Das Ethikkomitee des Palliativstützpunktes Nienburg hatte Heimleitungen, Gesundheitsamt und Heimaufsicht zum Austausch „Leben im Heim unter Coronabedingungen“ eingeladen. Foto: Satjawat - stock.adobe.com

Das Ethikkomitee des Palliativstützpunktes Nienburg hatte Heimleitungen, Gesundheitsamt und Heimaufsicht zum Austausch „Leben im Heim unter Coronabedingungen“ eingeladen. Foto: Satjawat - stock.adobe.com

Nienburg 14.11.2020 Von Die Harke

Leben im Heim unter Corona-Bedingungen

Ethikkomitee hatte Heimleitungen, Gesundheitsamt und Heimaufsicht zu Austausch eingeladen

Wie bei der vorangegangenen Veranstaltung verabredet, hatte das Ethikkomitee des Palliativstützpunktes Nienburg zu einem Folgeabend eingeladen: „Leben im Heim unter Coronabedingungen, Teil 2“. Dieses Mal nahmen neben Heimleitungen und Pflegedienstleitungen verschiedener Heime auch Dr. Heike Stiegler vom Gesundheitsamt Nienburg und Nazli Bayrak und Silvia Hien-Völpel von der Heimaufsicht teil.

Steigende Infektionszahlen zeigen den Ernst der Lage. Die Erfahrungen der vergangenen Monate erlauben zugleich Hoffnung, die kommenden Wochen und Monate meistern zu können. Wichtige Erkenntnis: Die Hygienekonzepte greifen. Es hat einzelne Corona-Fälle in Heimen gegeben, aber keinen großen Ausbruch. Heimaufsicht und Gesundheitsamt sprachen dafür ein großes Lob an die Heime aus. Es wird entscheidend wichtig sein, die Hygienekonzepte ständig aktuell zu halten und den sich möglicherweise verändernden Umständen anzupassen. Hierfür sind die Heime verantwortlich, die Heimaufsicht unterstützt auf Anfrage.

Der Lockdown im Frühjahr mit dem damit einhergegangenen Besuchsverbot hatte weitreichende Folgen für Bewohnerinnen und Bewohner, deren Angehörige und auch den Mitarbeitenden in den Heimen. Sowohl in physischer (Ausfall von Therapien und Bewegungsmöglichkeiten) wie psychischer Hinsicht (Trennung von Angehörigen, Einsamkeit, Schuldgefühlen bei Angehörigen, Überforderung und Frustration bei Mitarbeitenden). Immer häufiger kam und kommt es auf Grund zunehmender Unzufriedenheit insbesondere auf Seiten der Besucherinnen und Besucher zu Konflikten bis hin zu Übergriffen gegenüber Mitarbeitenden.

Einschränkungen der Freiheitsrechte nicht mehr möglich

Schließungen mit derart weitreichenden Einschränkungen soll es in der Zukunft nicht geben. BewohnerInnen haben grundsätzlich die Möglichkeit und das Recht, ihr Heim zu verlassen – somit sind Einschränkungen der Freiheitsrechte wie im Frühjahr geschehen nicht mehr möglich. Die Heimaufsicht betonte, dass Besuche in den Heimen und auch Besuche der Bewohner bei ihren Angehörigen möglich sein müssen. Wenn sich Angehörige dabei nicht an das Hygienekonzept des zuständigen Heimes halten (Abstands- und Maskenpflicht usw.), sind Konsequenzen möglich. Die Heimleitung kann von ihrem Hausrecht Gebrauch machen.

Darunter sollten aber nicht die BewohnerInnen und die Angehörigen leiden, die sich an die Vorschriften halten. Insgesamt ist es wichtig, sich auf die gemeinsamen Interessen zu verständigen: Niemand will das Infektionsgeschehen beschleunigen, dafür sind Hygienemaßnahmen unumgänglich, zugleich sind die Freiheitsrechte ebenso ernst zu nehmen, Bewohner und deren Angehörige brauchen Kontaktmöglichkeiten – ohne dass dadurch andere gefährdet werden.

Kreative Lösungen

Kreative Lösungen müssen vor Ort entwickelt werden – um den berechtigten Bedürfnissen aller Beteiligten so gut wie möglich gerecht zu werden. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es in der derzeitigen Situation nicht. Infektionen passieren – auch dann, wenn sich alle an die Regeln halten.

Für diesen Fall haben Heimaufsicht und Gesundheitsamt schnelle und umfassende Unterstützung zugesagt. Und: Niemand wird dafür öffentlich zur Verantwortung gezogen oder gar strafrechtlich verfolgt, soweit die geltenden Regeln beachtet wurden.

Gesundheitsamt und Heimaufsicht arbeiten nach Aussage der Anwesenden in den letzten Monaten sehr eng und partnerschaftlich mit den Heimen zusammen und sichern in dieser schwierigen Situation weiterhin ihre Unterstützung zu.

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Erstellt:
14. November 2020, 17:45 Uhr
Lesedauer:
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