20.01.2013

Monatliche Leerung nicht ausgeschlossen

Erwerb und Verteilung der Wertstofftonnen mit 1,05 Millionen Euro veranschlagt: BAWN-Vize im HamS-Interview

Von Edda Hagebölling

Landkreis. Laden die „gelben Tonnen“, die Platz bieten für den Inhalt von vier gelben Säcken nicht dazu ein, noch mehr Wertstoff zu produzieren? Können Sie ausschließen, dass der Wertstoff aus dem Landkreis Nienburg später an den Stränden der Dritte-Welt-Länder auftaucht? Das und noch mehr wollte die Redaktion der Harke am Sonntag von Arne Henrik Meyer, stellvertretender Leiter des Betriebs Abfallwirtschaft Nienburg (BAWN) wissen.

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Herr Meyer, die ersten Wertstofftonnen sind verteilt. Wie viele werden Sie bis Ende März insgesamt ausgeliefert haben?

Es werden voraussichtlich bis zu 40 000 Behälter ausgeliefert.

Sicherlich keine kleine Investition. Mit wieviel tausend Euro schlägt die Anschaffung der Tonnen zunächst einmal zu Buche?

Für den Erwerb und die Verteilung der Wertstofftonnen sind im Wirtschaftsplan 2013 Mittel in Höhe von 1,05 Millionen Euro eingeplant.

Einsparungen werden aber ja sicherlich dadurch erzielt, dass es künftig keine gelben Säcke mehr geben wird. Außerdem wird ja wahrscheinlich künftig nur noch ein Mitarbeiter pro Fahrzeug erforderlich sein. Wird es dadurch zu Entlassungen kommen?

Die Kosten für die Beschaffung und die Verteilung der gelben Säcke, welche sich pro Jahr auf rund 100 000 Euro belaufen, entfallen künftig. Mit diesem Betrag können die Abschreibungen der Behälter inklusive einer angemessenen kalkulatorischen Verzinsung sowie der erforderliche Änderungsdienst finanziert werden. Der BAWN wird ab dem 1. April Seitenlader mit Ein-Mann-Besatzung für die Leerung der Behälter einsetzen. Hierdurch entstehen Synergien, da nunmehr ein einheitlicher Fuhrpark besteht und so die Auslastung gesteigert werden kann. Zu Entlassungen von Mitarbeitern kommt es nicht.

Was war noch der Grund für die Einführung der „gelben Tonne“?

Der Bundesgesetzgeber hat in dem zum 1. Juni 2012 in Kraft getretenen Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrwG) festgelegt, dass Kunststoffe und Metalle aus Haushaltungen spätestens ab dem 1. Januar 2015 getrennt einzusammeln sind. Bisher bestehen hierfür zwei getrennte Erfassungssysteme. Für Leichtverpackungen aus Metall und Kunststoff besteht seit 1992 das privat-rechtlich organisierte Rücknahmesystem auf Basis der Verpackungsverordnung. Dieses System wird von den zehn dualen Systembetreibern betrieben und finanziert sich über Lizenzentgelte, welche der Verbraucher letztlich über den Einzelhandelsverkaufspreis refinanziert. Ausgediente Produkte aus Metall und Kunststoff, die als stoffgleiche Nichtverpackung bezeichnet werden, sind dagegen je nach Größe über die Restmülltonne oder den Sperrmüll zu entsorgen. Dieser Anteil wird über die Abfallgebühren finanziert.

Dieses zweigliedrige System für die Entsorgung von Kunststoffen und Metallen hat sich in den letzten 20 Jahren nicht bewährt. Die Bürgerinnen und Bürger haben einen Großteil ihrer ausgedienten Produkte aus Metall und Kunststoff in der Vergangenheit sowieso mit über den gelben Sack entsorgt. Der Bundesgesetzgeber plant nunmehr ein Wertstoffgesetz, das die Verpackungsverordnung ablösen und die Erfassung von Kunststoffen und Metallen insgesamt regeln soll. Hierbei soll der gelbe Sack, nach dem Thesenpapier zur Fortentwicklung der Wertstofferfassung des Bundesumweltministeriums, durch eine einheitliche Wertstofftonne für die haushaltsnahe Erfassung von Verpackungen und stoffgleichen Nichtverpackungen aus Kunststoff und Metall ersetzt werden.

Der BAWN hat sich daher mit den dualen Systemen verständigt, dass zum 1. April 2013 der gelbe Sack durch eine Tonne ersetzt wird. Über die Tonne kann dann jede Art Kunststoff oder Metall entsorgt werden, unabhängig davon, ob es sich um eine Verpackung oder ein ausgedientes Produkt handelt.

Mit dem Inhalt von vier gelben Säcken ist die Standardtonne von 240 Litern ja recht großzügig bemessen. Ist das nicht die Einladung, noch mehr Wertstoff zu produzieren?

Bisher wird unverändert eine Abfuhr 14-täglich erfolgen. Bis Ende 2014 soll aber auch geprüft werden, ob eventuell ein vier wöchentlicher Entleerungsintervall ausreichend ist. Mit kleineren Behältern wäre dies von vornherein ausgeschlossen.

Wie hoch ist eigentlich das jährliche Wertstoff-Aufkommen?

An Leichtverpackungen aus Kunstsoff und Metall wurden bisher über den gelben Sack ca. 3 750 Mg/Jahr für die dualen Systembetreiber eingesammelt. Es wird damit gerechnet, dass aus dem Sperrmüll und Rest abfall ca. 750 Mg/Jahr an Kunststoffen und Metallen zusätzlich getrennt erfasst werden können.

Was passiert mit dem Wertstoff?

Die Kunststoffe und Metalle werden im Entsorgungszentrum Nienburg umgeschlagen. Hier wird der Mengenanteil von ca. 3.750 Mg an die jeweiligen dualen Systembetreiber übergegeben und von diesen entsprechend den Vorgaben der Verpackungsverordnung sortiert und verwertet. Die verbleibende Menge des BAWN von ca. 750 Mg/Jahr wird anschließend zu einem beauftragten Sortierbetrieb verbracht und durch diesen ebenfalls entsprechend den gesetzlichen Anforderungen sortiert und einer ordnungsgemäßen Verwertung zugeführt.

Können Sie ausschließen, dass der Wertstoff aus dem Kreis Nienburg irgendwann an den Stränden der Dritte-Welt-Länder auftaucht?

Das kann ausgeschlossen werden.

Wieviel verdient der BAWN an einer Tonne Wertstoff?

Die Einsammlungskosten des Leichtverpackungsanteiles werden unverändert über die Lizenzentgelte durch die dualen Systembetreiber finanziert. Der BAWN-Anteil wird unverändert über die Abfallgebühren finanziert. Das neue Erfassungssystem „Wertstofftonne“ kann zurzeit kostenneutral eingeführt werden.

Würden Sie die Menschen im Landkreis Nienburg trotzdem dazu aufrufen,

so wenig Müll und

Wertstoff wie möglich

zu produzieren?

Ja, die Abfallvermeidung ist immer vorrangig zu betrachten.

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Erstellt:
20. Januar 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 30sec

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