Xelil B. möchte aus Rücksicht
auf seine Familie lieber nicht
erkannt werden. Akan

Xelil B. möchte aus Rücksicht auf seine Familie lieber nicht erkannt werden. Akan

Nienburg 01.12.2018 Von Die Harke

Mittlerweile gut eingelebt

CJD-Projekt „Willkommen in Nienburg“ / Heute: Xelil B. berichtet von seiner Flucht aus dem Nordirak

Im Mittelpunkt der heutigen Folge des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg (Will iN)“ lesen Sie heute ein Interview der Will iN-Mitarbeiterin Nurten Akan mit Xelil B. Dort heißt es: Ich bin 24 Jahre alt und lebe mit meiner fünfköpfigen Familie in Nienburg. Wir sind vor zwei Jahren nach Deutschland geflohen, weil unser Dorf Xanke (Nordirak) von den IS-Kämpfern angegriffen wurde und wir somit unsere Heimat verlassen mussten. Weil die Flucht sehr schnell gehen musste, haben wir unser ganzes Hab und Gut hinter uns gelassen. Wir sind zu Fuß in die Berge von Shingal geflüchtet und haben viele Wochen auf dem harten Boden ohne Matratze oder sonstige lebenserleichternde Dinge leben müssen. Bis nach Tagen von den ehrenamtlichen Helfern Hilfe kam.

Aber bis es soweit war, dass man uns fand, sind viele Kinder und Babys vor Durst und Hunger erkrankt oder sogar daran gestorben. Meine Mutter war damals schwanger und hat auf der Flucht auf grund eines Sturzes im dritten Monat ihr Kind verloren. Es waren Tage und Nächte, die ich bis zum Tod nicht vergessen werde.

Wir waren, wenn ich mich richtig erinnere, einen guten Monat unterwegs, bis wir in Frielingen in der Nähe von Hannover in der ersten Flüchtlingsaufnahme ankamen. Hier wurden wir erst mal tagelang medizinisch versorgt und seelisch behandelt. Es war wie ein Traum. Wir konnten es nicht glauben, dass wir in Deutschland angekommen sind. Nachdem wir etwa drei Wochen in Frielingen waren, hat man uns an einem Tag gesagt, dass wir am nächsten Morgen ganz früh mit einem Bus nach Nienburg fahren werden.

Es kam wieder der mit Angst besetzte Gedanke hoch: „Müssen wir wieder fliehen oder werden wir abgeschoben?“ Nein, wir haben uns aber getäuscht. Nach Nienburg hieß, wir werden weiter in Deutschland leben dürfen. Nur, wir müssen ja irgendwo leben beziehungsweise eine Wohnung zuerkannt bekommen. Am Morgen darauf wurden wir abgeholt. Es waren nicht nur wir im Bus, sondern ungefähr 60 andere Menschen.

Diese wurden Ort für Ort rausgelassen. Als wir dann in Nienburg angekommen sind, stand eine Dame draußen, die unsere Sprache beherrschte und uns von der Ausländerbehörde bis zu unserer „neuen“ Wohnung begleitet hat. Diese Dame wurde uns vom Landkreis als Dolmetscherin zur Verfügung gestellt. Wir wurden sogar mit dem Taxi zu unserer Wohnung gefahren. Wir konnten das alles gar nicht so schnell begreifen. Ist das ein Traum oder Wahrheit?

Ein eigenes zu Hause in Deutschland, das war mein erster Gedanke. Wie schön ist das denn?!? Meine Gefühle von damals kann ich irgendwie nicht beschreiben.

In Nienburg haben wir uns mittlerweile gut eingelebt. Mit Hilfe von sehr vielen engagierten Menschen, die uns bei jeglichen Aufgaben zur Seite stehen, besuchen wir Schulen und nehmen an Schulungen teil.

Auf jeden Fall können wir uns mit den Menschen um uns herum inzwischen verständigen. Ok, um ehrlich zu sein, manchmal mit Händen und Füßen.

Wir fühlen uns hier wohl und wurden mittlerweile auch als Flüchtlinge anerkannt. Dafür möchten wir ganz herzlich „Danke“ sagen.

Das nächste Begegnungscafe St. Martin findet am Dienstag, 4. Dezember, ab 16 Uhr im Gemeindehaus am Kirchplatz statt. Alle sind willkommen.

Dieser Beitrag ist Bestandteil des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg“, das vom Bundesamt für Migration gefördert und von der HARKE am Sonntag begleitet wird.

Der Artikel in Originalsprache. CJD Nienburg

Der Artikel in Originalsprache. CJD Nienburg

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Erstellt:
1. Dezember 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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