Westlich von Rehburg im Nehrenbruch wird eine rund 180 Meter tiefe Kernbohrung niedergebracht. Foto: LBEG/Roberto Pierau

Westlich von Rehburg im Nehrenbruch wird eine rund 180 Meter tiefe Kernbohrung niedergebracht. Foto: LBEG/Roberto Pierau

Rehburg-Loccum 20.12.2020 Von Die Harke

Mit Kernbohrung auf Spurensuche

Experten wollen mehr über die Kreidezeit erfahren: LBEG bohrt bei Rehburg 180 Meter tief

Während der Kreidezeit lag Rehburg am Rande eines Binnenmeeres, das von den östlichen Niederlanden bis in den Raum Hannover-Braunschweig reichte. Nach heutiger Kenntnis erstreckte sich ein großes Fluss- und Delta-System vom Osterwald im Süden über den Deister und die Bückeberge bis in den Bereich der Rehburger Berge im Norden, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

Das Landesamt für Bergbau Energie und Geologie (LBEG) will das mit weiteren Untersuchungen belegen und führt westlich von Rehburg im Nehrenbruch bis voraussichtlich Mitte Februar eine rund 180 Meter tiefe Kernbohrung aus. Ziel der Bohrung ist es, die geologische Entwicklung dieses Delta-Systems zu beschreiben. Im einstigen Übergangsbereich von Küste zu Binnenmeer soll sie dabei zahlreiche offene Fragen beantworten: Wann und wie lange erfolgte die Sandschüttung aus dem südlich gelegenen Festland, die zur Ablagerung von teilweise mächtigen Sandsteinen führte? Wie weit reichte das Delta in das Binnenmeer hinein? Wie kann man sich diese Küstenlandschaft vorstellen, die Lebensraum der Dinosaurier war? Wie veränderte sich die Landschaft mit der Zeit? Dies sind nur einige geowissenschaftliche Detailfragen, die zum weiteren Verständnis jenes Zeitalters beitragen sollen.

Die Rekonstruktion der Ablagerungsbedingungen dieses unterkreidezeitlichen Deltas könnte modellhaft für die auch an anderen Stellen im Untergrund von Niedersachsen vorkommenden Sandsteine der Unterkreide stehen, die sich als möglicher Zielhorizont für Geothermie-Vorhaben erweisen können und zu denen bislang nur wenige Informationen aus Kernbohrungen verfügbar sind. Die Ergebnisse der geplanten Bohrung liefern wichtige Hinweise für das neue Kartenwerk „Explorationsrelevante Sandsteine des Berriasium in Niedersachsen 1:500.000“, das am LBEG zur zielgerichteten Unterstützung der Tiefengeothermie erstellt wird.

Die Experten des Referats „Geologische Grundlagen“ betreuen die Kernbohrung, anschließend nehmen Mitarbeiter des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik (LIAG) geophysikalische Messungen im Bohrloch vor, bevor Experten des LBEG-Referats „Hydrogeologische Grundlagen“ Grundwasserproben aus den Sandsteinbänken der Unterkreide analysieren. Die Bohrkerne werden im Nationalen Bohrkernlager für kontinentale Forschungsbohrungen in Berlin-Spandau für weitere Untersuchungen beprobt.

Nach Abschluss der Bohr- und Testarbeiten wird das Bohrloch vollständig verfüllt, der Bohrplatz wird renaturiert, sodass die landwirtschaftliche Fläche wieder vollumfänglich genutzt werden kann. Die Dauer der Bohr- und Verfüllarbeiten ist mit vier bis sechs Wochen veranschlagt.

Die Bohrarbeiten stehen nicht in Verbindung mit den Themen Fracking, Erdbeben, CO2-Speicherung und Endlagerung radioaktiver Abfälle. Beeinträchtigungen der oberflächennahen Umwelt oder des Grundwassers werden durch geeignete Maßnahmen verhindert.

Wie bei allen Bohrungen der geologischen Landesaufnahme werden auch die in diesem Gebiet erzielten Ergebnisse nach Abschluss der Arbeiten in die Bohrdatenbank Niedersachsen eingestellt. Sie sind anschließend über den NIBIS®-Kartenserver unter der Webadresse https://nibis.lbeg.de/cardomap3/ und über die Internetseite des LBEG frei verfügbar.

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Erstellt:
20. Dezember 2020, 17:00 Uhr
Lesedauer:
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