Nähmaschine, Pfaff, Typ B. Foto: Museum Nienburg

Nähmaschine, Pfaff, Typ B. Foto: Museum Nienburg

Nienburg 30.06.2020 Von Die Harke

Mit Nadel und Faden

Objekt des Monats Juli im Museum Nienburg ist eine Nähmaschine

T-Shirts, Hosen, Röcke – die Fertigung von Kleidung ist heute ohne die Nähmaschine nicht denkbar. Menschen nähen sich bereits seit Tausenden von Jahren ihre Kleidung selbst – erst mit Nähnadeln aus Knochen und später aus Metall.

Wie lange genau es Kleidung schon gibt, lässt sich nicht sagen – sicher ist, dass sich die Menschen im eiszeitlichen Europa vor 12.000 Jahren nicht ohne aufhielten. Das Objekt des Monats Juli im Museum Nienburg ist daher eine Pfaff-Nähmaschine.

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts kam im Zuge der beginnenden Industriellen Revolution die Idee auf, die Hand des Schneiders durch eine Maschine zu ersetzen. In den bürgerlichen Haushalten stieg zu dieser Zeit das Bedürfnis, unabhängig von den professionellen Schneidereien modische Kleidung zu Hause selbst herstellen zu können.

Die ersten mechanischen Experimente zur Herstellung einer Naht wurden von dem in England lebenden Deutschen Charles Frederick Wiesenthal 1755 durchgeführt. Erst 1790 gab es das erste Patent auf eine Nähmaschine für Schuhmacher, entwickelt vom Briten Thomas Saint.

Den wirtschaftlichen Durchbruch mit Nähmaschinen für den Hausgebrauch hatte schließlich Isaac Merritt Singer, der 1851 die Singer Company gründete und innerhalb kürzester Zeit zum größten Nähmaschinenproduzenten der Welt aufstieg.

In Deutschland konnte Singer seine Patente nicht durchsetzen und so warben alle deutschen Hersteller im 19. Jahrhundert noch mit ihren Kopien der Singer-Maschinen. Die erste Pfaff-Nähmaschine wurde 1862 vom Blechblasinstrumentenbauer Georg Michael Pfaff aus Kaiserslautern gebaut. Der Erfolg von Pfaff war enorm – bereits 1872 lag die Jahresproduktion der Firma bei 1000 Stück.

Das Objekt des Monats ist eine Pfaff-Nähmaschine vom Typ B: Hinter dieser Typbezeichnung verbirgt sich eine „Längsschiffchen-Gradstich-Hocharm-Haushaltsmaschine“, zwischen den Jahren 1885 und 1900 entstanden.

Die Nähmaschine hat eine zusätzlich angebaute Handkurbel – bei unserem Stück ist die Handkurbel offenbar verloren gegangen und wurde durch eine hölzerne Garnrolle ersetzt. Die Nähmaschine konnte samt Holzplatte auf einen Nähtisch mit Tretantrieb gesetzt werden.

Eine Motorisierung war nicht vorgesehen, denn die allgemeine Stromversorgung der Haushalte war zur Entstehungszeit der Nähmaschine noch lange nicht abgeschlossen.

Das Objekt des Monats Juli ist während der Öffnungszeiten im Fresenhof zu sehen.

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Erstellt:
30. Juni 2020, 20:52 Uhr
Lesedauer:
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