Stefan Schwiersch DH

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Mit sportlichen Grüßen

„In jeder Firma gibt es eine Teeküche. Und in jeder Teeküche sieht es zum Gotterbarmen übel aus. Warum nur?“, fragt Autorin Meike Winnemuth in einem Beitrag für das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“. Sie berichtet von verkalkten Kaffeemaschinen, schmuddeligen Küchentüchern, modrigen Spülschwämmen, „im Kühlschrank verwesen undefinierbare Kantinenreste unter kondenswasserfeuchten Klarsichtfolien“. Das kommt mir alles ziemlich bekannt vor und ich befürchte, dass Frau Winnemuth ihre Recherchen auch in der Teeküche der Harke-Redaktion im ersten Stock des Verlagshauses vorgenommen hat, höchstwahrscheinlich inkognito als getarnte Reinmachfrau am Montagmorgen, wenn alle Redakteure daheim noch selig schlummern.

Die Teeküche der Redaktion war über Jahre ein Ort, den man schnell betrat und schnell wieder verließ und dabei am besten das Licht ausließ, was das Kaffee kochen nicht unbedingt erleichterte. Allerdings hatte man sich irgendwann gewöhnt an schmutzige Tassen, Kaffee- und Wasserpfützen, dreckige Teller und Besteck – meterhoch gestapelt. Außerdem, und davon bin ich überzeugt: Die Zustände in der Teeküche haben ganz bestimmt zur Stärkung der mentalen und physischen Abwehrkräfte der Mitarbeiter beigetragen. Ähnlich wie eine Grippeschutzimpfung, bei der einem ja Grippeviren gespritzt werden.

Seit einigen Tagen aber ist alles anders. Die Ur-Küche aus dem Jahr 1971, dem Baujahr des Verlagshauses an der Stadtgrenze, wurde entsorgt, vermutlich im Schacht Konrad des Atom-Endlagers bei Salzgitter; mir war, als hätte ich neulich einen Castor vom Hof rollen sehen. Eingebaut wurde dafür eine nigelnagelneue Einrichtung – was wuchtig klingt, sich aber angesichts einer Raumgröße von 1,20 mal 1,30 Meter ein bisserl relativiert.

Trotzdem: Die Redaktion freut sich über neue und blitzblanke Schränke, einen neuen Kühlschrank und eine neue Spüle. Und der Eindruck verhärtet sich, dass die Zahl der Schmuddeltassen und -teller seitdem spürbar gesunken ist.

Auch ich leiste meinen Beitrag zum Wohlfühlambiente in der neuen Kuschelecke der Redaktion: Nach dem Brötchenschneiden über dem Waschbecken spüle ich die Krümel – zur Freude meiner Kolleginnen – nun immer sofort weg. Man ist ja auch Vorbild.

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Erstellt:
7. Dezember 2014, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 01sec

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