Holtorf/Erichshagen/Heemsen 10.11.2017 Von Die Harke

Lochkorrosion und (k)ein Ende?

Wasserverband An der Führse: „Alle bisherigen Gutachter sagen: Das Wasser ist nicht ursächlich für Schäden“

Vier Jahre Dauerstreit: Lochkorrosion und (k)ein Ende? Nachdem auch das jüngste Gutachten zu dem Ergebnis gekommen war, dass die Schäden durch Lochkorrosion in Hausinstallationen nicht durch das Trinkwasser hervorgerufen wurden, sind sämtliche relevanten Unterlagen an einen weiteren Experten übergegangen. Wenn auch der absehbar zu keinen neuen Erkenntnissen kommt, „ist eine Fortführung des gesamten Verfahrens im bisherigen Umfang ungewiss“, sagt [DATENBANK=1436]August Lustfeld[/DATENBANK], Geschäftsführer des Wasserverbandes. „Wir haben alles unternommen, um der Ursache der Lochkorrosion auf die Spur zu kommen“, sagt Lustfeld in einer Pressemiteilung. „Und es gibt zwei Aussagen der Experten. Einmal: Das Wasser ist nicht ursächlich für die Entstehung von Lochkorrosion. Zweitens: Ursache der bei uns in Diskussion stehenden Korrosionsfälle ist mit wenigen Ausnahmen das Hartlöten.“

Im Versorgungsraum Holtorf/Erichshagen-Wölpe/Samtgemeinde Heemsen kam es gehäuft zu Lochkorrosion in Hausinstallationen. Betroffene haben das Wasser aus dem Drakenburger Wasserwerk im Verdacht. Im Zuge der jahrelangen Auseinandersetzungen nahmen sich unter anderem das Technologiezentrum Wasser und die Leuphana-Universität des Themas an.

Ergebnis: Lochkorrosion kann auftreten, wenn die verbauten Rohre vorgeschädigt wurden – etwa durch das bis 1996 erlaubte Hartlöten bei der Installation, wenn die (vorgeschriebenen) Filter in der Hausinstallation fehlen und sich dadurch Partikel in den Rohren absetzen, wenn die Zusammensetzung des Kupfers nicht den deutschen Normen entspricht oder die Rohrinnenwandung zu rau ist. Am Wasser liege es jedoch nicht.

Vier Jahre Dauerstreit: „Unsere Geld ist langsam am Ende.“

August Lustfeld, Geschäftsführer des Wasserverbandes an der Führse.

Dr. Robertino Turkovic vom Technologiezentrum Wasser hatte ergänzend angeregt, die Brunnen des Wasserwerks Drakenburg in veränderter Weise zu „fahren“ und dadurch die Zusammensetzung des Wassers zu verändern. Auch das wurde gemacht, brachte aber „keine wesentlichen Veränderungen der einzelnen Parameter“, sagt Lustfeld.

Auf Anregung der Bürgerinitiative „Schluss mit dem Lochfraß“ wandte sich der Wasserverband an Dr. Angelika Becker vom IWW-Zentrum Wasser in Mülheim an der Ruhr. Sie gilt als anerkannte Expertin in Korrosionsfragen. Becker untersuchte Drakenburger Wasseranalysen aus drei Jahrzehnten und wandte dazu alle anerkannten Modelle zur Abschätzung der korrosionsbegünstigenden Eigenschaften von Trinkwässern an. Daraus ließ sich kein einheitliches Bild zur Korrosionsneigung des Trinkwassers ableiten.

Mit Blick auf eine belastbare Datengrundlage initiierte Becker beim DVGW, dem Normengeber in der deutschen Trinkwasserbranche, ein bundesweites Forschungsprojekt. An dem beteiligten sich 225 Wasserversorger in 13 Bundesländern, auch der [DATENBANK=856]Wasserverband An der Führse[/DATENBANK].

Bundesweit 55 Bereiche fielen durch das gehäufte Auftreten von Lochkorrosion auf. Becker untersuchte daraufhin 100 Wässer aus Bereichen mit Lochkorrosion und 100 Wässer aus Gegenden, in denen keine Lochkorrosion aufgefallen ist. Fazit: „Das Wasser ist in keinem Fall ursächlich für die Entstehung von Lochkorrosion. Bei Ihnen (gemeint ist der Versorgungsbereich des Wasserwerks Drakenburg) ist die Ursache das Hartlöten.“

Die Bürgerinitiative ist indes nicht überzeugt. Sie sieht die Ursache der Korrosionshäufung nach wie vor beim Wasser, nicht bei der Verarbeitung der Kupferrohre. Vor diesem Hintergrund fordert die Bürgerinitiative weiterhin einen Wasserwechsel oder alternativ den Einsatz von sogenannten Inhibitoren (Hemmstoff als Wasserzusatz). Becker hat dazu festgestellt, dass ein Wasserwechsel keine Lochkorrosionshemmung, sondern das Gegenteil bewirken könne.

Auch wurde der Einsatz von Inhibitoren bislang von den Experten kritisch beurteilt und wäre ohnehin nicht ohne Weiteres möglich. Um eine weitere Aussage zu erhalten, hat der Wasserverband sämtliche bislang erarbeiteten Unterlagen einem weiteren Experten zur Verfügung gestellt, den wiederum die Bürgerinitiative ins Gespräch gebracht hat: Professor Dr. Ralf Feser, Geschäftsführer des Instituts für Instandhaltung und Korrosionsschutztechnik gGmbH.

Allerdings ist der Wasserverband – Geschäftsführung wie Vorstand – mit seiner Geduld langsam am Ende. Feser wird die Unterlagen innerhalb der nächsten drei Monate sichten und auswerten. Wenn aber auch dieser Fachmann keine völlig neuen Erkenntnisse liefern könne, „müssen wir eine Fortführung deutlich infrage stellen. Immerhin kostet das alles viel Geld.“

Und der Verband habe sich letztlich freiwillig für die Aufklärung der Lochfraß-Thematik engagiert: „Wir müssen lediglich die einwandfreie Qualität unseres Wassers gemäß der Trinkwasserverordnung sicherstellen. Und dass wir das tun, ist unstrittig.“

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Erstellt:
10. November 2017, 21:00 Uhr
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