Matthias Brosch Die Harke

Matthias Brosch Die Harke

25.01.2015 Von Matthias Brosch

Mit sportlichen Grüßen

„Sorge um Sport-Unterricht an Grundschulen“ – die Überschrift ließ mich in dieser Woche aufhorchen und in den Artikel der „Ruhr Nachrichten“ stürzen. In Dortmund sorge ein Erlass des NRW-Schulministeriums für Unruhe, an ersten Schulen sei der Sportunterricht bereits ausgefallen, berichtete die Tageszeitung. Hintergrund: Der Erlass erhöht die Sicherheitsvorschriften. Nur noch drei Personengruppen sollen Sport unterrichten dürfen: entsprechende Fachlehrer, Lehrer mit einer Qualifikation durch die Bezirksregierung und langjährige Lehrer mit einer privaten Trainer-Lizenz (C-Lizenz) – vorausgesetzt, der Schulleiter stimmt zu. Für die Grundschulen entsteht meist ein großes Problem: Wenige haben studierte Sportlehrer in ihren Reihen, und diese kamen neben dem Unterricht in ihrer eigenen Klasse schon zuvor fast nur im Sport in anderen Klassen zum Einsatz. Die übrigen Sportstunden liegen bei den Klassenlehrern, sonst müssten diese komplett ausfallen.

In Grundschulen sind bekanntermaßen überwiegend Allrounderinnen tätig, die wegen der kleinen Schulgrößen neben ihren studierten auch die anderen Fächer abdecken. Der Erlass des Schulministeriums geht dementsprechend an der Lebenswirklichkeit der Bildungseinrichtungen vorbei – auf der anderen Seite kann das Vorgehen nur begrüßt werden.

Sport an Grundschulen sollte meiner Meinung nach mehr als eine reine Bewegungseinheit sein. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Bekannten, der an einer Sonderschule tätig war: Er erzählte mir vor gut 15 Jahren, wie er ins kalte Wasser geworfen wurde und plötzlich in der Sporthalle in der Verantwortung stand. Und da passierte es: Beim Aufwärmen knallte ein Kind heftig gegen den Barren, der aus dem Geräteraum herausragte, und musste ins Krankenhaus. Mein Bekannter meinte nur, er hätte gar nicht gewusst, wie er den Barren in den Geräteraum hätte bewegen können, um die Gefahrenquelle zu vermeiden; er hatte es nie gezeigt bekommen.

Grundsätzlich passieren solche Unfälle selten in den Grundschulen. Das könnte aber auch daran liegen, dass die Anforderungen durch die fachfremden Lehrer nicht allzu hoch angesetzt werden. Das finde ich sehr schade, sodass der Erlass in NRW hoffentlich zu einem Umdenken und besserem Unterricht durch qualifizierte Personen führt. Der Schulsport verdient eine Aufwertung – nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern ebenso in Niedersachsen.

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Erstellt:
25. Januar 2015, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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