Friedrich Könemann (links), Hermann Morische. Das Bild zeigt einen Rest des kanalisierten Flusslaufs, der jetzt als Stillwasserzone für
Fischbrut geeignet ist. Rechts zweigt der neue Lauf des Meerbachs ab.  Kreisverband für Wasserwirtschat

Friedrich Könemann (links), Hermann Morische. Das Bild zeigt einen Rest des kanalisierten Flusslaufs, der jetzt als Stillwasserzone für Fischbrut geeignet ist. Rechts zweigt der neue Lauf des Meerbachs ab. Kreisverband für Wasserwirtschat

Nienburg 10.07.2019 Von Die Harke

Meerbach fließt scheinbar natürlicher

Neuer Verlauf von Experten komplett durchgestylt – Fazit nach Umbau vor zwei Jahren: Renaturierung geglückt

Vor zwei Jahren ist der Meerbach südlich von Nienburg auf einer Länge von 300 Metern renaturiert worden. Jetzt ist das Gewässer nicht wiederzuerkennen. Plattbäuche, Mosaikjungfern und Pechlibellen schießen über das Wasser. In den flachen, besonnten und vor der Strömung geschützten Uferbereichen tummeln sich kleine Fische. Zig verschiedene Gräser und Wildkräuter blühen. Totholzstämme liegen im Fluss und sind offensichtlich bei Insekten wie Pflanzen gleichermaßen begehrt. Und um die Idylle abzurunden, stakst ein Storch am Ufer entlang. Beobachter glauben, in einem Stück Natur zu stehen, das vor 50 Jahren, als der Fluss begradigt und kanalisiert wurde, vergessen wurde.

Tatsächlich ist die scheinbare Natur komplett durchgestylt: „Die Mäander des neuen Verlaufs, die Gewässersohle, die Böschungsneigungen, selbst das Totholz – alles wurde von Hydrologen und Biologen berechnet“, sagt Hermann Morische, Abteilungsleiter Gewässerunterhaltung beim Kreisverband für Wasserwirtschaft. Der Kreisverband hatte die Renaturierung seinerzeit im Auftrag des Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverbands Meerbach und Führse beantragt, koordiniert und fachlich begleitet. „Man kann so eine Renaturierung nicht nach Schema ,F‘ durchziehen“, erklärt der Fachmann. „Jedes Gewässer ist anders, ist Lebensraum für andere Arten. Wir haben versucht, dem natürlichen Ursprung möglichst nahe zu kommen.“

Dass das auf den rund 300 Metern südlich von Nienburg so offensichtlich gut geklappt hat, hat mehrere Gründe. Friedrich Könemann, Vorsteher des Unterhaltungsverbandes: „Durch den Bau des Südrings waren neue Flächenzuschnitte nötig. Dadurch, und weil die Landwirte ausgesprochen kooperativ waren, hatten wir Platz, um eben eine echte Neugestaltung des Flusslaufs zu ermöglichen.“ Hermann Morische lobt in diesem Zusammenhang die nach seinen Worten außerordentlich gute Zusammenarbeit mit dem Sulinger Amt für regionale Landesentwicklung (ArL), dem Landkreis und der Stadt Nienburg. „Alle haben an einem Strang gezogen“, sagt auch Friedrich Könemann. Außerdem entscheidend: EU-Mittel, mit denen der größte Teil des Vorhabens finanziert wurde.

Der „neue“ Meerbach-Abschnitt hat aber neben der ökologischen Komponente noch einen weiteren Vorteil: Er verbessert den Hochwasserschutz. Denn: In einem kanalisierten Flussbett fließt das Wasser schnell ab. Es kann auch nirgendwo anders hin. Wenn aber das „Zielgewässer“ – im Falle des Meerbachs also die Weser – bereits Hochwasser führt, wird’s kritisch: Das Wasser kann nicht mehr abfließen, es gibt einen Rückstau, und irgendwann setzt der Fluss Felder oder Keller unter Wasser. Im renaturierten Bereich kann der Meerbach über die Ufer treten, ohne Schaden anzurichten. Das senkt die Wahrscheinlichkeit von Hochwässern in bebauten oder bewirtschafteten Abschnitten.

Wenn es nach dem Unterhaltungsverband und dem Kreisverband für Wasserwirtschaft ginge, könnten Richtung Steinhuder Meer noch weitere Abschnitte des Flüsschens renaturiert werden. „Das“, so Hermann Morische, „ist aber eine Frage des Geldes, der verfügbaren Flächen und der personellen Ressourcen.“

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Erstellt:
10. Juli 2019, 14:39 Uhr
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