Stefan Schwiersch DH

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Mit sportlichen Grüßen

Vor Gericht gilt die Unschuldsvermutung, solange eine Schuld nicht bewiesen ist. Das gilt auch für die Sportgerichtsbarkeit und somit auch für Sepp Blatter, den Fifa-Präsidenten. Aber kann man Sepp Blatter auch ohne Verfahren überhaupt noch als „nicht schuldig“ einstufen? Kann es sein, dass auch der gefühlt 20. Verdacht auf Misswirtschaft, Korruption, Schmiergeldzahlungen und Vetternwirtschaft womöglich aus der Luft gegriffen ist oder bestenfalls auf Missverständnissen beruht? Es ist ja theoretisch denkbar, dass UEFA-Boss Michel Platini, wie er behauptet, einfach neun Jahre lang vergessen hat, eine Rechnung über 1,83 Millionen Euro bei der Fifa einzureichen. Wem ist das noch nicht passiert?

Es fällt schwer, Blatter nicht vorzuverurteilen. Wo Rauch ist, das ist gemeinhin auch Feuer, und wenn es bereits seit Jahren und nunmehr zum 20. Mal raucht, dann reicht die Fantasie schlichtweg nicht aus, um Osterfeuer dafür verantwortlich zu machen.

Das Meinungsbild über Sepp Blatter ist auch geprägt durch seine Fähigkeit (um das Wort „Geschick“ zu vermeiden), Vorwürfe abzubügeln, qua Amtswürden einfach vom Tisch zu wischen. Auf der Wikipedia-Seite über Sepp Blatter sind die Kapitel „Kritik“ und „ISL-Bestechungs-Affäre“ längst die umfangreichsten Abschnitte.

Nun gehen wir als Fußballfans reinen Herzens mal davon aus, dass das Kapitel Blatter spätestens mit dessen angekündigtem Abschied im Februar 2016 endet; das hatte der 79-Jährige im Juni nach Bekanntwerden der Bestechungsvorwürfe und infolge von Ermittlungen des FBI angekündigt. Doch egal ob morgen oder im Februar: Der Abschied kommt zu spät.

Blatter wirkt in seinen Äußerungen oftmals dieser Welt entrückt, ein Phänomen, dass oft bei Leuten zu bemerken ist, die in ihrer eigenen Realität leben. Ich meine jedenfalls Züge von Altersstarrsinn beobachtet zu haben. Wikipedia erklärt: „Starrsinn bezeichnet abwertend die Geisteshaltung einer Person, die von Unnachgiebigkeit, Eigensinn oder auch geistiger Unbeweglichkeit geprägt ist.“ Ich finde, das trifft es.

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Erstellt:
10. Oktober 2015, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 57sec

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