In Niedersachsen sind drei Wölfe zum Abschuss freigegeben. Foto: Dennis - stock.adobe.com

In Niedersachsen sind drei Wölfe zum Abschuss freigegeben. Foto: Dennis - stock.adobe.com

Landkreis 06.04.2020 Von Sebastian Schwake

Land gibt drei Wölfe zum Abschuss frei

Umweltminister Lies: Nutztierrisse haben massiv zugenommen

In Niedersachsen wird weiter Jagd auf Wölfe gemacht. In der Vorwoche erst hatte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) die Jagd auf den Rodewalder Rüden vorerst für beendet erklärt. Die Jagd sei erfolglos gewesen, gestand er ein. Auch, weil das alte Bundesnaturschutzgesetz für eine erfolgreiche Jagd zu wenig Möglichkeiten geboten habe. In Niedersachsen dürfen drei Wölfe abgeschossen werden, teilte Lies am Montag in Hannover mit.

Nach wiederholten Nutztierrissen in der Region Uelzen hat das Land gemeinsam mit dem dortigen Landkreis eine Ausnahmegenehmigung auf den Weg gebracht. Die Fachleute aus dem Umweltministerium haben den Sachverhalt unter Berücksichtigung auch der überregionalen Populationsentwicklung eingehend bewertet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Ausnahme für je einen Wolf des Rudels Eschede sowie Ebstorf erforderlich ist.

Umweltminister Lies sagte dazu: „Die extensive Weidetierhaltung ist in Niedersachsen ein nicht wegzudenkender Teil unserer Kulturlandschaft. Schafe pflegen für uns Naturschutzflächen und Deiche – und das soll auch so bleiben. Die Schäfer haben in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, ihre Herden vor Wolfsangriffen zu schützen. Das Land unterstützt sie dabei nach Kräften. Wo aber Wölfe selbst diese Schutzmaßnahmen überwinden, dürfen wir die Weidetierhalter nicht im Stich lassen. Auch Wölfe sollen in Niedersachsen leben, doch dafür darf die Akzeptanz in der Gesellschaft nicht kippen.“

Wo aber Wölfe selbst diese Schutzmaßnahmen überwinden, dürfen wir die Weidetierhalter nicht im Stich lassen.

Olaf Lies, Niedersachsens Umweltminister

Hintergrund der Maßnahme ist nach Angaben aus dem Umweltministerium, dass beide Rudel mehrfach an Rissen von ausreichend geschützten Nutztieren beteiligt waren. Die Territorien der beiden Rudel grenzen aneinander, überschneiden sich jedoch nicht. Der aktuellste Fall ereignete sich unmittelbar nach Erteilung der Genehmigung: Am Samstag, 4. April, sind erneut fünf Schafe einem mutmaßlichen Wolfsangriff zum Opfer gefallen. Um Wölfe vom potentiellen Entnahmeort nicht durch Aktivitäten und fremde Gerüche zu verscheuchen, wurden für eine begrenzte Zeit zunächst Kadaver am Rissort liegen gelassen.

Konkret konnten für das Rudel Ebstorf der Rüde GW1027m und für das Rudel Eschede die Fähe GW242f nachgewiesen werden. Daraufhin haben sich Land und Landkreis verständigt, dass der Landkreis als zuständige Behörde vom Land angewiesen wird, die Ausnahmegenehmigung zu erteilen, da überwiegend ein Landkreis betroffen ist.

Die Genehmigung gilt bis zum 30. Juni 2020, wobei im Fall der Fähe aus dem Escheder Rudel der Vollzug vom 15. April 2020 bis 15. Mai 2020 aus Tierschutzgründen ausgesetzt wird, damit die Versorgung eventuell in diesem Frühjahr geborener Welpen sichergestellt ist. Für den Rüden des Ebstorfer Rudels gilt diese Pause nicht.

Derzeit existiert in Niedersachsen eine weitere gültige Ausnahmegenehmigung für einen Wolf. Sie bezieht sich auf die Fähe GW965f im Territorium Herzlake (Bereich Löningen) und gilt zunächst bis zum 15. April 2020. Auch hier sind für die Abschussgenehmigung mehrfache Nutztierrisse bei Überwindung ausreichenden Herdenschutzes ursächlich. Ob diese Genehmigung erneuert wird, wird rechtzeitig neu bewertet.

In beiden Fällen unterstützen Jagdausübungsberechtigte die Durchführung der Maßnahme. In Niedersachsen gibt es derzeit 26 bestätigte Wolfsrudel, fünf Wolfspaare und einen residenten Einzelwolf. Insgesamt dürften sich in Niedersachsen deutlich über 200 Wölfe aufhalten. Ihre Zahl steigt jährlich um circa 30 Prozent. Diese Entwicklung der Wolfszahlen lässt es zu, dass besonders problematische Individuen der Natur entnommen werden, ohne dass die Entwicklung hin zum günstigen Erhaltungszustand in Deutschland beeinträchtigt wird.

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Erstellt:
6. April 2020, 17:18 Uhr
Lesedauer:
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