Trotz des ernsten Themas gut gelaunt: Die Frauen der Frauenhaus-Bereitschaft.

Trotz des ernsten Themas gut gelaunt: Die Frauen der Frauenhaus-Bereitschaft.

Nienburg 27.02.2016 Von Edda Hagebölling

„Lebenserfahren und mittelalt“

Die Frauen der Frauenhaus-Bereitschaft würden sich über Verstärkung freuen

Von Edda Hagebölling

Nienburg. „Sie sollten mittelalt sein. Und ein bisschen lebenserfahren.“ Trotz des ernsten Themas sind sie gut gelaunt. Die Damen aus der Rufbereitschaft des Nienburger Frauenhauses. Am Dienstag trafen sie sich mit der Harke am Sonntag, um für Verstärkung zu werben.

Zu dem Treffen gekommen waren Sabine Freymuth aus Eystrup und Janin Henking aus Landesbergen sowie Nora Meyer und Tochter Alexandra Stute aus Marklohe. Dabei waren außerdem Renate Bunke, eine von drei festen Frauenhaus-Mitarbeiterinnen, und Praktikantin Rauja Al-Molla.

Sie alle eint der Wunsch, Frauen und deren Kindern zu helfen, die sich von ihren gewalttätigen Männern trennen wollen. Rund 50 Frauen finden Jahr für Jahr im Nienburger Frauenhaus eine vorübergehende Bleibe. Sie kommen aus der Stadt und dem Kreis Nienburg, aber durchaus auch aus benachbarten Städten.

Im vergangenen Jahr hat es sogar einen Aufnahmestopp gegeben. Weil günstiger Wohnraum in Nienburg Mangelware wird, wird es immer schwieriger, für die Frauen eine passende Wohnung außerhalb des Frauenhauses zu finden.

Ins Spiel kommen die Frauen aus der Frauenhaus-Bereitschaft, wenn Renate Bunke und ihre Kolleginnen Kirsten Heusmann und Birgit Balke Feierabend haben. Also wochentags ab 16 Uhr und am Wochenende. Dann wird die Telefonnummer des Frauenhauses auf das Bereitschaftshandy umgeleitet.

Die Bereitschaft teilen sich zurzeit etwa zwölf Frauen. Da es jedoch immer vorkommt, dass die eine oder andere ausscheidet, ist Verstärkung immer willkommen.

„Wer nicht genau weiß, ob er der Aufgabe gewachsen ist, kann gerne auch zum Schnuppern dazukommen“, berichten die gut gelaunten Damen um Nora

Meyer. Nora Meyer ist am längsten dabei. Wie lange genau, kann sie aber gar nicht so genau sagen. „Zehn, fünfzehn Jahre“, so ihre Schätzung.

Bereitschaftsdienst ist drei-, viermal im Monat. Genau festgelegt wird das bei den monatlichen Dienstbesprechungen. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass das Telefon während des gesamten Bereitschaftsdienstes nicht einmal klingelt.

Wenn es aber klingelt, ist entweder die Polizei dran, die wegen häuslicher Gewalt einschreiten musste und die Frau jetzt in die Obhut des Frauenhauses geben möchte. Oder die Frau selbst. In diesem Fall gilt es zunächst, einen Treffpunkt auszumachen. Und ein Erkennungsmerkmal. Kommt die Frau mit dem Zug, wird in der Regel der Bahnhof gewählt. „Andernfalls treffen wir uns auch gerne auf dem Polizeiparkplatz mit der Schutzsuchenden“, so die Bereitschafts-Frauen. „Allerdings“, schränken sie ein, „klingt das gefährlicher, als es ist.“

„Die Frauen kommen meistens am Wochenende“, ergänzt Renate Bunke. Manchmal haben sie ihren Besuch schon vorher angekündigt und warten nur darauf, dass ihr Mann die Wohnung verlässt, um sich dann ungefährdet auf den Weg zu machen. Dass die Frau es sich dann doch anders überlegt, kommt vereinzelt aber auch vor.

Das Bereitschaftshandy kann aber auch schon mal klingeln, weil die Frauen, die bereits im Frauenhaus leben, Hilfe benötigen. Zum Beispiel, weil das Kind krank ist.

Auf die Frage: Was würden Sie Frauen antworten, die diesen Artikel lesen und sich jetzt fragen: Warum um alles in der Welt sollte ich so etwas machen?, antworten die Damen unisono: Weil es einfach schön ist, helfen zu können. Und weil wir eine nette Gruppe sind.

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Erstellt:
27. Februar 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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