Immer wieder ist im Alltag von „Projekten“ die Rede. Foto: sdecoret - stock.adobe.com

Immer wieder ist im Alltag von „Projekten“ die Rede. Foto: sdecoret - stock.adobe.com

Landkreis 07.10.2021 Von Jörn Graue

Meinung des Tages: Und welches ist Ihr „Projekt“?

Wenn bestimme Begriffe auffallend oft verwendet werden, sind Zweifel angebracht

Es gibt Begriffe, die offenbar in bestimmten Zeitabschnitten richtig Karriere machen. Immer wieder ist ein solches Wort dann zu hören, weil es womöglich besonders gut klingt oder vielen als treffende Bezeichnung für etwas gilt. Ich spreche hier von „Projekt“. Immer wieder ist davon im Alltag die Rede - ganz gleich, ob es sich um ein Bauprojekt, ein Förderprojekt oder eine Projektwoche in einer Schule handelt.

Es kommt nicht auf die Größe, sondern auf das Vorhaben an

„Plan, Entwurf, Vorhaben, Absicht, als Entwurf vorliegende oder im Entstehen begriffene Unternehmung, Bauvorhaben“ bietet das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache als Definition an. Das klingt nach einem grundsätzlich weit gefassten Begriffsverständnis. Vor diesem Hintergrund ist der viele Millionen Euro teure Neubau also ebenso ein Projekt wie beispielsweise das Anlegen eines Gemüsebeetes und die Aufzucht von Pflanzen im eigenen Garten.

Es kommt also nicht auf die schiere Größe, sondern auf den Inhalt – oder anders gesagt auf das „Vorhaben“ – an. Oder womöglich auch darauf, sich überhaupt etwas vorzunehmen bzw. vorzuhaben.

Neuartigkeit als Merkmal von Projekten: Da sind Zweifel angebracht

Seit Längerem werde ich den Verdacht nicht los, dass die Bezeichnung „Projekt“ auch immer einmal herhalten muss, weil man dem sprichwörtlichen Kind nun einfach einen Namen geben muss. Unter www.projekte-leicht-gemacht.de ist zu erfahren, dass eine fehlende Zielvorgabe einer der wichtigsten Gründe sei, weshalb Projekte scheitern würden. „Zeitliche Begrenzung“, „begrenzte Ressourcen“ sowie „Neuartigkeit“ sind Merkmale, an denen Projekte zu erkennen sind. Gerade bei Neuartigkeit habe ich mit Blick auf zum Beispiel das x-te Neubauprojekt von etwas so meine Zweifel.

Für einen reflektierten Umgang mit Sprache

Definitionen, die per se auch immer ein Stück weit angreifbar sind, einmal beiseite: Ich bin immer dafür, möglichst bewusst und reflektiert mit Sprache umzugehen. Nicht selten lohnt sich die Mühe, häufig verwendete Begriffe in ihrer Bedeutung zu hinterfragen.

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Erstellt:
7. Oktober 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 58sec

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