04.08.2013

„Momentan ist‘s nicht so rosig“

Nienburger Tafel dringend auf Spenden angewiesen/Allein bis zu 1 000 Euro für Benzin

Von Edda Hagebölling

Nienburg. „Momentan ist‘s nicht so rosig“, gibt Beate Kiehl unumwunden zu. Die Chefin der Nienburger Tafel ist zurzeit dringender denn je auf Geldspenden angewiesen. „Wir brauchen allein jeden Monat 800 bis 1000 Euro für Benzin. Da sind noch keine Kosten für Reparaturen eingerechnet und auch noch keine Stromkosten“, fährt sie im Treffen mit der Harke am Sonntag fort. Seit fast 15 Jahren versorgt die Nienburger Tafel Menschen, die nicht genug Geld zum Leben haben, mit Lebensmitteln. 4000 Erwachsene sind es Monat für Monat. Hinzu kommen Woche für Woche 700 Kinder. Diese Zahl ist schon seit Jahren konstant. „Es gibt immer Menschen, die ihren Tafelausweise abgeben, weil sie eine Arbeit gefunden haben, mit der sie sich und ihre Familie ernähren können. In gleicher Zahl rücken aber auch wieder Neue nach“, so Kiehl. Nicht eingerechnet sind jedoch diejenigen, die gar nicht erst kommen, weil sie sich schämen, arm zu sein und um Lebensmittel bitten zu müssen.

Ausgabestellen gibt es in Neustadt (montags), in Stolzenau (mittwochs), in Hoya (donnerstags) und in Nienburg (dienstags und freitags sowie donnerstags ab 14.30 Uhr für diejenigen, die tagsüber in Maßnahmen tätig sind, und für Ältere, die gesundheitsbedingt nicht so lange warten können.

Im Landkreis Nienburg werden 45 Spendermärkte angefahren. Weil deren Waren allein jedoch nicht ausreichen, steht unter anderem eine Großbäckerei in Minden auf dem Fahrplan. Und ein paar Märkte im Außenbereich von Hannover oder Neustadt. Außerdem gibt es einen regen Austausch mit benachbarten Tafeln wie Sulingen oder Wagenfeld. „Wer viel hat, gibt dem, der gerade klamm ist, etwas ab“, so Kiehl.

Die Logistik-Künste der langjährigen Tafel-Chefin sind besonders dann gefragt, wenn der Bundesverband in Berlin für Niedersachsen wieder einmal eine Großlieferung tiefgefrorener Pizzen avisiert. „33 Paletten Pizzen möglichst gerecht auf 100 Tafeln zu verteilen, ist nicht immer einfach“, so Beate Kiehl, zugleich Mitglied im Vorstand des Landesverbandes.

Ein Segen ist für die Tafel in Nienburg aber auch der Conquest of Mythodea, der heute in Brokeloh zu Ende geht. „Die Konserven, die wir uns dort abholen können, reichen fast für ein ganzes Jahr“, berichtet Kiehl. Noch gut erinnert sie sich an die Zeiten, als die Tafel-Helfer von den Bäumen an den Straßenrändern frische Äpfel und Kirschen gepflückt haben. Das sei dann jedoch zu gefährlich geworden.

Dafür stehen aber nach wie vor Gurken auf dem Speiseplan, die ausgesondert werden, weil sie zu krumm sind, oder Tomaten, die nicht rot genug sind. „Im Grunde ein Wahnsinn“, so die Tafel-Chefin. Bei den Hofläden abholen dürfen die Helfer dagegen die Produkte, die für den Verkauf zu groß geworden sind. „Zucchinis groß wie Hinkelsteine beispielsweise“, berichtet Beate Kiehl.

Die Kindertafel gibt es seit 2001. Seitdem werden unter anderem die Kinder der Friedrich Fröbel-Schule in Nienburg ein- bis zweimal die Woche mit Brot und Belag, Obst und Gemüse und Zutaten für eine warme Mahlzeit versorgt. Regelmäßig mit Zutaten beliefert wird außerdem der Jugendtreff in Hoya. Dort treffen sich Woche für Woche 10 bis 25 Kinder, um gemeinsam zu kochen.

Seit zwei Jahren gibt es bei der Nienburger Tafel das Projekt „Lernschritte“. Elf Grundschulkinder kommen nach Schulschluss dreimal die Woche in die Leinstraße, um dort Hausaufgaben zu machen und ein bisschen Förderunterricht zu erhalten. Dass dabei auch eine warme Mahlzeit herausspringt, versteht sich für die Organisatoren von selbst. Und auch, dass notfalls auch einmal der Ranzen erneuert oder der Inhalt desselben aufgefüllt wird.

Für diejenigen, die die Nienburger Tafel finanziell unterstützen möchten, hier die Bankverbindung: Sparkasse Nienburg, Konto 600 064 83, BLZ 256 501 06.

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Erstellt:
4. August 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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