Die Arbeitslosenquoten im Vergleich zum Vorjahr. Foto: Arbeitsagentur

Die Arbeitslosenquoten im Vergleich zum Vorjahr. Foto: Arbeitsagentur

Landkreis 03.06.2020 Von Die Harke

Mehr als 1.000 Betriebe in Kurzarbeit

Arbeitslosenzahlen für den Landkreis Nienburg im Mai: 9,2 Prozent mehr Arbeitslose als im April

„Im April waren die ersten Auswirkungen der Corona-Pandemie auf dem regionalen Arbeitsmarkt sichtlich spürbar. Diese Entwicklung hat sich mit einem erneuten Anstieg der Arbeitslosenzahlen im aktuellen Berichtsmonat Mai fortgesetzt“, heißt es in einer Mitteilung der Arbeitsagentur. Der sonst im Mai üblicherweise saisonal bedingte Rückgang der Arbeitslosigkeit sei in diesem Jahr aufgrund der wirtschaftlichen Eintrübung durch die Pandemie ausgeblieben.

Die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Agentur für Arbeit Nienburg-Verden ist um 793 oder 6,6 Prozent auf nun 12.837 Männer und Frauen angestiegen. Die Arbeitslosenquote fällt mit einem Wert von 4,8 Prozent um 0,2 Prozentpunkte höher aus als im April. Vor einem Jahr lag die Quote noch bei 4,1 Prozent.

Arbeitslosigkeit im Mai weiter angestiegen

„Nach dem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im April sind auch im Mai die Arbeitslosenzahlen aufgrund der Corona-Pandemie weiter angestiegen, wenn auch nicht so signifikant wie noch im vergangenen Monat“, erklärt Christoph Tietje, Leiter der Agentur für Arbeit Nienburg-Verden. „Insbesondere die Zunahme an arbeitslosen Personen um 19,9 Prozent zum Vorjahr ist erheblich“, ergänzt Tietje. Diese würde vor allem im Rückgang der Abmeldungen aus der Arbeitslosigkeit liegen: Im Mai konnten 1662 Männer und Frauen ihre Erwerbslosigkeit beenden. Vor einem Jahr lag dieser Wert um 40,5 Prozent höher (2795 Personen). „Der starke Rückgang der Beschäftigungsmöglichkeiten, der sich auch im geringeren Zugang an neuen Arbeitsstellen im Vergleich zum Vorjahr zeigt, erschwert ebenfalls die Integration auf den Arbeitsmarkt“, so der Agenturchef. Meldeten die Arbeitgeber im Mai des Jahres 655 neue Stellen zur Besetzung, so fiel dieser Wert vor einem Jahr mit 911 Arbeitsstellen um 28,1 Prozent höher aus.

Weiterhin versuchen viele Betriebe im Agenturbezirk, Entlassungen zu vermeiden und meldeten Kurzarbeit an, um Arbeitsausfälle wegen der sinkenden Nachfrage ausgleichen zu können. Nachdem im April (Stand 26. April) die Zahl der kurzarbeitenden Betriebe bei 3845 lag, so stieg dieser Wert bis zum 27. Mai um 258 auf nun insgesamt 4297.

Aktuell sind im Bezirk der Agentur für Arbeit Nienburg-Verden rund 55.700 Personen von Kurzarbeit betroffen. Die von Kurzarbeit am stärksten betroffenen Bereiche sind weiterhin das produzierende Gewerbe, der Handel und der Hotel- und Gaststättenbereich. Wie viele Personen tatsächlich in Kurzarbeit waren, lasse sich erst mit einem Zeitverzug von drei Monaten sagen, da die Unternehmen drei Monate lang Zeit haben, die Abrechnung der Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit einzureichen.

Die Unterbeschäftigung, die zusätzlich zu den Arbeitslosen auch Personen erfasst, die Arbeit suchen, aber beispielsweise gerade an (Qualifizierungs-)Maßnahmen teilnehmen oder erkrankt sind und deshalb nicht als arbeitslos gezählt werden, lag im Mai bei 16.273 Personen. Das waren 3,7 Prozent oder 577 Männer und Frauen mehr als vor einem Monat. Als unterbeschäftigt gelten auch viele Flüchtlinge, die in Kursen Sprach- oder Berufskenntnisse erwerben, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Auswirkungen der Corona-Pandemie spürbar

Auch im Landkreis Nienburg sind weiterhin Auswirkungen der Corona-Pandemie spürbar: Im Berichtsmonat waren 3763 Personen von Arbeitslosigkeit betroffen, 4,7 Prozent oder 170 Männer und Frauen mehr als im April. Vor einem Jahr waren 649 Personen oder 20,8 Prozent weniger arbeitslos.

Weniger Beschäftigungsmöglichkeiten führen im Landkreis Nienburg zu geringeren Abmeldungen aus der Arbeitslosigkeit als saisonal üblich. Im Mai konnten 498 Männer und Frauen die Erwerbslosigkeit beenden, vor einem Jahr waren es hingegen 407 Personen mehr.

Der erneute Anstieg der Arbeitslosenzahlen wirke sich auch auf die Arbeitslosenquote aus. Lag diese im April bei 5,4 Prozent, so stieg sie im Mai um 0,2 Prozentpunkte auf nun 5,6 Prozent. Im Mai des Vorjahres wurde ein Wert von 4,6 Prozent erreicht.

Bei den Arbeitsagenturen in Nienburg, Stolzenau und den Gemeinden Hoya und Eystrup, dem Bereich der Arbeitslosenversicherung, sei der Bestand an Erwerbslosen ebenfalls gestiegen. Im Mai waren 1666 Personen arbeitslos, ein Anstieg um 9,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Vorjahresvergleich ist dies ein Anstieg um 525 Personen. Bei dem für die steuerfinanzierte Grundsicherung verantwortlichen Jobcenter lag die Zahl an Erwerbslosen im Berichtsmonat mit 2097 Personen nur leicht über dem Vormonatswert. Verglichen mit den Vorjahreswerten ist aber auch hier ein klarerer Anstieg um 6,3 Prozent zu erkennen.

Im Berichtsmonat wurden im Kreis Nienburg 204 neue Stellen zur Besetzung gemeldet. Dieser Wert liegt mit 17,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Anzeigen zur Kurzarbeit sind im Landkreis Nienburg ebenfalls angestiegen. Bis zum 27. Mai haben 1.048 Betriebe Kurzarbeit angezeigt, 67 mehr als im vorangegangenen Bericht. Bis zu maximal 13.300 Personen könnten davon tatsächlich betroffen sein, wobei die konkrete Anzahl sich erst mit einem Zeitverzug von drei Monaten sagen lässt. Unternehmen haben drei Monate lang Zeit, die Abrechnung der Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit einzureichen.

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Erstellt:
3. Juni 2020, 17:35 Uhr
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