Detlef Ahnefeld, Geschäftsbereichsleiter Bildung und Arbeit bei der Lebenshilfe Nienburg, sagt, dass eine gute Näherin bis zu zehn Masken in der Stunde anfertigen kann. Foto: Lebenshilfe

Detlef Ahnefeld, Geschäftsbereichsleiter Bildung und Arbeit bei der Lebenshilfe Nienburg, sagt, dass eine gute Näherin bis zu zehn Masken in der Stunde anfertigen kann. Foto: Lebenshilfe

Nienburg 24.04.2020 Von Die Harke

Masken aus dem Homeoffice

25 Mitarbeiter der Lebenshilfe Nienburg stellen zuhause Behelfsmasken her

In Niedersachsen gibt es ab Montag eine Maskenpflicht. Professionell gefertigte Atemschutz-Masken sind aber noch immer nicht überall zu bekommen. Die Lebenshilfe Nienburg reagiert auf die steigende Nachfrage: Mitarbeitende produzieren Mund-Nasen-Schutz im Homeoffice. Wie andere Unternehmen musste die Lebenshilfe Nienburg nach eigenen Angaben viele Mitarbeitende in Kurzarbeit schicken. Andere können von Zuhause arbeiten.

Doch Homeoffice muss nicht gleichbedeutend mit Arbeit am Computer sein. Detlef Ahnefeld, Geschäftsbereichsleiter Bildung und Arbeit bei der Lebenshilfe: „Mundschutz wird gebraucht, man kann kaum Mundschutz kaufen. Also machen wir ihn selber.“

Denn: Zu den Werkstätten der Lebenshilfe Nienburg gehört auch eine Näherei. Üblicherweise arbeiten dort Menschen mit Behinderungen, angeleitet und unterstützt von Profis. Ahnefeld: „Die Werkstätten mussten wir wegen der Corona-Krise schließen, aber das professionelle Know-how ist uns geblieben.“

25 Mitarbeitende nähten Behelfs-Mund-Nasen-Schutz

25 Mitarbeitende waren bereit, nach Vorgaben von Schneidermeisterin Sabine Bosch im Homeoffice sogenannten Behelfs-Mund-Nasen-Schutz zu fertigen. Die Masken sind mit Gummizug und Metallbügel versehen und lassen sich nach den Worten von Detlef Ahnefeld bei 75 Grad im Kochtopf problemlos sterilisieren.

Die Produktion läuft zwar erst seit wenigen Tagen, hat sich aber schon eingespielt, sagt Detlef Ahnefeld: „Eine gute Näherin schafft acht bis zehn Masken in der Stunde.“ Nutznießer sind zunächst die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, beispielsweise die Teams der Kita-Notgruppen oder das Personal der Wohneinrichtungen. Die Kreisverwaltung bekommt 500 Masken. Großunternehmen aus der Region haben den Mund-Nasen-Schutz ebenfalls geordert.

Logistik und Betretungsverbot sind Herausforderungen

Dass die Behelfsmasken wegen des noch mindestens bis 6. Mai geltenden Betretungsverbots der Werkstätten zuhause genäht werden müssen, ist nur ein Teil der Herausforderung, der sich der Sozialdienstleister in Sachen Maskenproduktion stellt. Der andere ist die Logistik: Das Rohmaterial wird bedarfsgerecht am freien Markt gekauft. Da soziale Kontakte vermieden werden sollen, holt sich jede Näherinnen einzeln und nach Absprache ihre benötigten Materialien und liefert gleichzeitig fertige Masken ab. Die werden dann gesammelt und ausgeliefert. Dieses vergleichsweise aufwendige Verfahren ist auch der Grund, warum nach den Worten des Geschäftsbereichsleiters derzeit nur Bestellungen ab 100 Masken angenommen werden können.

Dass die Lebenshilfe Nienburg mit ihrer Masken-Produktion einen Beitrag dazu leistet, den wachsenden Bedarf an Mund-Nasen-Schutz zu decken, freut zwar den Geschäftsbereichsleiter. Doch es gebe einen erheblichen Wermutstropfen: „Es fällt uns wirklich schwer, dass die Menschen mit Behinderungen, für und mit denen wir normalerweise arbeiten, hierbei komplett ausgeklammert sind. Viele fragen mich immer wieder, wann sie denn endlich wieder arbeiten können. Aber es geht nicht. Wir dürfen es nicht.“

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Erstellt:
24. April 2020, 17:20 Uhr
Lesedauer:
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