Ein Mann verlässt in einem Wahllokal eine Wahlkabine. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche sind Französinnen und Franzosen zu den Regionalwahlen im Land aufgerufen. Foto: Laurent Cipriani/AP/dpa

Ein Mann verlässt in einem Wahllokal eine Wahlkabine. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche sind Französinnen und Franzosen zu den Regionalwahlen im Land aufgerufen. Foto: Laurent Cipriani/AP/dpa

Paris 27.06.2021 Von Deutsche Presse-Agentur

Hochrechnung: Le-Pen-Partei gewinnt keine einzige Region

Bei den Regionalwahlen in Frankreich hat die Partei von Rechtspopulistin Marine Le Pen nach einer Hochrechnung keine einzige Region gewinnen können.

In der besonders umkämpften Region Provence-Alpes-Côte-d'Azur im Süden kam der Kandidat Thierry Mariani vom Rassemblement National (RN) nur auf gut 42 Prozent, wie der TV-Sender France 2 berichtete. Der bürgerlich-konservative Bewerber Renaud Muselier erreichte demnach mehr als 57 Prozent. Die beiden Politiker waren in der Endrunde die einzigen verbliebenen Kandidaten.

Die Le-Pen-Partei (früher: Front National) hat es in Frankreich bisher noch nie geschafft, eine Region für sich zu erobern. Le Pen wollte einen Erfolg im Süden als Sprungbrett für die Präsidentenwahl in zehn Monaten zu nutzen. Der Hochrechnung zufolge musste auch Staatschef Emmanuel Macron eine Schlappe einstecken. Die verbliebenen Kandidaten des Präsidentenlagers LREM landeten auf hinteren Plätzen. Regierungssprecher Gabriel Attal sprach von einer „Enttäuschung“.

Die Regionen bleiben den Hochrechnungen zufolge überwiegend in der Hand der bürgerlichen Rechten und der Linken. Bereits die erste Runde am vergangenen Sonntag war für Macron enttäuschend verlaufen. Als vergleichsweise junge Partei ist LREM kaum in den Regionen verankert. Macron und Le Pen gelten bislang als aussichsreichste Kandidaten für die Präsidentenwahl im nächsten Jahr.

Bei den Regionalwahlen in Frankreich hatte sich auch in der zweiten Runde am Sonntag eine geringe Beteiligung abgezeichnet. Nach dem historisch niedrigen Wert von 33,3 Prozent am vergangenen Sonntag blieben abermals viele Wähler der Abstimmung fern. Die Beteiligung lag am Sonntagnachmittag in einem Zwischenstand bei lediglich 27,9 Prozent, wie das Innenministerium berichtete. Das war nur gut ein Punkt mehr als vor einer Woche.

Die Regionalwahlen gelten als Stimmungstest für die Präsidentenwahl in zehn Monaten. Als aussichtsreiche Kandidaten dafür gelten Staatschef Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Ihre Lager mussten vor einer Woche jedoch eine schwere Schlappe einstecken. Bei den Regionalwahlen- und Départementswahlen geht es unter anderem um die Besetzung der Regionalräte.

Die bürgerliche Rechte und die Sozialisten halten bisher die meisten Regionen. Die Partei LREM von Präsident Macron schaffte es nicht, sich in den Regionen zu verankern - sie hat keine Chance, einen Regionalpräsidenten zu stellen.

„Letztlich braucht ihn keiner“, kommentierte die Tageszeitung „Le Figaro“ mit Blick auf den 43-Jährigen, der seit 2017 im Élyséepalast regiert. Macron war damals mit dem Anspruch angetreten, das traditionelle Links-Rechts-Schema in Frankreich zu durchbrechen. Die bürgerliche Rechte sucht immer noch nach einer Kandidatin oder einem Kandidaten für 2022 - bei den Regionalwahlen könnten dafür Weichen gestellt werden.

Frankreichs Regionen haben etwa in den Bereichen öffentlicher Verkehr, Bildung und Wirtschaftsförderung wichtige Kompetenzen. Im zentralistisch organisierten Nachbarland ist ihr Einfluss verglichen mit den deutschen Bundesländern aber begrenzt. Wegen der Corona-Pandemie waren die Wahlen um drei Monate verschoben worden.

© dpa-infocom, dpa:210627-99-160055/7

Innenministerium zu Wahlen (Frz.)

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Erstellt:
27. Juni 2021, 21:01 Uhr
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