Mehmet Karakoy, Sezgin Bakal, Karim Iraki und Sayed Musa Rafizada (von links) appellieren an Migranten, die Corona-Regeln einzuhalten.Foto: Schmidetzki

Mehmet Karakoy, Sezgin Bakal, Karim Iraki und Sayed Musa Rafizada (von links) appellieren an Migranten, die Corona-Regeln einzuhalten.Foto: Schmidetzki

Nienburg 08.05.2021 Von Nikias Schmidetzki

„Leben und Gesundheit über alles“

Vertreter von Gemeinde und Vereinen wollen Migranten auf Wichtigkeit von Corona-Regeln hinweisen

Unfreiwillig sind Migranten vielerorts in das Zentrum der Corona-Berichterstattung geraten. Nun wollen Vertreter muslimischer Gruppen und Vereine klar machen: „Wir nehmen die Sache ernst.“ Das betont Mehmet Karakoy, Vereinssprecher der türkisch islamischen Gemeinde zu Nienburg. Und das wollen sie auch denjenigen ihrer Gemeindemitglieder ganz deutlich zeigen und an sie appellieren, die sich bislang noch nicht ausreichend mit den Regeln auseinandergesetzt haben. Sie seien zwingend einzuhalten, auch wenn das Verzicht heiße.

Besonders hart trifft das viele in der kommenden Woche. Aktuell ist Ramadan, in den nächsten Tagen steht das Zuckerfest an, das Fest des Fastenbrechens. Eigentlich, so erklärt Karakoy, werde das ausgiebig gefeiert. „Nächste Woche würden sich viele besuchen. Das geht aber nicht“, sagt Sayed Musa Rafizada vom Afghanischen Kulturverein Nienburg. Das müsse jedoch ganz vielen noch bewusst werden, sind sich die Verbandsvertreter einig. Vor allem besuchten Jüngere normalerweise Ältere. Die Gäste würden immer wieder wechseln. Dass sie stattdessen Karten schreiben können oder sich gegenseitig anrufen, wollen die Gemeindevertreter vermitteln.

Vergleichbare Bedeutung wie Weihnachten

Die Bedeutung des Zuckerfestes vergleicht Karakoy etwa mit der von Weihnachten in der christlichen Welt. Doch auch das fiel 2020 kleiner aus als gewohnt. Und so sollen auch Muslime nicht mit anderen feiern. „Der Ramadan ist für uns der wichtigste Monat. Aber Menschenleben und Gesundheit gehen über alles“, betont Karakoy.

Karim Iraki, Vorsitzender des Vereins „Menschen helfen Menschen“, betont: „Wir halten die Regeln für wichtig.“ Daran gebe es keine Zweifel. Problematisch sei häufig, dass viele die deutsche Sprache nicht richtig verstünden. Daher, so hoffen die Verantwortlichen der Organisationen, soll der Appell an jene weitergegeben werden.

Sezgin Bakal ist Vorsitzender der türkisch islamischen Gemeinde zu Nienburg und hat zur Sicherheit die Moschee geschlossen. „Wir verzichten auf die Ramadangebete und auch auf die Freitagsgebete“, sagt er. Das sei für viele schwer zu verstehen, für ihn aber der richtige Weg. Und Karim Iraki unterstützt ihn und sagt: „Man kann auch zuhause beten.“

Anders verlaufen war auch schon das jezidische Neujahrsfest, das am ersten Mittwoch im April gefeiert wird. Normalerweise stehen die Menschen an diesem Tag früh auf, verteilen Süßigkeiten und färben Eier. In den Morgenstunden gehen viele in die Natur und pflücken rote Blumen, die zusammen mit den Eierschalen an der Haustür aufgehängt werden. „In diesem Jahr ist es aufgrund der Corona-Pandemie anders verlaufen. Die Menschen verbrachten den Feiertag zu Hause“, berichtet Sadiq Razo Khalaf von den Erfahrungen dieser Ausgabe.

Familienverband sehr stark

Es ist aber nicht nur das gemeinsame Beten und Feiern. Insgesamt sei der Familienverband bei vielen Familien mit Migrationshintergrund sehr stark. Da falle es vielen schwer, Kontakte einzuschränken. Das sei aber gerade oberstes Gebot, betont Karim Iraki, der auch beim Jugendmigrationsdienst arbeitet.

Ein Lob hat er für die Arbeit des Landkreises über. Er versorge die Gruppen mit Informationen, die dann weitergegeben werden. In Kooperation mit dem Gesundheitsamt des Landkreises und unterstützt von ehrenamtlichen Sprachmittlerinnen und Sprachmittlern hat die Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe nun zwei neue „Youtube“-Videos auf Deutsch, Kurdisch, Arabisch, Russisch, Rumänisch, Türkisch, Polnisch und Farsi online gestellt.

Themen sind das Impfen und die derzeit allgemeinen Corona-Regeln. Zu sehen sind die Videos auf dem „Youtube“-Kanal des Landkreises Nienburg.

Ganz offensichtlich dauere es, aber nach und nach spreche sie rum, welche Regeln gelten und wie sich Menschen schützen können. Ein guter Schritt sei, dass sich auch viele Migranten jetzt impfen lassen, sagt Iraki. „Wenn wir uns gegenseitig schützen, besiegen wir Corona.“

Die Mitarbeiterinnen der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe stehen unter Telefon (0 50 21) 96 76 89 oder an migration@kreis-ni.de per E-Mail für Rückfragen rund um Corona zur Verfügung.

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Erstellt:
8. Mai 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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