Loccum 22.11.2016 Von Die Harke

„Lernen, mit dem Wolf zu leben“

Niedersachsen will konfliktfreies Miteinander

Mit einem mehrstufigen Konzept will das Land Niedersachsen das Zusammenleben von Menschen und Wölfen so konfliktfrei wie möglich gestalten. „Der Wolf ist da und er ist streng geschützt“, sagte der Biologe Konstantin Knorr vom Wolfsbüro des Bundeslandes am Wochenende bei einer Fachtagung in der [DATENBANK=901]Evangelischen Akademie Loccum[/DATENBANK]. „Wir müssen also lernen, mit dem Wolf zu leben.“

Wölfe seit 2006 wieder in Niedersachsen

In Niedersachsen leben seit 2006 wieder Wölfe in freier Wildbahn, Experten schätzen ihre Zahl derzeit auf 70 bis 80 Tiere. Das beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) angesiedelte Wolfsbüro besteht seit 2015. Bei der Einrichtung laufen die Fäden für das Wolfsmanagement zusammen.

Als eine wichtige Aufgabe des Büros neben dem Wolfsmonitoring, also dem Zählen und Beobachten der Raubtiere, nannte Knorr die Öffentlichkeitsarbeit. „Wir haben ein Wolfstelefon eingerichtet, erstellen mehrsprachige Flyer und Broschüren und beraten das Umweltministerium fachlich bei Parlaments- und Presseanfragen“, sagte er. Die Mitarbeiter des Wolfsbüros hielten auch in ganz Niedersachsen Vorträge und diskutierten bei Veranstaltungen.

Bereits in den vergangenen Jahren habe Niedersachsen „Meilensteine für den Umgang mit dem Wolf“ eingeschlagen, sagte Knorr. 2007 sei der „Arbeitskreis Wolf“ ins Leben gerufen worden, in dem Behörden, Halter von Nutztieren, die Landesjägerschaft und Naturschützer zusammenarbeiteten. Landesweit gebe es mehr als 100 ehrenamtliche Wolfsberater. Zudem habe die Landesregierung im Jahr 2014 die „Richtlinie Wolf“ erlassen, die unter anderem Ausgleichzahlungen für von Wölfen gerissene Schafe und Ziegen regele.

Bei nachgewiesenen oder „sehr wahrscheinlichen“ Wolfrissen erhielten die betroffenen Halter 100 Prozent des Wertes des getöteten Tieres sowie 80 Prozent der indirekten Kosten erstattet, die etwa für den Tierarzt oder die Beseitigung des Kadavers anfielen, erläuterte Knorr. Investitionen für sichere Zäune oder Herdenschutzhunde würden ebenfalls zu 80 Prozent übernommen.

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Erstellt:
22. November 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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