Bis 2030 sollen viele Nadelwälder mit weiteren Baumarten gemischt werden. Das Krähenmoor hat landesweite Bedeutung und soll zusammen mit Partnern in den kommenden Jahren renaturiert werden. Foto: Landesforsten/Städing

Bis 2030 sollen viele Nadelwälder mit weiteren Baumarten gemischt werden. Das Krähenmoor hat landesweite Bedeutung und soll zusammen mit Partnern in den kommenden Jahren renaturiert werden. Foto: Landesforsten/Städing

Landkreis 07.11.2020 Von Die Harke

Mehr Baumartenvielfalt, mehr Holzertrag

Försterinnen und Förster im Forstamt Nienburg haben in den nächsten Jahren anspruchsvolles Arbeitsprogramm zu bewältigen

Ein anspruchsvolles Arbeitsprogramm haben die fünf Waldinventur-Experten der Niedersächsischen Landesforsten, die seit einem Jahr jeden Waldbestand im Forstamt Nienburg abgelaufen haben, den örtlichen Försterinnen und Förstern für die Zukunft aufgegeben. Das Gesamtergebnis der alle zehn Jahre stattfindenden Erhebung wurde jetzt den Beteiligten vorgestellt.

Der Präsident der Landesforsten, Dr. Klaus Merker, bedankte sich bei allen Forstamtsmitarbeitern für die im zurückliegenden Jahrzehnt geleistete Arbeit. „Der gute Pflegezustand der Wälder und die vielen Ansätze, den Wald noch vielfältiger zu gestalten, sind ein deutlich sichtbares Ergebnis des Engagements aller Mitarbeiter.“

Engagierten Einsatz erfordern auch die vorgestellten Planungen für die kommenden Jahre. Der Waldumbau hin zu naturnahen Mischwäldern soll weiter vorangetrieben werden. Dafür ist die Zeit günstig, denn die Hälfte der Nienburger Wälder ist aus Wiederaufforstungen nach dem Krieg und nach dem Jahrhundertsturm von 1972 hervorgegangen und wird jetzt erntereif.

„Drei Förstergenerationen haben diese Wälder aufgebaut und gepflegt, jetzt kommt der Übergang zur Nutzung und dem damit verbundenen Waldumbau“, fasst Forstamtsleiter Henning Schmidtke die Situation zusammen. So kann in den Wäldern in den nächsten Jahren nachhaltig ein Zehntel mehr Holz genutzt werden. Der geplante Waldumbau wird den Anteil der Nadelbaumarten Kiefer und Lärche deutlich reduzieren. Eine Verminderung ist auch bei den Fichten von sechs Prozent auf vier Prozent geplant.

„Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich die Schäden durch Sturm und Borkenkäfer fortsetzen und die Fichten noch weiter dezimieren“, zeigt sich Henning Schmidtke besorgt. Deutlich zunehmen soll hingegen die Beimischung der Douglasie und der Buche, sodass nach der Planung in zehn Jahren der Laubbaumanteil in den Wäldern um 500 Hektar auf dann vierzig Prozent steigen wird.

„Die Wälder im Forstamt Nienburg werden künftig noch bunter, denn das Ziel ist mehr Mischung zu schaffen“, so Schmidtke, der mit seinen Försterkollegen viele Verfahren zur Entwicklung von Mischwald erprobt. Ein Ziel, welches in den sogenannten Erdmann-Wäldern, die sich auf 2000 Hektar zwischen Sulingen und Asendorf erstrecken, bereits erreicht ist. Die Experten bescheinigten diesen Wäldern, die unter letzten Dürre- und Sturmjahren kaum gelitten haben, eine „innige Mischung von Baumarten mit einem hohen Anteil von Tannen“.

Im Naturschutz werden vor allem die Renaturierung der großen Moorflächen in der Krähe und in Rehburg zusammen mit Partnern einen deutlichen Arbeitsschwerpunkt bilden.

Struktur

Das Forstamt Nienburg reicht von Bassum bis Hoya im Norden und von Diepholz bis Rehburg im Süden. Es umfasst die neun Forstreviere Rehburg, Leese, Uchte, Nienburg, Grinderwald, Krähe, Harbergen, Memsen und Erdmannshausen. Dazu in Schwaförden das Waldpädagogikzentrum Hahnhorst und die Ausbildungswerkstatt für die Forstwirtausbildung mit über 40 Mitarbeitern. Hinzu kommt ein Forstmaschinenstützpunkt mit neun landeseigenen Forstspezialmaschinen, die im Schichtdienst von knapp zwanzig Mitarbeitern niedersachsenweit eingesetzt werden. Sieben Forstreviere betreuen die 11000 Hektar landeseigenen Wald und zwei Reviere kümmern sich ausschließlich um die Beratung und Betreuung von Genossenschafts- und Kommunalwald.

Zusammensetzung

Auf den durch Sandböden mit unterschiedlicher Nährstoff- und Wasserversorgung geprägten Waldstandorten kommen über dreißig verschiedene Baumarten vor. Laubbäume, vor allem Eichen und Buchen sind auf 36 Prozent und Nadelbäume mit 64 Prozent, davon über die Hälfte Kiefern, in den Wäldern vertreten.

Gemeinwohl

415 Hektar - Natürliche Waldentwicklung (ohne Eingriffe)

770 Hektar – Naturschutzgebiete

1800 Hektar - Wasserschutz

84 Prozent der Wälder sind als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen.

Nutzung

Die jährliche Holznutzungsplanung steigt von bisher 54000 Kubikmetern auf künftig 60000 Kubikmeter nachhaltig nutzbarer Holzmenge. Das sind lediglich 82 Prozent der im gleichen Zeitraum zuwachsenden Holzmenge.

Waldumbau

In den letzten zehn Jahren wurde auf sieben Prozent der Waldfläche durch Pflanzung, Saat und natürliche Ansamung (Naturverjüngung) die nächste Waldgeneration etabliert. Schwerpunkt-Baumarten waren Eichen, Buchen, Tannen und Douglasien. Für die nächsten zehn Jahre ist für weitere 14 Prozent der Wälder Nachwuchs durch Saat und Pflanzung sowie Naturverjüngung vorgesehen.

Jagd und Wild

Im Forstamt kommen Rehwild, Damwild und etwas Rotwild vor. Zur Vermeidung von Wildverbiss am Baumnachwuchs sind die Wildpopulationen durch Bejagung auf einem waldverträglichen Niveau zu halten. Dies ist im Forstamt gelungen, so stellten die Gutachter kaum Verbiss-, Fege- oder Schälschäden fest. Ziel der Niedersächsischen Landesforsten im Rahmen ihres Langfristigen Ökologischen Waldentwicklungskonzeptes (LÖWE) ist es, alle Baumarten außer der Eiche ohne Zaunschutz pflanzen zu können oder durch Naturverjüngung zu vermehren.

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Erstellt:
7. November 2020, 19:33 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 09sec

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