Kunst gegen das Nichterkennen: Ausschnitt des Bildes "Integration" (Öl auf Leinwand, 2014) von Serpil Heuhaus.

Kunst gegen das Nichterkennen: Ausschnitt des Bildes "Integration" (Öl auf Leinwand, 2014) von Serpil Heuhaus.

19.07.2015

Menschenkulturen und Menschenbilder

Serpil Neuhaus stellt aus

Nienburg. Die Kunst eröffne ihr einfach andere Blickwinkel, sagt Serpil Neuhaus, erweitere ihren Blick auf Menschenkulturen und Menschenbilder, die sich begegnen und mit einander kollidieren oder verschmelzen. Der künstlerische Blick mache es möglich, gleichzeitig distanziert und engagiert auf Begegnung und Abgrenzung zwischen Menschen verschiedener Herkunft zu schauen. Die Realität verschiedener Kulturen ist nicht nur ein Thema der Künstlerin, sie ist auch prägende Erfahrung des Menschen Serpil Neuhaus. 1947 als Serpil Shirin in Antalya geboren und als Neunzehnjährige nach einer Ausbildung zur Schneiderin mit einem von den Eltern erwählten Mann verheiratet, siedelte sie Ende der 1960er Jahre nach Detmold über, wo ihr Mann als Arbeitsmigrant tätig war. Schon bald befreite sie sich von der Enge der traditionellen Ehe und suchte ihren eigenen Weg.

Über Stationen als Näherin und Krankenschwester gelangte sie zur Kunst, holte in Bielefeld die Hochschulreife nach und studierte Kunstheilpädagogik und später Malerei und Grafik. Im Jahr 2000, inzwischen mit einem Deutschen verheiratet und Mutter von vier Kindern, eröffnete sie ihr eigenes kunstpädagogisches Atelier in Gütersloh. Die verschlungenen Wege der Migration und die Auseinandersetzung damit haben ihrer Kunst eine eigentümliche, besondere Kreativität verliehen. Staunend und begreifend nähere sie sich der interkulturellen Wirklichkeit, schrieb ein Kritiker über ihr Gemälde „Integration“. Serpil Neuhaus selbst beschreibt es so: „In meiner künstlerischen Arbeit geht es immer wieder um das Nichterkennen. Das Nicht-erkannt-werden ist das größte Problem in der Begegnung der Kulturen. Man wird vorrangig nicht als Mensch mit seinen individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten wahrgenommen, sondern als Anderer.“

Das mit dem kulturellen Hintergrund und den Lebenserfahrungen einer Migrantin zu sehen und künstlerisch auszudrücken, ist ein Grundmotiv der Arbeit von Serpil Neuhaus. So werden Kultur, Menschlichkeit, Vergangenheit, Gegenwart, Eigenart und Vielfalt den Betrachtenden eindringlich, ehrlich und ungeschönt vor Augen gehalten. Mit ihrer unmittelbaren, realistischen Malweise bekennt sich Serpil Neuhaus zu ihren Emotionen, zu ihrer Identität und zu ihrer sozialkritischen Weltsicht – so wie in dem Bild „Integration“.

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Erstellt:
19. Juli 2015, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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