Wolfcenter-Leiter Frank Faß

Wolfcenter-Leiter Frank Faß

26.04.2015

„Lernen, mit den Wölfen zu leben“

Auftakt der HamS-Serie „Der Wolf ist zurück“ / Gedanken von Wolfcenter-Chef Frank Faß

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Der Wolf ist zurück. Diese Nachricht sorgt jeden Tag aufs Neue für Gesprächsstoff. Ob im Bekanntenkreis oder am Arbeitsplatz – überall werden Gedanken ausgetauscht. Kontrovers. Die einen aus Begeisterung darüber, dass dieses faszinierende Tier wieder zu unserem Lebensraum gehört, die anderen, weil sie Angst haben. Um ihre Kinder, um die Tiere im Stall und auf der Weide, um das Wild in Wald und Flur. Das Wolfcenter in Dörverden-Barme versteht sich als unabhängiges Kompetenzzentrum. Es informiert über freilebende Wölfe, die sich in Deutschland selbstständig ausbreiten und zeigt den Besuchern des Wolfcenter die Chancen, Risiken und Herausforderungen auf, die freilebende Wölfe mit sich bringen. Leiter des Wolfcenters sind Christina und Frank Faß. Auf ihrer Homepage haben sie ihre Gedanken rund um den Wolf zusammengetragen.

In einer kleinen Serie veröffentlicht die HamS diese Texte. Um die aktuelle Diskussion zu bereichern, aber auch um der Rückkehr des Wolfs ihren Schrecken zu nehmen.

Unter dem Punkt „Vision und Standpunkte“ schreibt Frank Faß: Die Motivation unserer Arbeit liegt in unserer Überzeugung begründet, dass es möglich ist, wieder mit freilebenden Wölfen in Deutschland konfliktarm zusammen zu leben - als ein fester Bestandteil der Natur.

Wir als Wolfcenter sprechen uns weder für noch gegen die Bejagung des Wolfes aus, halten es aber in Deutschland ohne eine zukünftige Regulierung nicht für realistisch, eine dauerhafte Akzeptanz bei allen Bevölkerungsgruppen zu etablieren. Selbstverständlich gilt es in solchen Betrachtungen stets, den günstigen Erhaltungszustand der freilebenden Wölfe in Deutschland aufrecht zu erhalten. Wir verstehen uns dabei nicht als Tierschützer, sondern als Mitgestalter des gesellschaftlichen Miteinanders – denn wir Menschen entscheiden, ob der Wolf dauerhaft in Deutschland eine Chance bekommt oder nicht.

Es muss erlaubt sein, verschiedenste Aspekte differenziert zu diskutieren, also auch die mögliche Bejagung des Wolfes in der Zukunft oder dessen Regulierung. Es muss hinterfragt werden dürfen, ob es Regionen in Deutschland geben soll, in denen der Wolf vielleicht nicht toleriert werden kann, weil ein effektiver Herdenschutz nicht möglich ist oder weil der Tourismus leiden könnte. Das mögen für einige Menschen Fragestellungen sein, die Wut auslösen und bei anderen Erleichterung - doch darum geht es uns nicht. Wir denken, dass - nur wenn wir alle Aspekte miteinander diskutieren - auch ein permanentes Miteinander zwischen Wolf und Mensch möglich bleibt.

Tatsache ist unserer Auffassung nach, dass alle Beteiligten wie die allgemeine Bevölkerung, Jäger, Nutztierhalter, Tierschützer, Politiker, etc. „einen Schritt gehen“ sollten, um effektive Lösungen miteinander zu erreichen. Von dieser Bereitschaft wird es letztlich abhängen. Wir zwingen niemanden, seinen Standpunkt zu verändern – laden Sie aber herzlich dazu ein. Wir wissen, dass es für ein dauerhaftes Leben von Wölfen in Deutschland noch Probleme zu lösen gilt. Diese Lösungen sind nicht immer und überall von heute auf morgen realisierbar, denn wir Menschen müssen nach und nach wieder erlernen, mit Wölfen in Deutschland zusammenzuleben. Es ist jedoch möglich.

www.wolfcenter.de

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Erstellt:
26. April 2015, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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