Stefan Schwiersch DH

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Mit sportlichen Grüßen

Das Fußballwunder in England steht kurz vor der Vollendung: Das No-Name-Team von Leicester City führt die Tabelle der Premiere League vier Spieltage vor Schluss mit fünf Punkten Vorsprung an, halb Europa amüsiert sich über die Tatsache, dass der krasse Außenseiter den Großkopferten aus London und Manchester eine lange Nase dreht. Der Zauber um Leicester hat längst Deutschland erreicht. Der Name James Vardy ist den Fans spätestens seit dessen frechem Hackentor im Länderspiel gegen Deutschland ein Begriff. Ja genau, das ist dieser dürre Bursche, der vor sechs Jahren noch in der 7. Liga bolzte für 37 Euro die Woche; im Nebenjob bastelte Vardy medizinische Beinschienen zusammen. Neben Vardy stehen weitere illustre Leute im Team. Rechtsverteidiger Danny Simpson beispielsweise brannten Weihnachten 2014 die Sicherungen durch, er würgte seine Freundin und verbrachte anschließend eine Nacht in Sicherheitsverwahrung. Oder N‘Golo Kanté, der von seinem Teamgefährten Danny Drinkwater den Spitznamen „Rash“ bekam – „Hautausschlag“ –, weil er als Gegenspieler 90 Minuten lang unangenehm ist. Oder Wes Morgan, dessen Karriere in jungen Jahren bereits beendet schien, weil sein erster Profitrainer ihn aufgrund seiner ausgeprägten Muskeln für einen Wrestler hielt.

In Deutschland noch gut bekannt ist der Japaner Shinji Okazaki, der für Stuttgart und Mainz viele Tore erzielte, von dem es allerdings keine vergleichbar drollige Geschichte zu erzählen gibt. Oder doch? Okazaki gründete vor gut zwei Jahren mit zwei Freunden den interkulturellen Fußball-Klub FC Basara Mainz. Das Projekt sieht sich dem kulturellen Austausch zwischen Japanern und Einheimischen verpflichtet. Der Klub spielt in der B-Klasse der Region Mainz-Bingen West und setzt sich dort mit Gegnern wie Fidelia Ockenheim, Dietersheim, Schwabenheim, Weinheim, Sponsheim/Dromersheim oder Wackernheim II auseinander.

Mazara ist Tabellenführer, doch um den Aufstieg geht es Mitgründer Babak Keyhanfar gar nicht: „Ganz unabhängig vom sportlichen Erfolg wollen wir in deutsch-japanischer Mischung viel zusammen unternehmen und so die Integration erleichtern“. Mindestens einmal pro Woche sollen gemeinsame kulturelle, gesellige und/oder kulinarische Abende stattfinden.“ Nun taugt Okazakis Projekt nicht ansatzweise zur Legenbildung wie der Lebenslauf des Herrn Vardy. Und doch ist es nicht minder bemerkenswert.

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Erstellt:
23. April 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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