Die Angestellten wie Ramona Gläser arbeiten im Moment in einer Art Ausnahmezustand. Kundin Ingrid Burmeister gehört zu denjenigen, die Verständnis für all die neuen Regelungen haben. Foto: Garms

Die Angestellten wie Ramona Gläser arbeiten im Moment in einer Art Ausnahmezustand. Kundin Ingrid Burmeister gehört zu denjenigen, die Verständnis für all die neuen Regelungen haben. Foto: Garms

Nienburg 24.03.2020 Von Manon Garms

„Lebensmittelversorgung bricht nicht ein“

Corona-Krise: Eine Bestandsaufnahme im Nienburger E-Center

Edeka-Mitarbeiter Klaus Weinholz steht am Dienstagmorgen mit einem Tuch und Desinfektionsmittel in der Hand vor dem Nienburger E-Center. Neben ihm stehen einige Einkaufswagen, deren Griffe er gründlich desinfiziert. Jeder Kunde, der an ihm vorbei ins E-Center geht, wird dazu aufgefordert, einen Wagen mitzunehmen. „Ich brauche keinen“, bekommt Weinholz dann häufig als Antwort. „Bitte nehmen Sie einen Einkaufswagen. Jeder Kunde muss einen nehmen“, erklärt der Edeka-Mitarbeiter dann freundlich aber bestimmt. Und in diesem Moment wird den Kunden klar, warum sie einen Wagen nehmen sollen.

Es ist der zweite Tag, nach dem Bundeskanzlerin Angela Merkel angesichts der Corona-Krise ein Kontaktverbot verkündet hat. Um das und den notwendigen Mindestabstand von 1,5 bis zwei Metern zwischen den Kunden realisieren zu können, setzt man bei Edeka – wie auch in anderen Lebensmittelgeschäften – auf Einkaufswagen. Zudem werden die Menschen auch an den Bedientheken im Wurst- und Käsebereich mittels Aufklebern auf dem Boden dazu aufgefordert, Abstand zu halten.

Edeka-Mitarbeiter Klaus Weinholz achtet darauf, dass jeder Kunde einen Einkaufswagen mit ins Geschäft nimmt und desinfiziert die Griffe gründlich. Foto: Garms

Edeka-Mitarbeiter Klaus Weinholz achtet darauf, dass jeder Kunde einen Einkaufswagen mit ins Geschäft nimmt und desinfiziert die Griffe gründlich. Foto: Garms

An den Kassen sind Trennscheiben angebracht worden, und wer mit Bargeld zahlt, soll die Scheine und Münzen in einen Behälter legen, statt sie der Kassierin direkt in die Hand zu geben. „Wir versuchen auch, wenn möglich nur jede zweite Kasse zu öffnen, damit der Abstand zwischen den Kunden größer ist“, sagt Geschäftsführer André Hanekamp. Außerdem haben er und Marktleiter Kai-Peter Kruse beschlossen, die Kundentoiletten zu schließen. „Dort ist es einfach sehr eng, und wir können dort die Einhaltung der Hygiene nicht wirklich kontrollieren“, sagt Hanekamp.

Mitarbeiter gehen oft bis ans Limit

Und während die Kunden sich nach und nach an die neuen Regeln gewöhnen, gehen die Mitarbeiter oft bis ans Limit. „Die Angestellten leisten deutlich mehr als das, was sie in normalen Zeiten leisten müssen“, sagt Hanekamp. Und das auch noch unter teilweise extremen Bedingungen. „In der vergangenen Woche ist ein Kunde aggressiv geworden, als eine Kassiererin ihn darüber informiert hat, dass er nicht mehr als zwei Packungen Nudeln kaufen darf“, erzählt der Geschäftsführer.

Generell arbeiten alle im E-Center in einer Art Ausnahmezustand. „Es ist schon eine sehr besondere Zeit, in der sich alles von null auf hundert geändert hat“, beschreibt Mitarbeiterin Ramona Gläser die aktuelle Situation: „Dabei gibt es zwei Extreme. Einige Kunden sind genervt, wenn es voll ist. Aber es gibt auch sehr viele Kunden, die Danke sagen“, erzählt Gläser. Manchmal bekämen die Mitarbeiter sogar Schokolade geschenkt: „Das baut auf“, sagt die junge Mutter.

Sie hat einen neunjährigen Sohn, der mit seinem Papa zu Hause ist, wenn sie arbeiten muss. „Bei uns läuft das glücklicherweise relativ unkompliziert“, sagt Gläser. Das freut natürlich nicht nur sie, sondern auch den Geschäftsführer: „Wegen der Kinderbetreuung musste von unseren Mitarbeitern bisher noch niemand zu Hause bleiben, die meisten haben es selbst organisiert“, sagt Hanekamp. Und es gebe sogar Angestellte, die zum jetzigen Zeitpunkt freiwillig auf ihren Urlaub verzichtet hätten.

Die Angestellten leisten deutlich mehr als das, was sie in normalen Zeiten leisten müssen.
André Hanekamp, Geschäftsführer

Doch selbst wenn alle Mitarbeiter nach Plan im Einsatz sind, reicht das momentan nicht aus. „Wir haben hier fünf neue Mitarbeiter eingestellt, und in der Kommissionierung für das Absatzgebiet von Edeka Minden sind 250 Leute zusätzlich eingestellt worden“, sagt der Geschäftsführer.

„Lebensmittelversorgung wird nicht einbrechen“

Neben den Arbeitskräften ist das E-Center natürlich auch auf Ware angewiesen. Eins stellt Hanekamp unmissverständlich klar: „Die Lebensmittelversorgung wird nicht einbrechen.“ Angesichts der Hamsterkäufe gibt es aber Einschränkungen: Pro Kunde werden lediglich zwei Packungen Toilettenpapier, Nudeln oder Mehl verkauft.

Lieferschwierigkeiten gebe es grundsätzlich nicht. „Wir kriegen alles, aber nicht in Mengen. Wir bekommen zum Beispiel regelmäßig Toilettenpapier, aber es nimmt auch jeder eine Packung mit, und dann ist es schnell wieder weg“, sagt der Geschäftsführer, der betont, dass in den vergangenen Wochen das Fünffache an Toilettenpapier verkauft worden ist.

Die Zahl der Kunden, die sich zeitgleich im Laden aufhalten dürfen, haben Hanekamp und Kruse auf 140 reduziert. Gewährleistet werden soll diese Anzahl dadurch, dass nicht mehr als 140 Einkaufswagen zur Verfügung gestellt werden. Zum Vergleich: An besonderen Einkaufstagen wie beispielsweise vor Weihnachten sind in normalen Zeiten schon einmal 250 bis 300 Kunden zur selben Zeit im E-Center.

Der Geschäftsführer und der Marktleiter beobachten, dass die Kunden langsam entspannter mit der Situation umgehen. „Als wir am Montag damit begonnen haben, dass jeder einen Einkaufswagen nehmen muss, gab es schon Unverständnis“, sagt Kruse. Am zweiten Tag laufe bereits alles besser. „Die Abstandsregeln sind inzwischen in den Köpfen der Leute angekommen“, sagt auch Hanekamp. Ingrid Burmeister aus Oyle gehört zu den Menschen, bei denen die Regeln angekommen sind. „Ich finde es gut, dass man Abstand halten muss. Ich nehme sowieso immer einen Einkaufswagen und gehe auch nicht so oft einkaufen“, sagt die 69-Jährige.

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Erstellt:
24. März 2020, 19:35 Uhr
Lesedauer:
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Berni Langenkamp 25.03.202008:41 Uhr

Ich möchte an dieser Stelle einen Gruß an die Angestellten senden, ich war gestern selbst vor Ort und habe erlebt wie alle nett und freundlich waren trotz der stressigen Lage. Ihr macht einen guten Job, vielen Dank dafür :-)


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