Meinung des Tages: Neid kann auch positiv sein

Meinung des Tages: Neid kann auch positiv sein

Für viele Menschen steht jetzt bereits die dritte Impfung an. Foto: guerrieroale - stock.adobe.com

In der Corona-Pandemie haben die Leute Begriffe gelernt, von denen sie nie gedacht hätten, dass sie sie einmal so häufig hören würden. Inzidenz, Hospitalisierung und Booster-Impfung sind nur einige davon.

Im Hinblick auf den letzten Begriff, mit dem die Auffrischungsimpfung gemeint ist, taucht so allmählich auch schon wieder ein Wort auf, von dem ich vor der Pandemie gar nicht wusste, dass es das gibt: Impfneid. Der Impfneid beschreibt das Gefühl, dass viele in den ersten Monaten dieses Jahres beschlich, wenn ihnen jemand erzählte, dass er bereits zum ersten Mal geimpft sei und auch den zweiten Termin in Aussicht habe.

Mit Sicherheit ist nicht bei jeder Impfung streng nach der Priorisierung vorgegangen worden. Während manch junger, kerngesunder und nicht in einem sensiblen Beruf arbeitender Mensch bereits sehr früh seinen ersten Piks bekam, standen andere auf drei verschiedenen Wartelisten und fragten sich, ob sie in diesem Jahr überhaupt noch an die Reihe kommen würden. Wie wir inzwischen wissen, ist jeder, der wollte, drangekommen.

Noch keine 30 und zum dritten Mal geimpft?

Doch jetzt geht es in die nächste Runde. Die Booster-Impfungen stehen an. Und schon ist er wieder da, der Impfneid. Als ich vor Kurzem in kleiner Runde in einem Restaurant saß, kam die Bedienung zunächst zu unserem und dann zum Nebentisch, um die Impfausweise beziehungsweise die App zu kontrollieren. Am Nebentisch betonte ein junger Mann lautstark, dass er sogar bereits seinen dritten Piks bekommen habe. Und die Reaktion innerhalb unserer Runde kam prompt: „Warum ist der bitte schon zum dritten Mal geimpft? Der ist doch noch keine 30, und krank sieht der auch nicht aus“, wurde getuschelt.

Grundsätzlich ist Neid nichts Schönes. In diesem Fall aber könnte man ihm durchaus etwas Positives abgewinnen – schließlich drückt er die Bereitschaft aus, mit einer dritten Impfung nicht nur sich selbst, sondern auch die Gesellschaft so gut es geht vor dem Virus zu schützen.