm ist die Förderung der plattdeutschen Sprache mit regional oder überregional bekannten Künstlern, wie Jasper Voigt und Sandra Keck aus dem Ohnsorg-Theater. Auch die Niedersächsischen Musiktage der Sparkassenstiftung fanden bereits mehrfach in Haßbergen statt. Aktuell sind die Musiktage mit „Don Quichotte“ zu Gast.

1999 wurde auf die Initiative von Marion Meyer eine Streuobstwiese an der „Cox‘schen Scheune“ gepflanzt. Großmasken sind unter Anleitung von Gunhild Sievers entstanden. Neben der Hausband „Die Kapellis“ bildete sich 2010 eine zweite Band im Verein: Old Chapel Five. Gestern Abend haben Mitglieder, befreundete Vereine, der Gemeinderat und Vertreter von Institutionen und Stiftungen das Jubiläum gefeiert.

Verfeinert wurde die Veranstaltung durch ein Konzert des Salonorchesters „Tango & mehr“ und einen „musikalischen Irish-Coffee“ von „Old Chapel Five“. Ehrungen und eine Bilderschau standen ebenfalls auf dem Programm. DH

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Erstellt:
22. September 2013, 00:00 Uhr
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