Mit einem Feuerlöscher wurde der Motor zum Stillstand gebracht, falls ein Zugang zum Zündschlüssel nicht gegeben ist.Foto: Henkel

Mit einem Feuerlöscher wurde der Motor zum Stillstand gebracht, falls ein Zugang zum Zündschlüssel nicht gegeben ist.Foto: Henkel

Nienburg/Jeversen 31.07.2021 Von Marc Henkel

Mit schwerem Gerät übt Nienburgs Feuerwehr Einsätze an Lastwagen

Ausbildung besonderer Art: Einsatzkräfte waren mit schwerem Gerät auf Übungsgelände beschäftigt

Um für den Ernstfall vorbereitet zu sein, haben sich Mitglieder der Nienburger Feuerwehr im Umgang mit Lkw-Unfällen schulen lassen – mit einem großen praktischen Anteil.

Der Schwerlastverkehr nimmt zu. Davon ist der Einsatzbereich der Freiwilligen Feuerwehr Nienburg nicht ausgenommen. Die Bundesstraßen 6, 214 und 215 sorgen für ein massives Aufkommen von Lastkraftwagen. Bisher blieb die Ortsfeuerwehr Nienburg von schwereren Lkw-Unfällen – wie sie fast tagtäglich auf den Autobahnen passieren – verschont, jedoch kann ein Unfall mit Beteiligung eines Lastwagens jederzeit auch hier geschehen. Damit schnell und zielgerichtet Hilfe geleistet werden kann, haben Einsatzkräfte auf dem Gelände der ZF WABCO Testbahn in Jeversen die Möglichkeit gehabt, sich sachkundig zum Thema Lastkraftwagen beschulen zu lassen.

Eine anstrengende und nicht einfache Aufgabe ist es auf der Rettungsbühne mit dem schweren Rettungssatz zu arbeiten. Foto: Henkel

Eine anstrengende und nicht einfache Aufgabe ist es auf der Rettungsbühne mit dem schweren Rettungssatz zu arbeiten. Foto: Henkel

Gestartet wurde der Tag mit der Erläuterung, wie ein Lkw konstruktiv aufgebaut ist, welche Sicherheitssysteme diese haben und wo sich die Hersteller im Groben unterscheiden. Anschließend ging es in den praktischen Teil der Ausbildung. Hierbei wurde Schritt für Schritt in kleinen Gruppen der Unfall abgearbeitet. Zuerst galt es den laufenden Motor ohne Abziehen des Zündschlüssels zu stoppen. Hier griffen die Übungsteilnehmer auf einen CO-2-Feuerlöscher zurück und entleerten diesen in den Lufteinlass. Innerhalb kürzester Zeit war der Motor „gestorben“. Danach musste die Fahrgastzelle des Lkw so weit stabilisiert werden, dass die vorhandenen Federungen keine ungewollten Bewegungen bei der Menschenrettung auslösen. Mittels Spanngurten konnte diese Maßnahme schnell und effektiv umgesetzt werden.

Grundlagen schaffen

Nachdem der Lastwagen stabilisiert wurde, dies dient unter anderem zur Eigensicherung der Einsatzkräfte, verschafften sich die Teilnehmer Zugang zu dem Fahrer. Da simuliert wurde, dass die Türen der Fahrerzelle sich nicht mehr öffnen ließen, bahnten sich die Feuerwehrkräfte den Weg durch die Scheiben des Lasters. Bei einem echten Unfall würden viele Schritte gleichzeitig laufen, sodass der Rettungsdienst schnell eine Erstversorgung einleiten kann.

Im weiteren Verlauf der Ausbildung mussten die Feuerwehrmitglieder, die knapp 80 Kilogramm schwere Fahrertür, vom Fahrzeug entfernen. Da Lastwagen höher aufgebaut sind, wurde die Rettungsbühne genutzt. Mit dem rund 25 Kilogramm schweren Spreizer, ein Teil des hydraulischen Rettungssatzes, wurde zu Beginn eine Öffnung geschaffen. Diese Öffnung wurde genutzt, um die Fahrertür abzufangen, sodass diese nicht durch unkontrollierte Bewegungen die Hilfeleistenden verletzt. Nachdem die Tür entfernt wurde, konnten mittels Hydraulikstempel und der Rettungsschere der Fahrer aus seiner Notlage befreit werden. Zusätzlich übten die Teilnehmer, wie am effektivsten die Lenksäule mittels einer Seilwinde, vom verunfallten Fahrer weggezogen werden kann.

Mit einer Säbelsäge wurde die Frontscheibe aufgeschnitten, damit ein schneller Zugang zur verunfallten Person entstehen kann. Foto: Henkel

Mit einer Säbelsäge wurde die Frontscheibe aufgeschnitten, damit ein schneller Zugang zur verunfallten Person entstehen kann. Foto: Henkel

Diese Ausbildung konnte nur die Grundlagen schaffen. Jeder Unfall, sei es mit einem Pkw oder Lkw, ist anders. Die Vielfalt der Fahrzeugtypen sowie die Unfallcharakteristik machen ein punktgenaues Training nahezu unmöglich.

Am Ende des Tages konnten die 20 Teilnehmer viele wichtige Informationen und Vorgehensweisen mitnehmen. Auch das Testen verschiedener Rettungsvarianten führte mit zu dem Erfolg des Tages.

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Erstellt:
31. Juli 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 26sec

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