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03.12.2020 Von Die Harke

Mietmarkt und Corona: Drohen Erhöhungen der Nebenkostenvorauszahlung?

Die Coronakrise hat das Leben auf den Kopf gestellt – von der Freizeitgestaltung bis hin zum Mietmarkt. Ein Großteil aller Arbeitnehmer hat das vergangene Jahr im Homeoffice verbracht. Dadurch sind in vielen Haushalten mehr Nebenkosten entstanden. Drohen deshalb im kommenden Jahr Erhöhungen der Betriebskostenvorauszahlung?

Hohe Nachzahlungen wegen Lockdown und Homeoffice

Viele Deutsche haben am Monatsende kaum finanzielle Rücklagen. Vor allem die Wohnkosten sind eine große finanzielle Belastung. Nicht nur die Kaltmiete, sondern auch die Nebenkosten, die wegen ihrer Höhe bereits seit einigen Jahren als „zweite Miete“ bezeichnet werden. Abgerechnet werden die einzelnen Posten der Betriebskosten einmal pro Jahr. Die meisten Mieter bezahlen eine monatliche Vorauszahlung, die in der Endabrechnung berücksichtigt wird. Haben man deutlich mehr verbraucht, drohen am Jahresende Nachzahlungen. Vermieter können in diesem Fall höhere Vorauszahlungen verlangen. Experten prognostizieren, dass die Coronakrise solche Erhöhungen zur Folge haben wird. Lockdown und Homeoffice gehen am Monatsverbrauch nicht spurlos vorbei. Auf den Großteil aller Mieter kommen daher hohe Nachzahlungen zu. Um künftig die Nebenkostenvorauszahlung anzuheben, müssen Vermieter trotzdem einiges beachten. In welchen Fällen sind Erhöhungen legitim?

Darauf kommt es bei Erhöhungen der Nebenkostenvorauszahlung an

Die Grundvoraussetzung für eine Erhöhung der Betriebskostenvorauszahlung ist die fristgemäße Nebenkostenabrechnung aus dem vergangenen Jahr. Haben sich der Verbrauch des Mieters, die Energiekosten oder die städtischen Gebühren der Abrechnung zufolge nachweislich erhöht? In diesem Fall sind höhere Vorauszahlungen gerechtfertigt. Vorauszahlungserhöhungen ohne vorherige Abrechnung sind dagegen fragwürdig. Dasselbe gilt für Erhöhungen ohne explizit genannten Grund. Mieter können in solchen Fällen Widerspruch einlegen. Das ist übrigens auch dann der Fall, wenn die Jahresabrechnung inhaltliche oder formale Fehler enthält. Deshalb stets die Posten nachprüfen, bevor man auf Forderungen nach höheren Vorauszahlungen reagiert.

Grundsatz der Wirtschaftlichkeit: Betriebskostenvorauszahlungen müssen sich am tatsächlichen Verbrauch des Mieters (Gesamtbetrag der Jahresabrechnung geteilt durch zwölf) orientieren. Verlangen Vermieter deutlich mehr, legen Verbraucher am besten Widerspruch ein.

Können Vermieter nachträglich die Betriebskosten erhöhen?

In Einzelfällen übersehen Vermieter bei der jährlichen Betriebskostenabrechnung eine Rechnung, die an sie gestellt wurde. Das kann beispielsweise Versorger-Rechnungen betreffen. Eventuell verlangen sie in der Betriebskostenabrechnung deshalb weniger, als der Mieter eigentlich verbraucht hat. Fallen Fehler wie diese später auf, dürfen Vermieter die Abrechnung anpassen. Das jedoch nur innerhalb von zwölf Monaten nach dem Abrechnungszeitraum. Nachträglich wirkende Erhöhungen der Nebenkostenvorauszahlung sind in diesen Fällen nicht möglich. Der erhöhte Betrag ist nach Verständigung des Mieters immer erst mit der nächsten Mietzahlung fällig.

Vorsorgliche Vorauszahlungserhöhung, gibt es das?

Unter bestimmten Umständen können Vermieter die Nebenkostenvorauszahlung vorsorglich erhöhen. Das heißt, dass hierbei als Grundlage keine Abrechnung vorliegen muss. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn sich die Personenzahl im Haushalt verändert – beispielsweise durch Familienzuwachs. Je mehr Personen in der Wohnung wohnen, desto höher der Verbrauch. Dies wird bei der Nebenkostenabrechnung nach Personenpunkten berücksichtigt. Sobald eine weitere Person in den Haushalt einzieht, kann der Mieter also höhere Vorauszahlungen verlangen. Auch hierbei gilt aber stets der Wirtschaftlichkeitsgrundsatz.

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Erstellt:
3. Dezember 2020, 09:35 Uhr
Lesedauer:
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