Chefarzt Dr. Christian Heer (rechts) und Dr. Erdem Aydilek, Leitender Oberarzt, mit Renate Stommen, Renate Bielefeld und Jürgen Lindemann. Helios

Chefarzt Dr. Christian Heer (rechts) und Dr. Erdem Aydilek, Leitender Oberarzt, mit Renate Stommen, Renate Bielefeld und Jürgen Lindemann. Helios

Nienburg 27.12.2017 Von Die Harke

Mit Kälte gegen Herzstolpern

Ärzte im Nienburger Krankenhaus setzen neue Ballon-Katheter-Methode gegen Vorhofflimmern ein

Er könne wieder ruhiger schlafen, das Treppensteigen ginge viel besser als vorher. Der Nienburger Jürgen Lindemann hat sich im Nienburger [DATENBANK=3287]Krankenhaus[/DATENBANK] einer neuen Behandlungsmethode gegen sein Vorhofflimmern unterzogen. Und er ist mit dem Ergebnis zufrieden. Die Spezialisten setzen seit Oktober auch in Nienburg Kälte gegen das Herzstolpern ein, die sie per Katheter in einem Ballon an die entscheidende Stelle bringen. „Vorhofflimmern schränkt die Lebensqualität von Betroffenen meist stark ein: Da das Herz unregelmäßig und mit erhöhter Frequenz schlägt, sind Betroffene nicht mehr so leistungsfähig und in ihrem Alltag beeinträchtig“, teilt das Krankenhaus mit: „Auch leichte körperliche Anstrengungen, wie das Treppensteigen, werden zu einer Herausforderung. Patienten selbst nehmen die Erkrankung häufig als Herzstolpern wahr.“

Mithilfe des Ballon-Katheter-Verfahrens werden nach den Worten der Herz-Spezialisten die elektrischen Signale zwischen der Lungenvene und dem linken Vorhof, einem häufigen Ausgangsort für das Vorhofflimmern, ausgeschaltet. „Vorhofflimmern ist eine Volkskrankheit, von der etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Damit handelt es sich dabei um die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Außerdem ist Vorhofflimmern ein Risikofaktor für Schlaganfälle“, sagt [DATENBANK=6813]Dr. Christian Heer,[/DATENBANK] Chefarzt für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin. Und wenn Medikamente nicht hefen, dann ist ein operativer Eingriff möglich.

Schließlich wird flüssiges Stickstoffoxid in Minusgraden in den Ballon gegeben, sodass der Ballon kurz an den Muskelzellen festfriert und diese somit vereist.

Und so funktioniert die neue Methode: Ein Katheter wird über die großen Gefäße des Körpers von der Leiste in den linken Herzvorhof unter ständiger Röntgenkontrolle vorgeschoben. Dort messen die Kardiologen mithilfe einer Sonde die elektrischen Signale in der Lungenvene. Anschließend wird ein Ballon in die Öffnung der Lungenvene vorgebracht und aufgepumpt.

„Der Ballon passt sich individuell an die anatomischen Gegebenheiten des Herzens an und verschließt die Lungenvene“, sagt Heer. Schließlich wird flüssiges Stickstoffoxid in Minusgraden in den Ballon gegeben, sodass der Ballon kurz an den Muskelzellen festfriert und diese somit vereist. Dadurch werden die an der Wand der Lungenvene vorhandenen Nervenbahnen zerstört, und die fehlerhafte Weitergabe von elektrischen Signalen wird unterbunden.

Bisher wurden Patienten zur gleichen Behandlung in größere Herzzentren überwiesen. „Studien belegen, dass etwa 80 Prozent der mit dieser Methode behandelten Patienten auch ein Jahr nach dem Eingriff noch beschwerdefrei sind“, teilt das Krankenhaus mit.

Neben Lindemann haben sich kürzlich unter anderem Renate Stommen aus Nienburg und Renate Bielefeld aus Hoya der Behandlung unterzogen. „Mir geht es seit dem Eingriff nicht nur gut, sondern richtig prima“, sagt Stommen.

Bielefeld: „Natürlich ist man sich im ersten Moment unsicher, ob man einen Eingriff am Herzen machen lassen sollte. Herr Dr. Aydilek hat aber im Vorfeld alles toll erklärt, sodass ich auch als Laie wusste, was auf mich zukommt.“

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Erstellt:
27. Dezember 2017, 21:00 Uhr
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