Sind ein gutes Team – und wollen es nach Möglichkeit bleiben: Astrid Hagen und Julian Meyer. Foto: Schmidetzki

Sind ein gutes Team – und wollen es nach Möglichkeit bleiben: Astrid Hagen und Julian Meyer. Foto: Schmidetzki

Nienburg 24.07.2021 Von Nikias Schmidetzki

MTV: Zukunft des Azubis noch ungewiss

Julian Meyer ist beim MTV Nienburg zum Sport- und Fitnesskaufmann ausgebildet worden

Eigentlich wollen sie ihn behalten, doch so einfach ist es nicht. Und deshalb ist es noch ungewiss, wie es mit Julian Meyer, frisch vom MTV Nienburg ausgebildeter Sport- und Fitnesskaufmann, weitergeht.

Der MTV ist der erste Verein im Landkreis, der einen Auszubildenden zum Sport- und Fitnesskaufmann eingestellt hatte. Nun hat Julian Meyer seine Ausbildung beendet. Ob er bleibt, ist allerdings fraglich.

Dabei hätte der 23-Jährige durchaus Lust sein Wissen und Engagement weiter für den Verein einzubringen. Und auch seine Ausbilderin Astrid Hagen würde ihn gerne weiter in Diensten des MTV sehen. Nur: So einfach ist das nicht.

Meyer war über ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in die Vereinsarbeit gekommen. „Da habe ich gemerkt: Das lohnt sich“, sagt Astrid Hagen. Sie hat später extra den Ausbilderschein gemacht, damit der junge Mann beim MTV seine berufliche Basis legen konnte.

Und damit stand der Ausbildung nichts mehr im Wege. Vor etwas über drei Jahren startete sie – ein neues Kapitel nicht nur für Julian Meyer, sondern auch für den ganzen Verein. Es war offenbar ein gutes Kapitel. Meyer hat nicht nur die kaufmännische Arbeit erledigt, zu der Büroarbeit, Verkaufs- und Gesundheitsgespräche gehören. Er hat auch Training im Fitnessstudio und bei verschiedenen Sportgruppen geleitet. Und fast nebenbei war er Ansprechpartner in der Geschäftsstelle direkt an der Halle und hat den Hausmeister unterstützt. „Das war vieles, was eigentlich ehrenamtlich hätte gemacht werden müssen“, sagt Hagen. Kein Wunder also, dass es ein deutliches Votum für ihn gibt. „Die Vereinsmitglieder möchten ihn gerne behalten“, weiß die Anleiterin.

Das war vieles, was eigentlich ehrenamtlich hätte gemacht werden müssen.

Astrid Hagen, Ausbilderin beim MTV Nienburg

Gerade während der herausfordernden Corona-Pandemie habe Meyer viel organisiert und sei zu einer verlässlichen Person geworden. „Das Büro war die Brennzelle während der Zeit“, nennt es die Ausbilderin. Wie gut er seinen Job kann, hat er aber nicht nur in der Praxis unter Beweis gestellt. Er hat sie mit einem Durchschnitt von 1,9 abgeschlossen. Dabei war es nicht einmal selbstverständlich, dass er überhaupt durchhält. Die schwierigen Rahmenbedingungen hätten dafür gesorgt, dass nur 17 von 27 Azubis durchgehalten haben, erklärt Meyer.

Neben dem Praxisteil beim Verein in Nienburg musste er regelmäßig zu den Berufsbildenden Schulen nach Hannover-Roderbruch fahren. Zuletzt war er an vier Tagen beim MTV und an einem in der Schule.

Ob und wie der MTV Julian Meyer halten kann, wird sich wohl erst in den nächsten Wochen entscheiden. Es stehe das Angebot, einen Aufbaustudiengang zu besuchen, sagt Astrid Hagen. Das allerdings kommt für Julian Meyer gerade nicht infrage: „Ich möchte jetzt gerne eine schulische Pause.“

Natürlich geht es bei der Entscheidung über die Zukunft des frischgebackenen Sport- und Fitnesskaufmanns auch ums Geld. Doch da müsse es eine Lösung geben, ist Hagen sicher. Und wenn der Verein das Geld nicht alleine aufbringen könne, sei möglicherweise auch eine auf verschiedene Einrichtungen aufgesplittete Anstellung möglich. Solche Modelle gibt es an anderen Stellen auch schon.

Denn, das ist klar, so beliebt Meyer und so geschätzt seine Arbeit ist, auch der MTV muss mit der Pandemie-Situation klarkommen. Rund 1700 Mitglieder habe er vor Corona gehabt. Nun seien es noch etwa 1300, sagt Astrid Hagen.

Aktuell ist Meyer arbeitssuchend gemeldet, und erste Bewerbungen hat er losgeschickt. Beim MTV darf er nicht arbeiten, weil er noch keinen Vertrag hat. Doch ganz verzichten müssen die Aktiven des Vereins momentan noch nicht auf ihn. Denn als Ehrenamtlicher leitet er auch jetzt noch einige Übungsgruppen.

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Erstellt:
24. Juli 2021, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

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