Azim Savur, Ralf Bergmann und Sabine Koscielniak sind – neben Silke Nauenburg – im Nienburger Rathaus die Hauptansprechpartner in Sachen Geflüchtete. Hagebölling

Azim Savur, Ralf Bergmann und Sabine Koscielniak sind – neben Silke Nauenburg – im Nienburger Rathaus die Hauptansprechpartner in Sachen Geflüchtete. Hagebölling

Nienburg 23.12.2017 Von Edda Hagebölling

„Man findet immer eine Lösung“

Was Nienburgs Geflüchteten zurzeit Sorgen bereitet: Azim Savur, Ralf Bergmann und Sabine Koscielniak im HamS-Gespräch

„Man findet immer eine Lösung.“ Obwohl Azim Savur mehr als genug zu tun hat, behält er die Ruhe. Der Nienburger mit kurdischen Wurzeln ist im Nienburger Rathaus Ansprechpartner für all die Frauen, Männer und Kinder, die auf ihrer Flucht vor Krieg und Armut in Nienburg gelandet sind. Aktuell leben 268 Geflüchtete in der Stadt, einen Flüchtlingshintergrund haben insgesamt 1115 Menschen. Azim Savur leitet im Rathaus die sogenannte Flüchtlingssprechstunde. Anzutreffen ist er außerdem im [DATENBANK=4288]Stadtkontor[/DATENBANK]. Dorthin kommen alle, die sich in der Stadt an- oder ummelden müssen. Zusammen mit Sabine Koscielniak, der Leiterin des für die Geflüchteten zuständigen Sachgebiets Soziales und Sport, und Ralf Bergmann, für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig, erläutert Azim Savur, was den Menschen auf den Nägeln brennt, die ins Rathaus kommen, weil sie Hilfe benötigen.

Nach wie vor aktuell ist das Thema Wohnraum. Weil in diesem Jahr viele Babys geboren sind, reicht die alte Wohnung häufig nicht mehr aus. „Eine größere Wohnung zu finden, ist jedoch nicht so das Problem, Mangelware sind eher die kleinen, bezahlbaren Wohnungen“, so Ralf Bergmann. Da die Polizeiakademie, wie berichtet, demnächst auch die Nordertorschule nutzen und damit noch mehr Studierende unterrichten wird, wird sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter verschärfen.

Hauptansprechpartner, wenn es um Wohnraum für Geflüchtete geht, ist für die Stadt nach wie vor die [DATENBANK=445]GBN[/DATENBANK]. Doch es gibt in Nienburg auch zahlreiche Privatpersonen, die ihre Wohnungen an Geflüchtete vermieten. Und immer mehr sind bereit, die Mietverträge umzuwandeln. Trat ursprünglich die Stadt als Mieterin auf, gehen nach und nach immer mehr Mietverträge direkt auf die Geflüchteten über.

Azim Savur hat es dagegen in der offenen Sprechtstunde mittlerweile mehr mit Ratsuchenden zu tun, die ihre Kinder in der Kita oder Schule anmelden möchten. Oder sie haben Elternbriefe oder Post bekommen, die sie sich vorsichtshalber von ihm erklären lassen möchten.

Was Savur aber auch feststellt: die Probleme haben eher die Eltern. „Wenn die Kinder erst die Kita oder die Schule besuchen, lernen sie ganz schnell, sich zu verständigen oder die Gewohnheiten der anderen Kinder anzunehmen. Im Gegenzug lernen die Eltern von ihren Kindern.“

Probleme, einen Platz in einem Sprachkurs zu bekommen, gibt es zurzeit nicht. „Das Angebot ist ausreichend“, so [DATENBANK=3412]Sabine Koscielniak[/DATENBANK]. Dass die Sprache der Schlüssel zu einem Leben in Deutschland ist, haben alle längst erkannt. „Dank der Begegnungs-Cafés kommen mittlerweile alle ganz gut zureht“, so die Fachdienstleiterin weiter.

Immer mehr Geflüchtete machen sich mittlerweile jedoch Gedanken darum, ob ihre Ausbildung oder ihr Studium in Deutschland anerkannt werden. Und, welche Ausbildung für sie infrage kommt.

„Wir können immer wieder nur davor warnen, die nächstbeste bezahlte Arbeit aufzunehmen“, ergänzt [DATENBANK=6506]Ralf Bergmann.[/DATENBANK] Wie auch Sabine Koscielniak und Azim Savur rät er dringend, zunächst eine Ausbildung zu absolvieren.

Eine Thema, mit dem die drei sehr zu ihrem Bedauern aber auch immer wieder konfrontiert werden, ist die häusliche Gewält. „Darum werden wir uns als nächstes kümmern müssen“, so die Fachdienstleiterin.

Ein weiteres großes Thema ist der – zurzeit ausgesetzte – Familiennachzug. Natürlich möchten die in Nienburg lebenden Geflüchteten, dass auch ihre Angehörigen nach Nienburg kommen dürfen. In den allermeisten Fällen ist genau bekannt, in welchem Flüchtlingslager die Frauen und Kinder festsitzen.

„Auf dem Wohnungsmarkt würde es dann natürlich wieder spannend. Doch im Moment ist alles noch Spekulation“, so Ralf Bergmann.

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Erstellt:
23. Dezember 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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