Der Angeklagte ist bereits wegen Mordes in Haft - nun muss er sich erneut wegen eines Tötungsdeliktes verantworten. Paul Hill/Fotolia

Der Angeklagte ist bereits wegen Mordes in Haft - nun muss er sich erneut wegen eines Tötungsdeliktes verantworten. Paul Hill/Fotolia

Stöckse/Verden 02.05.2019 Von Wiebke Bruns

Mörder erneut wegen Mordes vor Gericht

Stöckser wurde vor 30 Jahren verurteilt / Jetzt wird ihm auch der Mord an einem Nienburger zur Last gelegt

Vor 30 Jahren wurde am Landgericht Verden ein damals 26 Jahre alter Mann aus Stöckse wegen Mordes verurteilt. Auf Grund dieses Falls hatte im Jahr darauf der Bundesgerichtshof im Rahmen einer erfolglosen Revision die DNA-Analyse in einem Grundsatzurteil als zulässig erklärt.

Lebenslänglich lautete das Strafmaß, und noch immer sitzt der Mörder in Haft. Kommende Woche steht der inzwischen 55-Jährige wieder in Verden vor Gericht. Erneut wegen Mordes. Er soll 1984 in Nienburg den Angler Wilhelm Rettberg erschlagen haben. Bei dem Prozess im Jahr 1989 ging es um den Mord an einer 78 Jahre alten Frau aus der Nachbarschaft des Stöcksers. Am Morgen des 24. Juni 1988 war ihr blutüberströmter Leichnam in dem von ihre alleine bewohnten Haus in Stöckse von Nachbarn entdeckt worden. Als Täter wurde der zum Tatzeitpunkt 25-Jährige ermittelt.

Wie die Schwurgerichtskammer damals mit Urteil feststellte, hatte der vorbestrafte Mann nach einem Discobesuch nachts nach seinem Hund gesucht und war dabei auf die Idee gekommen bei der Witwe einzubrechen. Er durchsuchte das Haus und weckte damit die Frau. Als diese auf der Einbrecher traf, drängte er sie in Schlafzimmer und warf sie aufs Bett, so die damaligen Feststellungen des Landgerichts. Dabei schob sich das Nachthemd der Frau nach oben, was den Täter erregt habe. Der damals 25-Jährige verklebte dem Opfer den Mund mit einem Klebeband, fesselte ihre Hände und vergewaltigte die wehrlose Frau.

Stöckser tötete Frau, aus Angst entdeckt zu werden

Wie das Landgericht damals weiter feststellte, entschloss er sich aus Angst vor Entdeckung, die Frau zu töten und stieß ihr ein Messer ins Herz. Dann durchsuchte er weiter das Haus, fand Schmuck und versuchte das Haus in Brand zu setzen, um Spuren zu verwischen, was aber nicht vollends gelang.

Das Landgericht hatte ein Londoner Labor mit einem DNA-Gutachten beauftragt. Damals noch eine umstrittene und im Gegensatz zu heute alles andere als gängige Methode. Der Täter wurde überführt. Gestanden hatte er laut dem späteren Urteil des Bundesgerichtshofes nur die Vergewaltigung und den gestohlen Schmuck. Schuldig gesprochen wurde er wegen Mordes in Tateinheit mit Vergewaltigung sowie wegen Diebstahls und versuchter Brandstiftung.

Kommende Woche geht es dann um einen Mord, den er vier Jahre zuvor am Ufer der Weser in Nienburg begangen haben soll. Als „Cold Case“-Fall wurde dieser mehr als drei Jahrzehnte später neu aufgerollt. DNA-Spuren scheint es nicht zu geben, sonst hätte man den Mann viel früher ermittelt. 78799

Lange suchen musste die Polizei nach dem Verdächtigen dann zumindest nicht mehr, denn der Angeklagte sitzt seit der Verurteilung vor 30 Jahren in Haft. Ab Mittwoch, 8. Mai, steht er wieder in Verden vor Gericht.

Wilhelm Rettberg aus Nienburg ist 1984 an der Weser getötet worden.  Polizei

Wilhelm Rettberg aus Nienburg ist 1984 an der Weser getötet worden. Polizei

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Erstellt:
2. Mai 2019, 17:25 Uhr
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