Als Modellstadt darf Nienburg auf eine wiederbelebte Innenstadt hoffen. Foto: modernmovie - stock.adobe.com

Als Modellstadt darf Nienburg auf eine wiederbelebte Innenstadt hoffen. Foto: modernmovie - stock.adobe.com

Nienburg 03.04.2021 Von Stefan Schwiersch, Von Die Harke

Ministerium bestätigt: Nienburg wird Corona-Modellstadt!

Die Stadt erfüllt die Voraussetzungen für kontrollierte und gezielte Öffnungen von Handel, Kultur und Außengastronomie

Mehr als 100 niedersächsische Kommunen hatten sich beworben, derer 14 können ab kommende Woche Modellprojekte zur Öffnung von Läden, Kultur und Außengastronomie starten – Nienburg ist dabei! Das teilte das Gesundheitsministerium am Karsamstag mit.

Die Anforderungen an solche Projekte sind hoch. Ein überzeugendes Testregime, eine einsatzfähige digitale Kontaktnachverfolgung und die Untersuchung der Infektionsentwicklung vor Ort sind die entscheidenden Kriterien. Angesichts der Pandemielage und den Risiken einer dritten Infektionswelle in Niedersachsen wurden zunächst nur Kommunen zugelassen, die im Wesentlichen eine Inzidenz von 100 nicht überschreiten.

Die Auswahl hat am Karsamstag das niedersächsische Sozial- und Gesundheitsministerium im Einvernehmen mit den kommunalen Spitzenverbänden getroffen. Die Städte Aurich, Achim, Braunschweig, Hansestadt Buxtehude, Cuxhaven, Einbeck, Emden, Hann. Münden, Hildesheim, Hansestadt Lüneburg, Nienburg, Norden und Oldenburg sowie die Samtgemeinde Elbtalaue können nun sichere Zonen einrichten, um für Bürgerinnen und Bürger zum Beispiel Einzelhandelsgeschäfte, die Außenbereiche von Restaurants und Cafés, Fitnessstudios, Kinos, Theater oder Galerien öffnen zu lassen. Der Zutritt zu einer sicheren Zone ist möglich, wenn ein negativer Corona-Test vorliegt und die von der Kommune vorgegebene App zur Kontaktnachverfolgung genutzt wird.

Wir wollen einem neuen System mit Testen, Besucherlenkung und AHA-Regeln eine Chance geben. Wir brauchen Perspektiven.

Stephan Weil, Ministerpräsident

Ministerpräsident Stephan Weil: „Niedersachsen geht sehr umsichtig vor in der aktuell schwierigen Situation. Wir bleiben vorsichtig. Aber wir wollen einem neuen System mit Testen, Besucherlenkung und AHA-Regeln eine Chance geben. Wir brauchen Perspektiven.“

„Ich freue mich über die große Anzahl an Städten und Gemeinden, die sich für das Modellprojekt interessiert haben“, sagt Daniela Behrens. „Alle Kommunen haben sich viele Gedanken zur Teststrategie vor Ort gemacht. Nicht alle konnten schon die Hürde der digitalen Kontaktnachverfolgung nehmen.“

Die Ergebnisse der Modellprojekte sollen den Weg weisen für sichere Zonen in ganz Niedersachsen. „Denn mit den Projekten untersuchen wir, wie die Öffnung einzelner Bereiche mit einer konsequenten Teststrategie und unter Einhaltung strenger Auflagen möglich ist. Wir wollen so die Grundlage für spätere kontrollierte und gezielte Lockerungen schaffen. Ziel ist es, Schritt für Schritt durch diese Pandemie zu kommen und eine gewisse Normalisierung unseres Lebens zu ermöglichen“, so Daniela Behrens.

Die Ministerin bedankte sich bei den kommunalen Spitzenverbänden für deren Kooperation. Man habe leider nur eine begrenzte Zahl an Kommunen auswählen können. „Aufgrund der insgesamt hohen Inzidenzwerte wollen wir die Öffnungen nur in einem zeitlich und räumlich eng begrenzten Rahmen testen. Aber alle eingereichten Konzepte stellen für die Kommunen eine gute Grundlage dar, wenn es weitere Öffnungsschritte auf Basis von Tests und digitaler Kontaktnachverfolgung gibt. Die Arbeit am Konzept war nicht umsonst.“

Folgende Voraussetzungen waren durch die Kommunen für die Bewerbung zu erfüllen: Vorlage eines Testkonzepts für ein abzugrenzendes Projektgebiet, Teilnahme an einem app-basierten System der digitalen Kontaktnachverfolgung (zum Beispiel Luca-App), Konzept für einen Ordnungs- und Sicherheitsdienst unter anderem zur Einhaltung der AHA- und Hygieneregeln sowie Einbindung des zuständigen Gesundheitsamtes.

Das niedersächsische Modellprojekt war in der aktuellen Corona-Verordnung des Landes geregelt worden. Die Auswahl wurde unter Beachtung aller Vorgaben getroffen, wobei eine landesweit gleichmäßige Verteilung der Modellkommunen angestrebt wurde. Wenn mehrere Kommunen ähnlicher Größe alle Anforderungen erfüllt haben, war der niedrigste Wert bei der Sieben-Tages-Inzidenz ausschlaggebend.

Wer in den Projektgebieten der Modellkommunen Geschäfte oder sonstige Einrichtungen betreten möchte, muss – ebenso wie Mitarbeitende – einen aktuellen negativen Antigen-Schnelltest nachweisen. Selbsttests werden nicht akzeptiert. Zudem muss bei Zutritt die App für die Kontaktnachverfolgung aktiviert sein.

Die Modellkommunen müssen sicherstellen, dass genügend Testkapazitäten da sind und die Auflagen befolgt werden. Für die bisher schon geöffneten Geschäfte gilt die Testpflicht nicht. Im Anschluss an die Modellprojekte werden die Kommunen einen ausführlichen Erfahrungsbericht vorlegen. Auch wissenschaftliche Begleituntersuchungen werden erstellt.

„Der Start der Modellprojekte ist unterschiedlich. Alle Kommunen wollen in den nächsten zwei Wochen beginnen. Die Erlaubnis geht ihnen heute zu. Die ausgewählten Kommunen legen nun Dauer und Geltungsbereich des Modellgebiets per Allgemeinverfügung fest. Die 14 Kommunen tragen damit eine hohe Verantwortung bei der Gestaltung der sicheren Zonen. Das Gesundheitsministerium wird den Verlauf intensiv beobachten“, sagt Ministerin Behrens.

Die Nienburger Stadtverwaltung hatte in Zusammenarbeit mit der Werbegemeinschaft „Nienburg-Service“ einen Antrag zur Ausweisung als Modellstadt erarbeitet. Mit wissenschaftlicher Begleitung sollte beobachtet werden, wie sich eine Öffnung von Geschäften, gastronomischen Betrieben und kulturellen Einrichtung in Verbindung mit vermehrten Tests auf das Infektionsgeschehen auswirkt. Vorgenommen werden sollen die umfangreichen Testungen im „Wesavi“. Zum Nienburger Konzept gehört auch das Drive-In-Testzentrum von Peter Krüger am Kräher Weg.

Die Stadtverwaltung hat mitgeteilt, zeitnah eine Erklärung zur Modellstadt und der praktischen Umsetzung abzugeben.

Zum Artikel

Erstellt:
3. April 2021, 13:55 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 22sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte

Werner Reinhardt 03.04.202121:13 Uhr

Ich wünsche der Stadt Nienburg (Weser) viel Freude.
Habe da noch eine schöne IDEE: Auch die Gemeinde
Stolzenau ist eine vorzügliche Corona-Modellgemeinde.
Oder kennt das Ministerium Stolzenau nicht ? Also ran,
und wir freuen uns...

Mit besten Geschäftsgrüßen
aus Stolzenau; wir schaffen das...!

Werner Reinhardt

wauwau 03.04.202121:15 Uhr

Ich habe einen Kommentar geschrieben...

Dieter Bückman 03.04.202123:09 Uhr

Wer hat denn das geschafft? Wer ist diese Intelligenzbestie?
Seit vielen Jahrzehnten werden - nicht nur Nienburger - alle verarscht, belogen und mit den Füssen getreten. Wenn etwas funktionieren soll ist immer der Mensch/Bürger gefragt und vielleicht haben diese etwas mehr Empathie als unsere "allwissenden" Politikstrunzen. Aber wie kommt das?

WEIL Politiker nix können, die Menschen/Bürger aber dafür um so mehr?
WEIL die Verdummung - gerade unter Politikern - rasend schnell zu nimmt?
WEIL Politiker dafür da sind, die Probleme zu lösen, die wir ohne Politiker gar nicht hätten?
WEIL Politiker der Parteiraison mit all diesen/r Schönfärberei, Lügen, Übertreibungen folgen ohne Nach zu Denken?
WEIL die Führung dieses Landes inzwischen einfach nur noch Sc....se hochspült und allen diese als Allheilmittel propagiert?Kerine Ahnung haben sie viel, aber viel Ahnung haben sie keine.
HERR LASS GRAS WACHSEN, DIE ZAHL DER RINDVIECHER NIMMT STÄNDIG ZU !!

Bautz 04.04.202101:24 Uhr

Was ist falsch an dem Öffnungs-Pilotprojekt in Zeiten der Pandemie: Es hat keiner der Entscheider aufgeschrieben,
* was zu welchem Zeitpunkt das Ergebnis seines Projektes sein soll,
* was es vergleichbar macht und
* unter welchen Kriterien der Erfolg oder Misserfolg betrachtet wird.

In der Wissenschaft und gemäß der Entscheidungstheorie dürfte es diese PR-Gags der Öffnungsszenarien von selbstgefälligen Landes- und Lokalpolitikern und Kaffeetrinkern gar nicht geben. Das sind alles Werfer von Blendgranaten.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.