Matthias Brosch DH

Matthias Brosch DH

Guten Tag 12.12.2018 Von Matthias Brosch

Kunden haben auch Namen

Im bayerischen Landkreis Pfaffenhofen ist es in einer Metzgerei zu einem Eklat gekommen: Eine Fachverkäuferin sprach eine Kundin, die sie bedienen wollte, mit ihrem Nachnamen an. Deshalb empörte sich die Frau lautstark und wies mit Hinweis auf die seit Mai geltende Datenschutzverordnung (DSGVO) darauf hin, dass die anderen Anwesenden ihr Name nichts angehe. Diese Geschichte aus Wolnzach fand bundesweit große Aufmerksamkeit und löste vor allem Unverständnis über das Verhalten der Frau aus. Diese lag im Übrigen mit ihrem Hinweis auf die DSGVO falsch, da bei ihrem Besuch beim Metzger keine automatisierte Datenverarbeitung vorlag – ähnlich wie im kürzlich diskutierten Fall aus Wien mit der empfohlenen Entfernung von Namensschildern an Klingeln.

Die persönliche Ansprache gegenüber der Kundschaft sei zulässig, wie der Münchner Rechtsanwalt Frank Remmertz der Augsburger Allgemeinen sagte. Demnach signalisiere der Besucher oder die Besucherin des Ladens, dass ein Kaufvertrag abgeschlossen werden solle. Faktisch handle es sich somit um eine „vorvertragliche Kommunikation“.

In der Steinofenbäckerei Kindermann in Erichshagen-Wölpe hängt seit mehreren Monaten ein Aushang zum Datenschutz, der schon vor dem Fall Wolnzach wegen des dicken gelben Smileys deutlich als Scherz zu erkennen war: „In unserer Bäckerei werden Sie auch gelegentlich mit dem Namen angesprochen, und wir merken uns, welches ihr Lieblingsgebäck ist. Sollten Sie das nicht wollen, rufen Sie einfach beim Betreten: Ich bin nicht einverstanden! Wir werden künftig so tun, als ob wir Sie nicht kennen.“

Zum Artikel

Erstellt:
12. Dezember 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 45sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.