Wie können sinnvolle Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität von Landwirten wirksam umgesetzt werden? Das Projekt „MEDIATE“ sucht gemeinsam mit Landwirten nach praxistauglichen Lösungen. Foto: Polaschegg

Wie können sinnvolle Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität von Landwirten wirksam umgesetzt werden? Das Projekt „MEDIATE“ sucht gemeinsam mit Landwirten nach praxistauglichen Lösungen. Foto: Polaschegg

Landkreis 09.03.2017 Von Die Harke

„Lieber freiwillig, als aufgezwungen“

Kooperationslandwirte im Agrarumweltprojekt „MEDIATE“ trafen sich zu Arbeitsgespräch

Auf Einladung der Bezirksstelle Nienburg der [DATENBANK=937]Landwirtschaftskammer[/DATENBANK] sind die freiwillig im Projekt teilnehmenden Kooperationslandwirte zu einem Projekt-Arbeitsgespräch in die Räumlichkeiten des Landvolkkreisverbandes Mittelweser nach Syke gekommen. „Wie können wirksame Maßnahmen wie Blüh-, Extensiv- oder Brachestreifen auf konventionell genutzten Äckern so umgesetzt werden, dass sie sich ackerbaulich auch umsetzen lassen und auch tatsächlich für die biologische Vielfalt einen maximalen Effekt bringen? Wie vermeidet man als Projektlandwirt, trotz des freiwilligen Einsatzes für die Artenvielfalt im Projekt nicht in Konflikt mit Vorgaben und Kontrollen zu geraten? Welche Technik zu welchem Zeitpunkt wie einsetzen? Wichtige Fragen gab es im Rahmen der bevorstehenden Maßnahmenumsetzung zu klären“, heißt es in einer Mitteilung der Kammer.

Die Landwirte hätten ihrem Unmut über „sinnlose Auflagen wie zu frühe Aussaattermine“ im Laufe des Arbeitsgespräches durchaus vernehmbar Luft gemacht. Jan Wiertzema, Sprecher der Landwirte im Projekt aus Kirchweyhe: „Es ist vollkommen absurd, als Landwirt für das Misslingen einer Blühstreifenanlage bestraft zu werden, weil unsinnige Auflagen sie von vorne herein zum Scheitern verurteilen. Ich – und da denke ich spreche ich für den Großteil der Projektlandwirte – verzichte lieber auf Erträge und Fördermittel, um über das Projekt zu zeigen, wie Maßnahmen sinnvoll und effektiv in Kooperation mit der Landwirtschaft umgesetzt werden.“

Alexander Wietzke, Wissenschaftler der Uni Göttingen, der mit seinem Institut die Biodiversitätswirkung der Projekt-Maßnahmen untersucht, habe den Landwirten Recht gegeben: „Viele der Auflagen bei Greening und Vertragsnaturschutz stellen tatsächlich nicht selten den naturschutzfachlichen Wert von Maßnahmen in Frage. Dazu zählen ein zu früher Aussaattermin für Blühstreifen oder auch ein pauschales Pflugverbot auf Brachstreifen, auf denen seltene Wildkräuter gefördert werden sollen.“

Am Ende des dreistündigen Gespräches habe festgestanden: Praxisferne Auflagen, die den naturschutzfachlichen Erfolg von Maßnahmen verhindern, solle es im Projekt nicht geben. Trotz eines aus Sicht der Landwirte vielleicht etwas „holperigen“ Projektstarts bei der Auswahl der Maßnahmenflächen habe Jan Wiertzema dennoch ein positives Fazit der bisherigen Projektarbeit gezogen: „Es ist wirklich etwas sehr Besonderes in diesem Projekt, dass wir Landwirte uns so offen zusammen mit Wissenschaftlern im Thema Naturschutz einbringen können und unsere Hinweise aus der Praxis auch gehört werden. Hoffentlich finden die Erkenntnisse aus diesem Projekt tatsächlich ein Ohr bei Entscheidungsträgern.

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Erstellt:
9. März 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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