Solche Masken lassen sich aktuell häufiger auf Wegen finden. Nutzbar sind die dann meistens nicht mehr. Foto: Fernando/AdobeStock

Solche Masken lassen sich aktuell häufiger auf Wegen finden. Nutzbar sind die dann meistens nicht mehr. Foto: Fernando/AdobeStock

Landkreis 28.02.2021 Von Nikias Schmidetzki

Maske, einsam, verloren, sucht

Guten Tag – ein Kommentar

Abhängig von der jeweiligen Saison lassen sich auf Gehwegen und Straßen ja allerhand wichtige Dinge finden, die irgendjemand verloren hat und im schlimmsten Fall nun verzweifelt sucht, vielleicht aber auch gar nicht weiß, das sie oder er da etwas vermissen sollte.

In der kalten Jahreszeit tauchen gerne mal einzelne Handschuhe auf, mitunter in sonderbar anmutenden Posen. Sogar halbe Schuhpaare stehen manchmal irgendwo rum und lassen die Frage offen, wie die Trägerin oder der Träger den Rest des Weges hinter sich gebracht hat. An einem Fuß nur besockt? Auf einem Bein hüpfend?

Seit einiger Zeit, das ist der eigentliche Trend, sind immer häufiger Mund-Nasen-Schutze zu finden, zunächst Alltagsmasken, mittlerweile auch aus aktuellem Anlass OP- und FFP2-Masken. Die sind in der Regel nicht mehr schön anzusehen, und aufsetzen möchte die vermutlich niemand mehr, wenn bereits drei Autos, ein Lastwagen und zwei Fahrräder drüber weggebügelt sind.

Was nun tun, wenn klar ist, wem das gute Stück gehört? Vielleicht, weil der Verlust nur Sekunden zurückliegt und unmittelbar bezeugt werden kann. Aufheben? Keine gute Idee. Soll ja nicht mit den eigenen Keimen kontaminiert werden. Außerdem weiß ja keiner, welche Viren es sich da schon so drin gemütlich gemacht haben. Also gegen mögliche Windböen abschirmen, rufen und winken? Ignorieren und liegenlassen?

Und jetzt muss es mir selbst passiert sein – auf dem Weg vom Rathaus zum Auto. Nachdem ich das Gebäude verlassen hatte, war die Maske noch in meinem Besitz. Ich hatte sie schließlich mitten im Gesicht. Draußen habe ich sie abgesetzt. Und im Auto wollte ich sie zur Seite legen. Da waren aber nur noch Schreibblock, Unterlagen und Stifte da. Keine Maske. Ich hätte den Weg noch einmal gehen können. Es war nicht viel los an jenem lauen Mittwochabend. Wahrscheinlich hätte ich sie wiedergefunden.

Doch ich habe mich dagegen entschieden. Das war keine Glanzleistung. Und ein bisschen habe ich mich dafür geschämt. Nun liegt diese kleine Maske vermutlich irgendwo zwischen Rathaus und Meerbachbrücke. Ganz alleine und bestimmt schon nicht mehr schön. Wer also eine OP-Einmal-Maske findet, von außen hellblau und mit leichten Gebrauchsspuren: Es könnt meine sein, von der ich mich aber ohnehin schon sehr bald getrennt hätte. Ich möchte sie nicht zurück, und wenn sich jemand traut, sie zu entsorgen, wäre das ein freundlicher Akt der Menschlichkeit – und der Umweltfreundlichkeit obendrein. Danke dafür im Voraus.

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Erstellt:
28. Februar 2021, 06:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 15sec

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