„Meine Liebe zur Kunst treibt mich an“

„Meine Liebe zur Kunst treibt mich an“

Der Künstler Rudolf Seibeb aus Namibia. Foto: WILLEM VREY

Heute ist der „Tag der Pressefreiheit“. Und heute jährt sich zum 30. Mal die Erklärung von Windhoek (Namibia), einer 1991 von afrikanischen Journalisten ausgearbeiteten Grundsatzerklärung mit der Forderung nach freien, unabhängigen Medien auf dem afrikanischen Kontinent und in aller Welt -und einer der Ursprünge für den von der UNESCO ausgerufenen „Press Freedom Day“.

In Erinnerung an dieses Ereignis hat der namibische Künstler Rudolf Seibeb aus Okahandja nahe Windhoek ein außerordentliches Motiv eigens für die deutschen Zeitungen geschaffen. Wir stellen ihn und seine Arbeit hier vor:

Herr Seibeb, wo arbeiten Sie an Ihren Kunstwerken?

Hier in Okahandja. Hier bin ich geboren und aufgewachsen. Und erst vor Kurzem habe ich hier auch mein Studio – aus verwittertem Wellblech – selbst errichtet. Es liegt in der Ortsmitte am Holzmarkt. Die Räume sollen als Studio, als Galerie und auch für Workshops genutzt werden. Sobald die Finanzierung steht, werde ich das neue Haus bunt anstreichen, damit es schon von Weitemals ein Raum für die Künste gut zu sehen ist. Es soll ein Ort der Begegnung werden für Besucher und für die Kinder, die ich unterrichte.

Vor einigen Wochen hat die größte Zeitung Namibias, „The Namibian“, Sie porträtiert. Da stand, Sie hätten schon als Kind mit Wäscheklammern kleine Kunstwerke zusammengesetzt?

Das stimmt. Als Kind habe ich oft Objekte aus lose herumfliegendem Material gebaut und kleine Stühle und andere Möbel hergestellt oder Bilderrahmen dekoriert. So ging es los. Später folgte dann die formale Ausbildung am John Muafangejo Art Centre in Windhoek in Malerei, Zeichnen und Drucken.

Was inspiriert Sie zu Ihren Werken – gerade auch in dieser Zeit der Corona-Pandemie?

Die Covid-19-Pandemie hat mir vor Augen geführt, was es bedeutet und wie es sich anfühlt, eingesperrt zu sein. Wir mussten Masken tragen und haben es irgendwie alles hinbekommen. Das hat mich auch zu meiner Solo-Ausstellung „Hokverhale – Navigating a Lockdown“ inspiriert, die Mitte des vergangenen Jahres in der Galerie „The Project Room“ in Windhoek gezeigt wurde. Die Verkaufszahlen waren sehr zufriedenstellend.

Was bedeuten Meinungs-und Pressefreiheit und die Freiheit der Kunst für Sie persönlich?

Ich bin frei, und ich fühle mich gesegnet. Niemand schreibt mir vor, was ich zu tun und zu lassen habe. Was ich tue, tue ich aus meiner Liebe zur Kunst. Das treibt mich an.

Wie nehmen Sie Nachrichten wahr?

Meistens höre ich Nachrichten im Radio. Ich lese schon auch Zeitungen. Aber das Radio ist der wichtigste Nachrichtenkanal in Namibia.

Bitte erzählen Sie doch etwas zu Ihrem Titelmotiv. Ist das am hinteren Bildrand ein Mann, der winkt? Wem winkt er zu?

Ja, die Person winkt der Vergangenheit zu. Der Mann steht für Unterdrückung – und für den Frieden, der ihm letztlich widerfahren ist.

Und die Figuren im Vordergrund?

Sie stehen mit ihren vielfarbigen Gesichtern für junge Menschen aus aller Welt, die ihrer Zukunft mit Freude entgegenblicken. Sie haben Freiheit und Frieden erfahren und müssen nun die Botschaft des Friedens weitertragen. Und das werden sie tun.